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Kultur

Preis gegen Rechts für Die Toten Hosen

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf zeichnet die Punkrocker für ihr Engagement gegen die rechtsradikale Szene aus. Die Toten Hosen stehen damit in einer Reihe mit Kanzlerin Angela Merkel und zwei Bundespräsidenten.

"Man muss knallhart dagegen halten", sagte Frontmann Campino. Jeder müsse vor seiner Haustür kehren. Auf keinen Fall wolle er "die harten Fankurven den Rechten überlassen". Am 1. Oktober wird den Musikern für ihren jahrzehntlangen persönlichen Einsatz gegen Ausgrenzung und Rassismus in Düsseldorf die Josef Neuberger-Medaille überreicht.

Politisch engagiert

Die Toten Hosen kommen aus der linksalternativen Szene und haben sich in den 32 Jahren ihres Bestehens immer als politische Band verstanden. Sie kämpften gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf, protestierten gegen das G8-Treffen der großen Industriestaaten in Heiligendamm und forderten eine Steigerung der Entwicklungshilfe. Mehrmals stand der Bundesgrenzschutz bei ihnen vor der Tür.

Deutschland Flüchtlingspolitik Pro Asyl Tote Hosen

Die Toten Hosen setzen sich auch für eine humane Flüchtlingspolitik ein

Die Düsseldorfer hätten sich wohl kaum träumen lassen, dass sie jetzt als "die Guten" geehrt werden. Sie gehören zu den populärsten Musikern Deutschlands.

Der Kampf gegen Rechts war für die Band von Anfang an mehr als nur ein Statement. Dafür habe die Band reichlich eingesteckt und sei seit ihrem Anti-Nazi-Song "Sascha - ein aufrechter Deutscher" Anfang der 1990er Jahre vielfach bedroht worden.

Gemeinsam Stärke zeigen

Campino macht sich allerdings keine Illusion, dass die Lieder seiner Band Rechtsradikale umdrehen könnten. Sie hätten auch nicht den Anspruch, politisch Andersdenkende oder Querläufer mit verdrehten Ideologien zum Nachdenken zu bringen: "Ich habe es immer so verstanden, dass wir die Kampfmusik sind für die, die gegen Rechtsextremismus sind. Plötzlich schreien nicht 20 Leute 'Nazis raus!', sondern 20 000. Das berührt dann schon, das Gefühl zu haben, ich bin hier nicht alleine", so der 52-Jährige

Jüdische Lieder aufgeführt

Konzert Entartete Musik in Düsseldorf

Die Konzertreihe "Entartete Kunst" war für die Toten Hosen eine Herzensangelegenheit

Die Ehrenmedaille erhalten die Toten Hosen auch für ein besonderes Konzert, bei dem sie Musik jüdischer Künstler auf die Bühne brachten, die von den Nationalsozialisten geächtet und verboten worden war. Im Herbst 2013 spielten sie zusammen mit jungen Orchestermusikern der Robert Schumann Musikhochschule Düsseldorf Lieder der Comedian Harmonists, Häftlingslieder aus den Konzentrationslagern und Werke von Kurt Weill und Hanns Eisler. Erich Kästners "Stimmen aus dem Massengrab" oder die "Moorsoldaten" gehören schon lange zum Repertoire der Toten Hosen. Außerdem trat Campino als Sprecher in Arnold Schönbergs Oratorium "Ein Überlebender aus Warschau" auf - eine Rolle, die er sich anfangs nicht zutraute.

Im Namen Neubergers

Seit 1991 werden mit der Ehrenmedaille im Namen Josef Neubergers nichtjüdische Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die jüdische Gemeinschaft verdient gemacht haben. Neuberger war ein jüdischer Rechtsanwalt, der 1938 nach Palästina emigrierte, 1950 nach Deutschland zurückkehrte und später Justizminister in Nordrhein-Westfalen wurde.

Preisträger waren bisher unter anderem die Bundespräsidenten Johannes Rau und Roman Herzog, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ehemalige Intendant des Westdeutschen Rundfunks Fritz Pleitgen und der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher.

suc/cw (dpa)