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Fokus Osteuropa

Preis für Roma-Projekte geht an vier Städte in Südosteuropa

Der Europarat vergibt einen Preis an Gemeinden, die die Integration der Roma fördern und Vorurteile abbauen helfen. Vier Städte in Südosteuropa wurden dieses Jahr ausgezeichnet.

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Preisverleihung im Europarat (4.3.2009)

„Es reicht mit den Vorurteilen. Lernen wir die Roma kennen!“ Diese Worte stehen auf dem großen Plakat in der Eingangslobby des Europarates in Straßburg. Der „Dosta-Preis“ wurde vom Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates am 4. März in Straßburg verliehen. Er geht an vier Gemeinden in Bosnien und Herzegowina, Griechenland und Bulgarien, die 2008 konkrete Lösungen für die Roma-Bevölkerung bewirkt haben.

Roma sind Teil der Gesellschaft

Der „Dosta-Preis“ gehe an Gemeinden, die neue Wege für die Integration der Roma und Sinti in die Gesellschaft gefunden hätten, hob in seiner Rede beim Festakt in Straßburg der Präsident des Kongresses der Gemeinden und Regionen, Ian Micaleff, hervor. Die ausgezeichneten Gemeinden seien „gegen den Strom geschwommen“, weil es auch heute noch viele Vorurteile gegen Roma in unseren Ländern gebe. „Diese Diskriminierung - sowohl gedanklich als auch wörtlich - ist der Grund, warum wir mehr Achtung und mehr Projekte brauchen. Projekte, die Roma zu einem Bestandteil unserer Gesellschaft machen werden“, sagt Micallef.

„Dosta“ heißt auf Deutsch: „Es reicht!“. Die Preisverleihung ist ein Teil des großen Projektes „Gleiche Rechte und Behandlung für Roma in Südosteuropa“, das vom Europarat und der Europäischen Kommission ins Leben gerufen wurde. Anstrengungen in dieser Richtung müssten Anerkennung bekommen, und neue Ideen müsse man mit anderen teilen – so laute die Botschaft des Projektes, meinte Micallef.

Erster Platz für Wohnungsbauprojekt

Den ersten Platz teilen sich zwei Städte aus Bosnien und Herzegowina: Mostar und Prijedor. Die zwei bosnischen Kommunen haben sich mit einem Wohnungsbauprojekt für Roma für den Preis qualifiziert. Somit haben sie eins der größten Probleme der Roma gelöst. Der Bürgermeister von Mostar, Ljubo Beslic, erläutert seine Ziele in dem Projekt: „Wir werden diese Menschen sozialisieren. Die Roma-Kinder werden mit anderen Kindern in die Schule gehen, so dass es keinen Unterschied gegenüber anderen Menschen gibt.“

Das Projekt der Stadt Prijedor geht in eine andere Richtung. Roma-Vertreter sollen in die Stadtverwaltung integriert werden und dabei insbesondere an Projekten zur Einschulung von Kindern und Jugendlichen intensiv mitarbeiten, sagt Bürgermeister Marko Pavic. Er fügt hinzu: „Einige Roma, die unser Stipendium bekommen haben, studieren bereits an Fachhochschulen.“

Schwierige Lage der Roma

Der zweite und dritte Preis gehen an die Städte Volos in Griechenland und Lom in Bulgarien. Mit acht bis zehn Millionen Angehörigen sind die Roma die größte Minderheit Europas. Die meisten von ihnen leben in den Ländern Südosteuropas. Viele Roma-Familien leben in regelrechten Ghettos oder Slums unterhalb der Armutsgrenze. Vor allem die Kinder leiden unter Armut, Diskriminierung und Perspektivlosigkeit.

In Bosnien und Herzegowina sind nach der letzten UNICEF-Studie 80 Prozent der Roma-Kinder nicht eingeschult. In Albanien, Bulgarien, Rumänien und Serbien sind es zwischen 20 und 40 Prozent. In Serbien sind mehr als 40 Prozent der Roma im Alter zwischen 15 und 18 Jahren verheiratet und ohne Arbeit.

Azer Slanjankic

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