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Asien

Preis für mutige indische Schülerinnen

Zwei junge Inderinnen werden für ihre Rolle bei der Aufdeckung eines internationalen Menschenhändler-Rings geehrt. Im DW-Interview schildern sie die Ereignisse und reden über ihren weiteren Kampf gegen Menschenhandel.

Millionen Frauen und Kinder werden in Indien Opfer von Menschenhändlern und Zwangsprostitution. Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen ILO geht davon aus, dass weltweit rund 150 Milliarden US-Dollar mit dieser Art von moderner Sklaverei umgesetzt werden. Indien gilt in Asien als eine der Drehscheiben für Verbrechen, die im Zusammenhang mit Menschenhandel stehen. Nach Regierungsangaben verschwindet in Indien alle acht Minuten ein Kind oder wird von Menschenhändlern verkauft.

Umso größer war die Überraschung, als zwei Schulmädchen der Polizei bei der Zerschlagung eines grenzübergreifenden Menschenhändler-Rings halfen. Die verhafteten Verdächtigen werden für das Verschwinden von Mädchen aus Indien und Nepal verantwortlich gemacht. 

Für ihre Leistung erhielten die 17-jährige Shivani Gond (im Artikelbild links) und ihre 18-jährige Freundin Tejasweeta Pradhan aus Darjeeling in West-Bengalen den angesehenen Geeta Chopra Preis, der im Rahmen der Nationalen Tapferkeits-Auszeichnungen jedes Jahr verliehen wird.

Im Zuge der riskanten Ermittlungen hatten Gond und Pradhan im Mai 2016 auf Facebook Kontakt zu den Menschenhändlern aufgenommen. In zahlreichen Telefonaten hatten sie vorgegeben, dass sie von zu Hause weglaufen wollten.

DW: Was hat euch dazu bewogen, bei diesen riskanten Ermittlungen mitzumachen?

Tejasweeta Pradhan: Wir haben es gemacht, weil wir uns sicher waren, dass wir Tausende von Mädchen retten würden, wenn unsere gewagte Mission Erfolg haben würde. Wir wussten über den Sex-Handel mit Mädchen Bescheid, weil wir uns als Mitglieder einer Schülergruppe unter dem Dach der Nichtregierungs-Organisation MARG ("Mankind in Action for Rural Growth") gegen Menschenhandel und sexuellen Missbrauch engagieren. Es war eine gemeinsame Aktion der Polizei und der NGO.

Wie sah euer Plan aus?

Shivani Gond:  Wir traten auf Facebook unter falschem Namen auf und gaben uns als Mädchen, die Arbeit suchen, aus. Das war im Mai 2016. Die Polizei und die NGO wussten im Voraus von unserem Plan. Drei Monate dauerten die Vorbereitungen. Und dann nahm tatsächlich jemand Kontakt mit uns auf und sagte uns, was wir machen sollten. Wir freundeten uns mit einer Frau an, die sich am Ende als Verbindungsperson zu dem Menschenhändler-Ring herausstellte. Als uns gesagt wurde, dass unsere Arbeit in Hotels stattfinden sollte, war das für uns ein Hinweis darauf, dass wir es mit einem Menschenhändler-Syndikat zu tun haben könnten.

Hattet ihr keine Angst?

Tejasweeta Pradhan: Natürlich hatten wir Angst. Aber wir wussten, dass hinter uns ein ganzes Team und außerdem die Polizei steht. Deshalb glaubten wir auch, dass wir sie erwischen oder - falls es schief läuft - wir die Mission abbrechen und entkommen würden. Aber ganz gleich wie die Sache ausgehen würde - durch die Unterstützung der Polizei waren wir uns sicher, dass man die Schuldigen auch verhaften würde. Am Anfang haben sich unsere Eltern große Sorgen gemacht. Aber als sie erfahren haben, dass wir nicht auf uns allein gestellt waren, haben sie uns ihre Erlaubnis gegeben.

Wie kam das Treffen zustande?

Shivani Gond: Wir trafen uns nahe der indisch-nepalesischen Grenze in Panitanki und warteten auf die Leute in einem Hotel. Dann kam eine Gruppe von Jungen. Sie waren wirklich noch sehr jung! Wir konnten es kaum glauben, dass diese Jungen Menschenhändler waren! Aber wir haben einen kühlen Kopf bewahrt und nach einer Weile den Polizisten in Zivil und den NGO-Mitarbeitern, die als Kellner verkleidet waren, Zeichen gegeben. Wir haben uns am Kopf gekratzt - das war das vereinbarte Signal. Daraufhin ging alles sehr schnell, und die Jungen wurden verhaftet.

Der Menschenhandel mit jungen Frauen ist in West-Bengalen weit verbreitet. Seid ihr euch dessen bewusst, wie groß die Ausmaße dieses Problems sind?

Tejasweeta Pradhan: Ja, wir sind uns der Größe und des Ausmaßes dieses Problems sehr bewusst. Wir haben viele Informationen von der NGO erhalten, für die wir als Freiwillige arbeiten. Jeder in Darjeeling weiß über das Problem Bescheid. Wir hoffen, dass wir durch unsere Aufklärungsarbeit die Menschen dafür sensibilisieren können, wie häufig leichtgläubige Mädchen Opfer dieser Kriminellen werden können. Es ist schlimm, dass Menschenhändler gerade die Ärmsten ins Visier nehmen, denn die haben nicht die nötigen Mittel, um gegen diese skrupellosen Verbrecher vorzugehen.

Welche Botschaft habt ihr an junge Mädchen in diesem Land?

Shivani Gond: Wir appellieren besonders an junge Frauen in unserem Alter. Zusammen können wir Aufklärungsarbeit leisten. Wir leben im Zeitalter der sozialen Medien, wo Informationen verbreitet werden, denen leichtgläubige Menschen zum Opfer fallen können. Unser Motto ist ganz einfach: Zusammen können wir daran mitwirken, dem Ganzen ein Ende zu setzen, indem wir auf das Problem aufmerksam machen.

Das Interview führte Murali Krishnan, Neu Delhi

 

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