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Kultur

Preis für äthiopischen Anstandsprinzen

Mit seinem Buch über Manieren katapultierte sich der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate in die Spiegel-Bestseller-Listen. Die Deutschen sehnen sich offensichtlich nach Benimm-Regeln.

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Prinz Asserate auf der Frankfurter Buchmesse


Prinz Asserate weiß nicht nur, wie man gepflegt auf Deutsch parliert; er schreibt sogar besonders elegant in der Fremdsprache. Dafür zeichnete die Robert-Bosch-Stiftung den Äthiopier am 7. Februar 2004 mit dem Chamisso-Preis für in deutscher Sprache schreibende ausländische Autoren aus. Den Grundstock für seine Deutschkenntnisse legte eine österreichische Gouvernante, die den kleinen Prinzen in den fünfziger Jahren am Hofe seines Onkels Haile Selassie betreute.

Lob und Zweifel

Die Entscheidung für Asserate, der sich den Preis mit der Ungarin Zsuzsa Bánks teilt, fiel bereits im Herbst vergangenen Jahres. Da waren sich die Literaturkritiker noch einig: Asserate hatte mit "Manieren" (Eichborn Verlag) ein bemerkenswertes Buch vorgelegt. Das Werk sei "geschrieben in herrlichem Deutsch, humorvoll, gelehrt und unterhaltsam", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". "Ein grandioses, sprachmächtiges Sittenbild unserer Zeit", hieß es in der "Süddeutschen Zeitung". Bis plötzlich Zweifel kamen: Kann der Äthiopier wirklich so gut schreiben? Der Verdacht: Nicht Prinz Asserate, sondern sein Freund, der Autor Martin Mosebach habe "Manieren" geschrieben.

Tatsächlich hat Mosebach ihm bei der Überarbeitung des Manuskripts geholfen, erklärt Asserate. Eine wichtige Hilfe, eben weil Deutsch nicht seine Muttersprache ist. Da habe er den Freund gebeten, "einmal über das fertige Manuskript zu schauen und es in sprachlicher Hinsicht zu polieren."

Mehr als nur Korrekturen?


Eigentlich ein normaler Vorgang; schließlich wird jeder Roman vor seiner Veröffentlichung von einem Verlagslektor bearbeitet – ohne dass dadurch die Authenzität des Verfassers angezweifelt wird. Bei "Manieren" liegt der Fall anders: Die Autorschaft sei so unklar, dass Asserate der Chamisso-Preis nicht zustünde, schreiben jetzt die "Süddeutsche" und die "Neue Zürcher Zeitung".

Dr. Klaus Hübner von der Robert-Bosch-Stiftung, hält die ganze Diskussion für übertrieben: "Für Leute, die nicht in der Muttersprache schreiben, ist es doch normal, dass sie zu einem Freund gehen, und ihn drüber gucken lassen." Die Jury werde auf jeden Fall an ihrer Entscheidung für Asserte festhalten und ihm den Preis am 19. Februar übergeben. "Wenn jemand verzichten will, dann der Preisträger selbst", so Hübner.

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