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Bildung

Praktikantenprogramm "Germany Hands-On"

Ausländische Studenten kommen gern zum Gaststudium nach Deutschland. Doch danach packen sie wieder ihre Koffer. "Germany Hands-On" will das verhindern und gut ausgebildete Leute für den deutschen Arbeitsmarkt gewinnen.

Erin Mitchell bei der Konferenzvorbereitung in ihrem Büro bei der UNCCD (Foto: DW / Nina Treude)

Erin Mitchell aus Australien in ihrem Büro bei der UNCCD

Erin Mitchell sitzt konzentriert vor ihrem Computer und sucht Adressen von Regierungsbeamten aus aller Welt heraus. Im Oktober organisieren die Vereinten Nationen eine Konferenz zum Thema Wüstenbildung, und Erin Mitchell bereitet die Einladungen vor. Die Australierin studiert seit September "Internationale Studien" an der Uni Bonn. In diesem Semester macht die junge Frau nebenher ein Praktikum bei der UNCCD, einer Einrichtung der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung. Drei Tage in der Woche sitzt sie am Schreibtisch der UNCCD in Bonn.

Auf eigene Faust an so einen anspruchsvollen Praktikumsplatz zu kommen, ist für ausländische Studierende oft nicht einfach. Erin Mitchell hatte es da leichter. Ihr hat das Praktikantenprogramm "Germany Hands-On", kurz GHO, weitergeholfen, das es seit knapp zehn Jahren an der Uni Bonn gibt. Die Mitarbeiter des Programms, das vom Internationale Office initiiert wurde, helfen Studierenden aus Asien, Afrika, Amerika und Australien, ihre Praktikumswünsche in Deutschland zu verwirklichen.

Gewusst wie: Bewerbung um einen Praktikumsplatz

Elisabet Tsirkinidou im International Office (Foto: DW / Nina Treude)

Elisabet Tsirkinidou

"Es ist wichtig, den Studenten zu zeigen, wie die Suche nach einem Praktikumsplatz in Deutschland funktioniert", erklärt Elisabet Tsirkinidou vom International Office der Uni Bonn. Viele Studierende kämen nach Deutschland, um sich das Land anzuschauen, aber auch, um eventuell hier weiter zu studieren und zu arbeiten. Hier setzt das International Office an und zeigt den ausländischen Studierenden, wie man sich in Deutschland erfolgreich bewirbt.

Zahlreiche Firmen und Organisationen stellen dafür Praktikumsplätze zur Verfügung. Um einen dieser Plätze zu bekommen, müssen die Teilnehmer eine Gebühr von 250 Euro zahlen. Doch obwohl sie für ihr dreimonatiges Praktikum kein Geld bekommen, bewerben sich alleine in Bonn jedes Jahr mehr als 40 Studenten bei "Germany Hands-On" um einen Praktikumsplatz.

Neue Fachkräfte für deutschen Arbeitsmarkt

In Kindergärten, Banken, Schulen und Kanzleien arbeiten sie – oder wie Erin bei der UN. Das ist zwar eine internationale Organisation, die auch in anderen Ländern weltweit vertreten ist, aber Erin hat sich gezielt für Deutschland entschieden. "Das Land hat mich schon immer interessiert. Ich hab eine Klassenfahrt nach Deutschland gemacht, als ich 15 war, und da habe ich mich in das Land verliebt", erzählt Erin. Im Vergleich zu Australien gibt es in Europa außerdem ein viel dichteres Netzwerk internationaler Organisationen. Das macht den Standort für Erin so attraktiv.

Deutschlandbegeisterte Studierende wie Erin werden mit offenen Armen empfangen. Denn man will die klugen Köpfe, die zum Studium nach Deutschland kommen, nicht nur an den Hochschulen fördern, sondern auch hier behalten – nicht zuletzt, weil in vielen Arbeitsbereichen Fachkräfte fehlen. Im Maschinenbau werden zum Beispiel rund 8000 Ingenieure und Techniker gesucht. Die Bundesregierung arbeitet daher an einer vereinfachten Anerkennung ausländischer Berufs- und Studienabschlüsse. Außerdem sollen ausländische Absolventen deutscher Hochschulen nach ihrem Studium dauerhaft in Deutschland bleiben dürfen, damit sie genügend Zeit haben, einen Job zu finden.

Naturwissenschaftler und Techniker gefragt

Ziele, die auch das Programm GHO verfolgt, und zwar indem man internationalen Studis durch ein anspruchsvolles Praktikum den Weg auf den deutschen Arbeitsmarkt ebnet. Weil in Deutschland insbesondere Ingenieure und Ärzte gesucht werden, lassen sich derzeit vor allem Studierende aus dem naturwissenschaftlichen und technischen Bereich besonders gut an Unternehmen vermitteln.

Resonanz seitens der Arbeitgeber positiv

Erin Mitchell sieht ihre berufliche Zukunft bei einer internationalen Organisation in Deutschland (Foto: DW / Nina Treude)

Erin Mitchell sieht ihre Zukunft bei einer internationalen Organisation in Deutschland.

Die Arbeitgeber freuen sich über die internationale Unterstützung, erzählt Elisabet Tsirkinidou. Es gebe vor allem positive Erfahrungen. "Niemand findet es zu kompliziert, einen ausländischen Studenten zu beschäftigen", beobachtet Elisabet Tsirkinidou. Einzige Voraussetzung für eine Teilnahme: Die Praktikanten von Germany Hands-On müssen gut deutsch sprechen.

Elisabet Tsirkinidou ist immer wieder verblüfft, wie sehr die Studierenden sich in den drei Monaten Praktikum auch persönlich weiterentwickeln. Erin bestätigt diese positive Erfahrung. Sie spricht mittlerweile fließend Deutsch und sieht ihre berufliche Zukunft klarer als vor dem Praktikum. Nach ihrem Studium gilt ihr Visum in Deutschland noch ein Jahr. Damit hat sie dann genügend Zeit, einen Job in Deutschland zu finden, hofft sie. Diese Chance will sie nutzen.


Autorin: Nina Treude
Redaktion: Svenja Üing