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Asien

Pradetto: "Nordkorea fühlt sich provoziert"

Die Kriegsdrohungen Nordkoreas haben eine neue Stufe erreicht. Im Gespräch mit der DW erklärt Politikwissenschaftler August Pradetto, warum Machthaber Kim Jong Un Stärke zeigen will - und wie die USA darauf reagieren.

DW: Nordkorea hat den Kriegszustand mit Südkorea ausgerufen. Was ändert sich dadurch? Die beiden Länder haben doch seit dem Koreakrieg ohnehin keinen Friedensvertrag.

Pradetto: Im Prinzip wird das an der militärischen und politischen Lage wenig ändern, weil Südkorea zusammen mit den USA den nordkoreanischen Streitkräften haushoch überlegen ist. Nordkorea fühlt sich durch die großangelegten Manöver, die gegenwärtig in Südkorea und im Ostchinesischen Meer durchgeführt werden, provoziert, und das ist jetzt die Reaktion der nordkoreanischen Führung auf diese Manöver. Das hat sowohl eine innenpolitische Funktion, soll aber auch nach außen demonstrieren: Wir setzen diesen Manövern etwas entgegen, wir behaupten uns. Obwohl Pjöngjang wenig Möglichkeiten hat, dem in irgendeiner Weise adäquat militärisch zu begegnen.

Sie sagen, das Ausrufen des Kriegszustands habe auch innenpolitische Gründe. Inwiefern?

Kim Jong Un

Kim Jong Un regiert das kommunistische Nordkorea seit einem Jahr

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un ist jetzt etwas mehr als ein Jahr an der Macht. Er muss sich als sehr junger Nachfolger seines Vaters in seinem Amt beweisen - und das versucht er offenbar durch starke Worte. Die starken Worte gegen die Amerikaner und gegen die südkoreanische Führung sollen bewirken, dass er als der Hüter und Beschützer der nordkoreanischen Nation anerkannt wird.

Wirkt das denn auf seine Landsleute?

Man darf nicht vergessen, dass Nordkorea ein totalitärer Staat ist, der die gesamten Medien unter seiner Kontrolle hat. Von außen dringen relativ wenige Nachrichten und kaum objektive Berichterstattung in das Land. Die Menschen sind auf die eigenen Medien angewiesen. Nachrichten anderer Art kommen nur aus China und sind kaum geeignet, die nordkoreanische Öffentlichkeit wesentlich zu beeinflussen.

Aber die nordkoreanischen Führer haben sich ja immer wieder von den amerikanischen und südkoreanischen Militärmanövern provoziert gefühlt. Hat das jetzt eine andere Qualität bekommen oder handelt es sich um ein Säbelrasseln, wie es immer mal wieder vorkommt?

Seemanöver der USA und Südkorea (Foto: Reuters)

Die USA und Südkorea führen regelmäßig gemeinsame Seemanöver durch

Die Gefahr besteht vor allem darin, dass etwas von beiden Seiten Unbeabsichtigtes passieren könnte. Der Großteil der Manöver wird in Kürze zu Ende gehen. Danach wird sich die Situation vermutlich wieder beruhigen - wenn vorher keine Zwischenfälle passieren.

Können die USA und Südkorea dazu etwas beitragen? Zum Beispiel dadurch, dass sie zurückhaltender auftreten?

Das wäre eine Möglichkeit. Die USA tun wenig dafür, um die Situation zu beruhigen. In der Tat stehen die USA selber mit ihren Stützpunkten in Japan und Südkorea unter Druck. Diese Stützpunkte sind in den Bevölkerungen der jeweiligen Länder nicht unumstritten. Zugleich wollen die Vereinigten Staaten ihre Stützpunkte in der pazifischen Region, insbesondere in Südkorea und auch in Japan, und auch die Raketenabwehr in diesem Raum verstärken. Die nordkoreanische Reaktion auf die Manöver kommt den Vereinigten Staaten sicher nicht ungelegen, um die eigene Position und die eigenen Planungen zu legitimieren und auch gegen Widerstände durchzusetzen.

Das bedeutet, beide Länder wollen ihre Stärke demonstrieren?

Beide Länder wollen ihre Position in dieser Region bewahren. Nordkorea befürchtet, dass das, was seit 2001 auf der Tagesordnung der USA steht, nämlich ein Regimewechsel in Pjöngjang, möglicherweise auch mit militärischen Mitteln durchgeführt werden könnte. Und die Vereinigten Staaten versuchen, ihre pazifischen Positionen auszubauen. Und dies ist der eigentliche Hintergrund für die von beiden Seiten betriebene Rhetorik und Strategie.

August Pradetto ist Professor für Politikwissenschaft an der Bundeswehr-Universität in Hamburg.

Das Gespräch führte Anne Allmeling.

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