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Kultur

Prävention statt Panik

Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch: In der EU ist eine Agentur in Stockholm für den Kampf gegen Infektionskrankheiten zuständig. Was kann Europa tun, um seine Bürger zu schützen?

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Hat Europa erreicht: die Vogelgrippe

Reisefreiheit genießen in der EU nicht nur die Bürger, auch Viren und Krankheitserreger erfreuen sich daran, sagt Zsuzsanna Jakab vom Europäischen Seuchenbekämpfungszentrum in Stockholm scherzhaft. Das zeige, dass Infektionskrankheiten nicht national von den Mitgliedsstaaten bekämpft werden können, sondern nur grenzüberschreitend auf europäischer und internationaler Ebene. Ihre praktische Arbeit hat die neue Agentur der EU erst vor drei Monaten aufgenommen. Etwa 50 Wissenschaftler und Beamte arbeiten derzeit in den brandneuen Büroräumen in Stockholm an Seuchenüberwachung, Vorbeugung und technisch-medizinischer Beratung.

SARS, Frauen mit Masken und Mobiltelefonen

SARS-Epidemie in China 2003

Lungenkrankheit SARS gab den Ausschlag

Der Anstoß zur Gründung einer supranationalen Behörde, die das eher lockere Netzwerk von Gesundheitsbehörden der 25 Mitgliedsstaaten ablösen soll, gab die Lungenkrankheit SARS, die vor drei Jahren in China ausbrach und sich in Windeseile verbreitete. Im Moment beschäftigen sich die Direktorin Zsuzsanna Jakab und ihre Mitarbeiter mit dem Vogelgrippe-Virus, das von Zugvögeln nach Europa eingeschleppt wurde. Obwohl es sich um eine Tierseuche handelt, ist das Zentrum in Stockholm mit dem Virus H5N1 befasst. Für Peet Tüll von der Abteilung für Seuchenbekämpfung ist die Zusammenarbeit mit den Tiermedizinern von entscheidender Bedeutung: "Wir sind sehr eingebunden, weil wir uns regelmäßig mit den Veterinären austauschen und Verhaltenregeln für die Menschen geben, die mit infizierten Tieren in Berührung kommen."

H5N1 Elektronen-Mikroskop-Aufnahme des Vogelgrippe-Erregers H5N1 Vogelgrippe Wissenschaft

Gefahr durch Mutationen: Erreger H5N1

Warnung vor Panikmache

Die Seuchenbekämpfer in Stockholm warnen davor, in Panik zu verfallen. Das Risiko für den Menschen durch die Vogelgrippe sei minimal. Ob das Virus, wenn es mutieren und von Mensch zu Mensch überspringen würde, auch eine weltweite Grippeepidemie - eine sogenannte Pandemie - auslösen würde, ist völlig unklar, meint Peet Tüll. Die Pandemie könne von allen möglichen Viren verursacht werden. Aufgabe der EU-Behörde ist es, die Notfallplanung für jede mögliche Pandemie vorzubereiten, erklärt Suzanna Jakab, die Direktorin: "Wir schauen uns alle Vorsorgepläne an und arbeiten mit den Ländern zusammen, um sicherzustellen, dass auf allen Ebenen Führung vorhanden ist, nicht nur auf der Ebene der Ministerien. Und wir prüfen, ob die verschiedenen Notfallpläne miteinander harmonieren."

Werbeplakat für Kondome

Kampf gegen AIDS

Diese Beratungs- und Überwachungsaufgaben hat die Seuchenbehörde nicht nur bei der Vogelgrippe, sondern für rund 50 weitere Infektionskrankheiten wie die normale saisonale Grippe, Tuberkulose oder HIV-AIDS. Für Peet Tüll ist es wichtig, dass seine Behörde nicht zu viele unverständliche Papiere produziert. Zu dick dürften die Notfallpläne und Leitfäden nicht werden: "Ein Hindernis in vielen Ländern ist, dass die Bürokraten im Gesundheitswesen sehr gut darin sind, Pläne auszuarbeiten. Aber die Umsetzung durch die Ärzte und Schwestern lässt zu wünschen übrig. Wir müssen diese beiden Teile verbinden, um die Planung zu verbessern."

Krisenmanagement auf dem Prüfstand

Seit drei Jahren arbeiten die EU-Staaten intensiv daran, sich auf eine Grippe-Pandemie, die im letzten Jahrhundert dreimal aufgetreten ist, vorzubereiten. Der Stand der Vorbereitungen sei gar nicht so schlecht, einige Ländern müssten bei der Einlagerung von Anti-Grippe-Medikamenten noch nachbessern, so Peet Tüll. Manchmal bedauert er, dass die Stockholmer Agentur niemandem Weisungen erteilen kann. Sie kann weder Strafen verhängen noch Verordnungen verabschieden. Sie hat nur eine beratende Funktion gegenüber EU-Kommission und Ministerrat. Die EU-Gesundheitsminister haben sich allerdings verpflichtet, die Vorschläge der Agentur auch umzusetzen.

Neue EU-Kommissare treffen sich erstmals in Brüssel

EU-Kommission berät über Gesundheit

In dieser Woche läuft im Stockholmer Zentrum eine groß angelegte Übung. Man testet das Krisenmanagement und unsere Kommunikationswege, erläutert Peet Tüll. Sein Motto lautet: Hoffe das Beste und bereite dich aufs Schlimmste vor.

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