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Politik

Präsidentschaftswahlen in Peru: Stichwahl wahrscheinlich

Am Sonntag (9.4.2006) waren in Peru 16,5 Millionen Menschen aufgerufen, einen neuen Präsidenten und einen neuen Kongress zu wählen. Bisherige Hochrechnungen sehen den Linksnationalisten Humala als nächsten Präsidenten.

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Siegessicher: Ollanta Humala und seine Frau

Bisher wurden knapp 60 Prozent der Stimmen ausgezählt. Nach Berichten unterschiedlicher Nachrichtenagenturen ist der Linksnationalist Ollanta Humala mit einem vorläufigen Ergebnis zwischen 24,9 und 28,1 Prozent der aussichtsreichste Anwärter auf die Nachfolge des amtierenden Präsidenten Alejandro Toledo. 23,4 bis 26,4 Prozent der Stimmen entfielen bisher auf die konservative Lourdes Flores, die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Sozialdemokraten Alan García liefert. Der liegt laut Agenturberichten zwischen 22,3 und 25,2 Prozent. Bisher wurden vor allem städtische Gebiete ausgezählt. Auf dem Land wird mit einer größeren Zustimmung für Humala gerechnet

Daher sagt die anerkannte nicht-staatliche Organisation Transparencia ein Endergebnis von 29,9 Prozent für Humala, 24,4 Prozent für Flores und 24,3 Prozent für García voraus. Das offizielle Ergebnis wird laut Wahlkommission wegen mehrerer Wahlanfechtungen erst in 20 Tagen vorliegen. Sollte es - wie zu erwarten - bei diesem denkbar engen Ergebnis bleiben, wird eine Stichwahl unumgänglich. Denn für einen Sieg schon in der ersten Runde ist eine absolute Mehrheit von 50 Prozent plus einer zusätzlichen Stimme nötig. Die Stichwahl ist für Ende Mai oder Anfang Juni geplant.

Humalas Anhänger feiern

Humalas Anhänger feierten bereits den Sieg des Ex-Militärs vor seinem Hauptquartier in Lima. Humala trat mit seiner Frau auf den Balkon und ließ sich bejubeln. Der Linksnationalist Ollanta Humala, der von sich selbst sagt, er sei weder links noch rechts, sondern komme von unten, konnte vor allem mit Angriffen gegen die überwiegend weiße Oberschicht punkten. Denn damit spiegelte der 42-Jährige die Gemütslage der in Armut lebenden Peruaner wider, die von dem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich fünf Prozent kaum profitieren. Seine Kritiker befürchten allerdings, dass es im Falle seines Sieges zu sozialen Unruhen und gar einer Diktatur kommen könnte. Außerdem werde gegen Humala wegen Menschenrechtsverletzungen gegen den maoistischen "Leuchtenden Pfad" Anfang der 1990er Jahre ermittelt. Auch sei der ehemalige Oberstleutnant an einem gescheiterten Putschversuch gegen den damaligen Präsidenten Alberto Fujimori beteiligt gewesen.

Flores: auch als zweite gute Chancen

Wahlen in Peru Lourdes Flores

Auch Lourdes Flores will das Volk für sich gewinnen

Die 46-jährige frühere Kongressabgeordnete Lourdes Flores, die das konservative Wahlbündnis "Nationale Einheit" anführt, sah lange wie die Siegerin aus und ist vor allem bei der Mittelschicht und bei Frauen beliebt. Doch durch ihre Nähe zu den Unternehmen des Landes steht sie in dem Ruf, die Kandidatin der Rechten und der Wirtschaft zu sein.

Flores sieht den Freihandelsvertrag im Gegensatz zu Humala als Chance: Aus dem Abkommen resultierende Investitionen in die Infrastruktur und die Landwirtschaft würden das wirtschaftliche Wachstum weiter beschleunigen, sagt Flores. Die Liberale wäre also ein Garant für die Fortsetzung der neoliberalen Wirtschaftspolitik Toledos und der guten Beziehungen zu den Nordamerikanischen Nachbarn.

García gerät ins Hintertreffen

Wahlen in Peru Alan Garcia

Alan García war bereits einmal Präsident in Peru

Der Sozialdemokrat Alan García, der mit seiner jetzigen Kandidatur einen zweiten Versuch für die Präsidentschaft startete - er war bereits von 1985 bis 1990 im Amt - scheint das Rennen knapp zu verlieren. Und das, obwohl der Polit-Profi von der Mitte-Links-Partei APRA als einziger Favorit ein erprobtes Wahlkampf-Team hinter sich hatte. In seinem Programm betonte er mehr als die beiden anderen Favoriten soziale Aspekte. Wie Humala lehnt er den Freihandelsvertrag ab. Außerdem fordert er höhere Steuern für ausländische Unternehmen, um Perus Wirtschaft zu schützen.

Chancen auf einen Sieg in der zweiten Runde haben nach Meinung von Experten sowohl Flores als auch Humala. Jedoch werden beide den Kompromiss mit anderen Parteien suchen müssen. Denn nach ersten Ergebnissen hat bei den Parlamentswahlen keine Partei die Mehrheit erreicht. Daher ist der neue Präsident oder die neue Präsidentin für jedes Gesetz auf die Unterstützung mehrerer Gruppen angewiesen. (kih)

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