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Afrika

Präsidentschaftswahl in der Elfenbeinküste

Seit fünf Jahren ist die Wahl überfällig, sieben Mal wurde sie verschoben. Machtspiele und politische Intrigen haben das Land völlig gelähmt. Fast glaubte schon keiner mehr daran, doch nun findet die Abstimmung statt.

Wählerlisten in der Elfenbeinküste (Foto: Dw)

Die Wählerlisten wurden bereits vor einem Jahr veröffentlicht

Wahlen, Demokratie, vielleicht sogar ein wirtschaftlicher Aufschwung - für viele Menschen in der Elfenbeinküste klingt das zu schön, um wahr zu sein. Auch für Pélagie Kouayou, eine junge Biologin aus Abidjan. Wie hunderttausende anderer junger Leute findet auch sie trotz bester Examensnoten einfach keinen Job. "Ich glaube nicht mehr an das Geschwätz der Politiker. Denn sie streiten sich nur untereinander, statt sich um die Menschen zu kümmern", sagt die junge Frau frustriert.

Dunkle Jahre an der Macht

Präsident Laurent Gbagbo (Foto: dpa)

Präsident Laurent Gbagbo will an der Macht bleiben

Handyverkäufer Eric sieht das genauso. Trotzdem würde er zu gerne an ein ivorisches Wunder glauben. "Dieses politische Schauspiel der letzten Zeit ist völlig irre. Es ging immer nur um Postengeschacher. Die da oben haben die Politik missbraucht und für ihre Zwecke instrumentalisiert, und die Bevölkerung musste es ausbaden". Zehn dunkle Jahre lang hat sich Präsident Laurent Gbagbo in der Macht eingeigelt - und er will sie bis heute nicht abgeben. Damit zementiert er den unhaltbaren Zustand des Landes, das einmal als die Perle Westafrikas galt: Die Elfenbeinküste ist durch einen Bürgerkrieg gespalten, Gbagbo regiert in einer unheiligen Allianz mit den ehemaligen Rebellen, während das Land eine rasante Talfahrt erlebt. Die Wirtschaftskraft ist um mehr als die Hälfte gesunken. Doch Gbagbo will kämpfen - und schwört seine Anhänger auf Sieg ein: "Diese Wahl ist sehr wichtig. Die Menschen müssen verstehen, was auf dem Spiel steht. Gemeinsam bauen wir dieses Land wieder auf. Ich zähle auf Euch alle."

Ivoirité schürt Hass

Präsidentschaftskandidat Allassane Ouattara (Foto: AP)

Präsidentschaftskandidat Allasane Ouattara sieht sich als Opfer der Ivoirité

Gbagbo zählt noch immer besonders auf diejenigen, die wie er daran glauben, dass die Elfenbeinküste den Ivorern gehört – und sonst niemandem. Das heißt: Nur wer in der Elfenbeinküste geboren ist, soll wählen dürfen, und wählbar sein. Schon vor zehn Jahren wurden auf diese Weise Millionen Migranten, die aus den Nachbarländern zur Arbeit auf den Kakaoplantagen kamen, plötzlich zu Bürgern zweiter Klasse. Auch Alassane Ouattara sieht sich als Opfer der so genannten Ivoirité. Damals war der ehemalige Ministerpräsident und Weltbank-Funktionär nicht als Präsidentschaftskandidat zugelassen, weil er nicht als Ivorer galt. "Die Frage, wer Ivorer ist und wer nicht, hat die Elfenbeinküste in die Katastrophe getrieben, sie hat damals zum Bürgerkrieg geführt. Wir müssen den Hass in dieser Gesellschaft endlich eindämmen, diese Diskriminierung, die uns so große Probleme bereitet hat", so Ouattara.

Angst vor Gewalt

Demonstration von Regierungsanhängern (Foto: AP)

Die Gewaltbereitschaft unter den Anhängern der politischen Lager ist hoch

Erst vor wenigen Wochen wurde der Streit um die Ivoirité vorerst beigelegt, und die Wahlkommission billigte eine Liste von rund sechs Millionen Wählern. Bei der Abstimmung an diesem Sonntag (31.10.2010) gilt Alassane Ouattara nun als Laurent Gbagbos schärfster Gegner – noch vor dem früheren Präsidenten Henri Konan Bédie. Unter diesen dreien könnte es zu einer Stichwahl kommen. Doch erst einmal muss die Elfenbeinküste den Wahltag gut hinter sich bringen. Anaky Kobenan, Oppositionspolitiker und einer der insgesamt 14 Präsidentschaftskandidaten, ist froh, dass die EU Wahlbeobachter schickt und dass die Vereinten Nationen ihre Blauhelm-Mission massiv aufgestockt haben. Kobenan fürchtet, dass es zu Gewalt kommt. Zum einen seien seit dem Bürgerkrieg auf beiden Seiten noch immer unzählige Waffen im Umlauf, zum anderen klebe Laurent Gbagbo einfach zu sehr an seinem Stuhl. "Gbagbo wird die Macht nicht freiwillig abgeben. Die Menschen müssen sich klar darüber sein, dass sie für ein neues, modernes Land eintreten müssen. Ein Land, das die letzten zehn qualvollen Jahre endlich hinter sich lassen kann."

Freie, faire und friedliche Wahlen, das wäre vielleicht das schönste Geschenk, dass die Verantwortlichen ihrem abgestürzten Land 50 Jahre nach der Unabhängigkeit von der früheren Kolonialmacht Frankreich machen können. Wunder dauern eben etwas länger. An der Côte d'Ivoire dauern sie auf jeden Fall schon viel zu lange.

Autor: Alexander Göbel
Redaktion: Katrin Ogunsade

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