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Afrika

Präsidentenwahlen in Togo

In Togo haben am Donnerstag die Präsidentenwahlen begonnen. Der Urnengang gilt als Testfall für die Demokratie. Viele fürchten, Präsident Faure Gnassingbé könne sich wieder durchsetzen – mit allen Mitteln.

Togolesischer Soldat wählt in einem Wahllokal in Togo (Foto: ap)

Wahllokal in Togo

Der Grand Marché – der große Markt von Lomé. Ein chaotisches Meer von Farben. Hier schlägt das Herz von Togos Hauptstadt. Überall kleine Buden, Frauen in bunten Kleidern tragen riesige Schüsseln auf dem Kopf und bieten ihre Waren im Gehen an: Gemüse, Obst, Limonade. Auch Motorräder kämpfen sich durch die Menschenmassen und die unzähligen Schlaglöcher auf den sandigen Straßen. Ein Auto kann sich kaum jemand leisten. Ganz Lomé ist auf die so gennanten Zemidjan angewiesen, die Motorradtaxis - und ihre mutigen Fahrer. Einer von ihnen ist Thomas Naté. "Ich fahre Motorradttaxi, um zu überleben", sagt Naté, "andere Jobs laufen hier im Moment nicht".

"Katastrophale Bilanz"

Die verwüstete Bibliothek des Goethe-Instituts in Togo (Foto: ap)

Das verwüstete Goethe-Institut nach den Unruhen 2005

So wie Thomas geht es den meisten hier – und das schon sehr lange. Und es hat nicht nur mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu tun, sondern mit Togos politischer Führung. Gnassingbé Eyadéma regiert Togo fast vierzig Jahre - bis zu seinem Tod 2005. Wie in einer Erbdemokratie lässt sich sein Sohn Faure Gnassingbé zum Präsidenten küren. Bei Protesten gegen schweren Wahlbetrug sterben weit mehr als 1000 Menschen. Faure setzt sich durch – und will nun sogar wiedergewählt werden. Doch das Leben werde immer teurer, sagt Ingenieur Kodjo Laré, der in Deutschland studiert hat - die Menschen hätten immer weniger. Präsident Faure bekomme davon nur nicht viel mit – in teuren Geländewagen mit getönten Scheiben sehe man eben das Elend nicht. Dabei sei die Bilanz des Präsidenten "eine Katastrophe", meint Laré. So einer dürfe die Wähler nicht noch einmal um ihre Stimme bitten.

Dennoch: Faure will weitermachen. Die Opposition will bereits vor den Wahlen handfesten Betrug ausgemacht haben. In Togos Norden sollen Wählerlisten aufgebläht worden sein – zugunsten der Regierungspartei. Gegen Faure treten sechs Kandidaten der Opposition an, sogar eine Frau ist dabei. Wenn überhaupt, dann hat Jean-Pierre Fabre Chancen. Der Mann, den die UFC aufgestellt hat. Die Partei des ermordeten ersten Präsidenten Sylvanus Olympio.

Faure Gnassingbe (Foto: ap)

Will mit aller Gewalt an der Macht bleiben: Faure Gnassingbe

"Keine freien und fairen Wahlen"

"Niemand will Wahlen, deren Ergebnis schon vorher feststeht", sagt Jean-Pierre Fabre. Aber die Regierungspartei werde das trotzdem so halten: sie werde die Wahlen klar verlieren und sich dennoch zum Sieger erklären. Aber, erklärt Fabre entschlossen, "wir werden das nicht durchgehen lassen".

Doch die EU vertraut Faure Gnassingbé. Seit zwei Jahren zahlt sie wieder Entwicklungshilfe an Togo, Bundeskanzlerin Merkel hat dem Präsidenten Deutschlands Unterstützung beim demokratischen Prozeß zugesagt – ein Prozeß, der nach Faures Worten „unumkehrbar“ ist. Der Eyadema-Sproß beteuert, die kommende Wahl werde ohne Blutvergießen ablaufen.

Angst vor der Wahl

Brennende Autoreifen nach den letzten Wahlen in Togo (Foto: ap)

Unruhen nach den Wahlen 2005

Noch herrscht Ruhe in Togo. Aber zum Wahltermin flüchteten viele Ausländer über die Grenze ins benachbarte Ghana, auf den Straßen von Lomé hat Faure schon im Januar Panzer rollen lassen – als Symbol. Die Togoer haben Angst. Sie fürchten, dass die Geschichte sich wiederholt. Viele wollen deshalb auch gar nicht wählen gehen.

Eine niedrige Wahlbeteiligung wäre auf jeden Fall günstig für den amtierenden Präsidenten. Es gibt nur einen Wahlgang – eine absolute Mehrheit ist nicht mehr notwendig. Denn Faure Gnassingbé hat vorsorglich schon mal die Verfassung ändern lassen.

Autor: Alexander Göbel

Redaktion: Klaudia Pape