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Wahl in Frankreich

Präsidentenwahl startet in Überseegebieten

Es ist eine Richtungswahl für die Franzosen und für Europa: In den französischen Überseegebieten hat die Abstimmung bereits begonnen. Im Mutterland öffnen die Wahllokale am Morgen.

Wegen der Zeitverschiebung wählen die Menschen etwa auf den Karibikinseln Guadeloupe und Martinique schon einen Tag früher als der Großteil der Franzosen. In Saint-Pierre und Miquelon vor der Ostküste Kanadas öffneten die ersten Wahllokale um 08.00 Uhr (Ortszeit, 12.00 Uhr MESZ). Die nur rund 5000 Wahlberechtigten des im Nordatlantik gelegenen Überseegebietes sind traditionell die ersten, die bei französischen Präsidentschaftswahlen ihre Stimme abgeben.

In Französisch-Guyana in Südamerika wurden die Wahlurnen eine Stunde später freigegeben. Dort hatte die französische Regierung kurz vor dem Wahltag eine Einigung mit einer Protestbewegung erzielt, die das Gebiet seit Wochen blockiert hatte. Die Einigung sehe vor, alle Straßensperren sofort aufzuheben, teilte Premierminister Bernard Cazeneuve mit, und rief die Bevölkerung zu einer massiven Beteiligung an der Wahl auf.

Auch in Französisch-Polynesien, in Neukaledonien sowie in Wallis und Futuna im Südpazifik durften französische Staatsbürger bereits wählen. Auf den Inseln La Réunion und im Überseegebiet Mayotte im Indischen Ozean werden die Wähler wie in Frankreich selbst am Sonntagmorgen an die Urnen gerufen.

Enormes Sicherheitsaufgebot nach erneuter Terrorattacke

Nach mehreren Terroranschlägen in Frankreich in der Vergangenheit findet die Wahl erstmals unter den Bedingungen des Ausnahmezustands statt. Rund 50.000 Polizisten und Gendarmen sowie rund 7000 Soldaten stehen bereit. Fast 47 Millionen Staatsbürger sind aufgerufen, einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin von Staatschef François Hollande zu bestimmen.

Der offizielle Wahlkampf war am Freitagabend zu Ende gegangen. Mehrere Kandidaten hatten wegen einer Terrorattacke in Paris letzte Auftritte oder Kundgebungen abgesagt. Ein 39-Jähriger hatte am Donnerstag auf der Prachtstraße Champs-Élysées mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet.

Drei Personen aus dem Umfeld des Täters, die zunächst in Polizeigewahrsam genommen wurden, kamen wieder auf freien Fuß, bestätigten Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur. Die beiden zu Wochenbeginn in Marseille festgenommenen Männer, die laut Behörden vor der Wahl einen Anschlag verüben wollten, wurden hingegen weiter festgehalten.

Am Pariser Nordbahnhof nahmen Polizisten am Samstag einen Mann fest, der sich ihnen mit einem Messer in der Hand genähert hatte. Es habe keine Gewalttätigkeiten und keine Verletzten gegeben, der Bahnhof sei weiter geöffnet, sagte ein Sprecher der Bahngesellschaft SNCF. Es gebe keine Hinweise auf eine terroristisch motivierte Tat. Während der Festnahme seien aber einige Umstehende in Panik geraten und weggelaufen.

Eine Entscheidung für oder gegen Europa?

Nach dem Schock über das Brexit-Votum und die US-Wahl rechnet EU-Kommissar Maros Sefcovic mit dem Sieg eines europafreundlichen Kandidaten in Frankreich. "Nach all der Unsicherheit, die diese Abstimmungen brachten, werden die französischen Wähler weise entscheiden und die europäische Zusammenarbeit weiter mittragen", sagte der aus Slowakei stammende Sefcovic der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel.

Zur Wahl stehen elf Kandidaten. Nur vier von ihnen werden Umfragen zufolge realistische Chancen eingeräumt, unter die beiden Bestplatzierten zu kommen und damit in die Stichwahl am 7. Mai einzuziehen: Dem parteilosen Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron, der Rechtspopulistin Marine Le Pen, dem Konservativen François Fillon und dem Linkspartei-Gründer Jean-Luc Mélenchon. Die letzten Wahllokale schließen am Sonntag um 20.00 Uhr, danach werden erste Hochrechnungen erwartet.

myk/cgn/haz (afp, ap, dpa)

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