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Afrika

Präsident Wade setzt sich ein Denkmal

Sie ist höher als die amerikanische Freiheitsstatue und hat über 20 Millionen Euro gekostet. Doch der Bau des Monuments "Afrikanische Wiedergeburt" durch Senegals Präsidenten Wade ist von Korruption geprägt.

Pàpp, yaay, doom – Vater, Mutter, Kind – nennen viele Senegalesen ironisch die 52 Meter hohe Statue, die seit 2010 die Skyline von Senegals Hauptstadt Dakar prägt: eine afrikanische Familie, die gen Westen strebt. Böse Zungen sagen, Präsident Abdoulaye Wade habe sich, seine Frau und seinen Sohn Karim abgebildet. Wade selbst erklärt, das Monument symbolisiere die afrikanische Renaissance und gebe den Senegalesen und allen Afrikanern die Identität wieder, die ihnen durch Kolonisierung und Fremdbestimmung verloren gegangen sei.

Seit knapp zwei Jahren steht die riesige Wiedergeburts-Figur nun an der äußersten Westspitze des Kontinents. Doch die Diskussionen um Schönheit, Sinn oder Unsinn des Giganten gehen weiter. Und auch die Gerüchte um Korruption bei ihrem Bau halten sich. Denn dem Ganzen liegt ein fragwürdiger Grundstücks-Deal zugrunde.

Land gegen Denkmal

Die Statue Afrikanische Wiedergeburt in der senegalesischen Hauptstadt Dakar (Foto: DW)

Viele Senegalesen nennen das Monument ironisch "Vater, Mutter, Kind".

Werner Nowak, Chef der Friedrich-Naumann-Stiftung in Dakar, hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Das ,monument de la renaissance africaine' sei ein Musterfall, "wie man öffentliches Eigentum in private Hände transferiert und wie dabei viel Geld in Kanäle geht, die nicht der Allgemeinheit zugute kommen". Rund 20 Millionen Euro soll die Statue insgesamt gekostet haben. Mit dem Bau habe Wade seinerzeit einen Geschäftsmann beauftragt und ihm ein Grundstück im Herzen der Stadt verkauft. "Dieses Land war allerdings viel mehr wert", so Werner Nowak, "und zwar circa das Sechsfache", als der Geschäftsmann schließlich bezahlte.

Der Sprecher von Präsident Abdoulaye Wade, El Hadj Amadou Sall, weist jegliche Verantwortung des Staatschefs zurück. "Wenn der Staat etwas verkauft, dann muss er das zu dem Preis tun, den er selbst festgelegt hat. Im freien Handel hingegen gibt es Spekulationen." Darauf, dass Wade sich gut ein Drittel aus den Einnahmen von Tickets und Verkäufen in dem angeschlossenen Souvenir-Shop hat sichern lassen, geht Sall gar nicht erst ein. Angeblich solle das Geld einer Stiftung zugute kommen. Hintergründe dazu blieben unklar.

"Verliert Wade die Wahl, reißen wir die Statue wieder ab"

Präsident Abdoulaye Wade (Foto: AP)

In eigener Sache: Präsident Abdoulaye Wade schuf sich auf Kosten seiner Mitbürger selbst ein Denkmal.

Ein gutes Geschäft für den Immobilienentwickler – und eine ziemlich unbeliebte Statue für das Volk. Denn die Mehrheit der Senegalesen kann mit dem Denkmal wenig anfangen und schimpft über Geldverschwendung. "Für mich ist das eine ganz schlechte Investition", sagt eine Akademikerin. "Da wurden Millionen verschwendet – und schön ist die Figur auch nicht. Man weiß nicht, was sie bedeutet und was sie uns in Zukunft nützen soll."

Ein anderer Senegalese mutmaßt: "Für die Kosten hätte man sicher zwei, drei Krankenhäuser oder eine neue Fabrik bauen können. Oder Menschen ein neues Zuhause geben, die in ihren Häusern Probleme mit Überschwemmungen haben." Ein Kandidat der Präsidentschaftswahlen am Sonntag (26.02.2012) kündigte im Interview mit der Deutschen Welle sogar an, dass es durchaus denkbar wäre, die Statue wieder abzureißen, wenn Wade die Wahlen verliert.

Reisebusse voller Touristen? Eher nicht!

Wahlplakat mit Abdoulaye Wade in einer Straße in Dakar (Foto: DW)

Siegesgewiss: Amtsinhaber Wade auf einem Wahlplakat

Die Händler und Fotografen aber, die weit ab vom Zentrum am Monument der Afrikanischen Wiedergeburt ihre Geschäfte machen, sind hochzufrieden. Einer von ihnen erzählt: "Mir gefällt das Monument, es ist schön. Wir sind sehr stolz darauf. Vorher gab es viele Leute, die nicht wussten, wo der Senegal liegt – dank der Statue wissen sie es jetzt. Und die Einnahmen kommen allen zugute. Es kommen auch so viele Besucher her. Haben Sie vorhin nicht auch die Reisebusse voller Touristen gesehen?"

Ehrlich gesagt - nein. Zumindest an diesem Tag lassen die vielen Besucher auf sich warten: Gerade mal fünf Personen schließen sich der Führung bis zur Spitze der 52 Meter hohen Skulptur an. Von Busladungen voller Touristen keine Spur.

Autorin: Dirke Köpp
Redaktion: Stefanie Duckstein

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