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Amerika

Präsident Obama konnte Boden gutmachen

Nach dem schwachen Auftreten im ersten TV-Duell waren alle Augen auf Obama gerichtet. Im zweiten Aufeinandertreffen mit seinem republikanischen Herausforderer Romney lief es offenbar besser für den Präsidenten.

Das kollektive Aufatmen der Obama-Anhänger war förmlich zu hören, als der Präsident gleich von Beginn an eine komplett andere Vorstellung ablieferte als in seiner ersten Debatte. Im Gegensatz zum passiven, beinahe schläfrigen Auftreten vor zwei Wochen wirkte er engagiert und aufmerksam. Er konterte Mitt Romneys Argumente und kam immer wieder auf seine zentralen Punkte zurück: die Mittelklasse zu stärken und für gleiche Chancen für alle zu sorgen. Seinem Kontrahenten warf er vor, nur die Interessen der Reichen zu vertreten. "Gouverneur Romney sagt, er habe einen Fünf-Punkte-Plan", erklärte der Präsident in der Hofstra Universität in der Stadt Hempstead im US-Bundesstaat New York, und fuhr fort: "Gouverneur Romney hat keinen Fünf-Punkte-Plan, er hat einen Ein-Punkt-Plan und dieser Plan soll sicherstellen, dass Leute an der Spitze nach ihren eigenen Regeln spielen."

Der Republikaner Mitt Romney schlug sich passabel, konnte in einzelnen Punkten überzeugen, verlor aber in der Gesamtwertung - im Gegensatz zur ersten Debatte. In einer ersten Umfrage des Fernsehsenders CNN unter registrierten Wählern, die die Debatte verfolgt hatten, erklärten 46 Prozent, Präsident Obama habe die Debatte gewonnen, 39 Prozent entschieden sich für Romney. Und 73 Prozent erklärten, der Präsident habe sich besser geschlagen als erwartet. Für Obama war dies ein wichtiger Erfolg, denn er hatte nach dem ersten Duell an Boden verloren. Die Meinungsumfragen waren landesweit in Richtung Romney geschwenkt - auch in den "battleground states", den besonders umkämpften Bundesstaaten.

Frauen im Fokus

In Florida und North Carolina zum Beispiel hatte der ehemalige Gouverneur von Massachusetts Obama in einigen Umfragen sogar überholt. Auch unter den CNN-Debattenzuschauern konnte Romney in der ersten Runde punkten. Sie gaben ihm bessere Noten als Obama bei den Themen Wirtschaft, Gesundheitsreform, Steuerpolitik und Haushaltspolitik. Ob der Gouverneur allerdings noch einmal unter weiblichen Zuschauern an Beliebtheit gewonnen hat wie bei der ersten Debatte, muss sich erst noch zeigen. Unter Twitternutzern stieß eine Bemerkung Romneys sofort auf Kritik: Er behauptete im Zusammenhang mit der Debatte um Waffengesetze, dass Kinder und Jugendliche gewaltbereit seien, liege an alleinerziehenden Müttern. Statt neuer Waffengesetze, so Romney, brauche das Land eine Politik, die die traditionelle Partnerschaft stärkt. Obama forderte die Wiedereinsetzung des Verbots von automatischen Waffen, das wegen des Widerstands der Republikaner ausgelaufen war.

Barack Obama vor Fernsehzuschauern (Foto: reuters)

Ein handverlesenes Publikum hörte die Argumente Obamas und Romneys

Und auf die Frage, wie er garantieren wolle, dass Frauen im Berufsleben gleichgestellt sind, war Romneys Antwort: "Indem ich die Wirtschaft so stärke, dass Unternehmer sich darum reißen, Frauen zu beschäftigen." Präsident Obama verwies hier auf ein Gesetz , dass er in Kraft gesetzt hatte und das Frauen gleiche Bezahlung wie einem Mann im gleichen Job garantiert.

Bürger stellten die Fragen

Die 90-minütige Debatte hatte diesmal ein anderes Format. In der sogenannten "Town-Hall"-Debatte stellten Wählerinnen und Wähler, die sich noch für keinen Kandidaten entschieden hatten, die Fragen, CNN-Moderatorin Candy Crowley hakte höchstens nach und rief die Kontrahenten zur Ordnung. Obama und Romney gingen also auf Tuchfühlung mit den Bürgern des Landes, und sie konnten sich freier bewegen und auf die Zuschauer zugehen. Allerdings wichen sie mehr als einmal den Fragen aus.

Als beispielsweise ein Mann wissen wollte, ob das Außenministerium tatsächlich vor dem Angriff auf das Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi die Bitte um Verstärkung der Sicherheitskräfte abgelehnt hatte, ging Präsident Obama nicht auf den Kern der Frage ein. Tatsächlich hatten Regierungsbeamte in einer Kongressanhörung genau das bestätigt.

Romney verstrickte sich beim Thema Bengasi-Anschlag in Details, so dass der Punkt hier dennoch eher an den Präsidenten ging. Obama nahm zwar die Verantwortung auf sich, zuvor hatte aber seine Außenministerin Hillary Clinton die Angriffe auf den Präsidenten abzumildern versucht, indem sie erklärte, das falle in ihren Zuständigkeitsbereich und die Schuld liege wenn überhaupt bei ihr.

Beide Seiten zeigen sich zufrieden

Weitere Themen des Abends waren die Steuerpolitik, Arbeitslosigkeit, Einwanderungsreform, Energiepolitik. Romney hatte einen starken Moment, als er dem Präsidenten vorwarf, was der in seiner ersten Amtszeit alles versäumt habe: die Arbeitslosigkeit nicht gesenkt, das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung nicht in den Griff bekommen, keine Einwanderungsreform auf den Weg gebracht. Obama wiederum warf Romney vor, seine geplanten Steuerkürzungen nicht finanzieren zu können. Die Debatte brachte wenig neue Details, beide Kandidaten warfen sich gegenseitig immer wieder vor, die Fakten zu ignorieren oder zu verdrehen, und zeitweise war die Auseinandersetzung recht erhitzt.

Die Wahlkampfteams beider Seiten zeigten sich zufrieden. "Präsident Obama hat eindeutig diese Debatte gewonnen", erklärte Obamas Kampagnenchef Jim Messina, "die Amerikaner haben heute Nacht eine Führungspersönlichkeit gesehen - einen starken, beständigen und entschlussfreudigen Präsidenten mit einer positiven Vision, die dieses Land voran bringt und die Wirtschaft von der Mitte aufbaut, nicht von oben." Virginias republikanischer Gouverneur BobMcDonnell erklärte, Romney habe klar gemacht, vor welcher Entscheidung die Amerikaner stünden. "Gleichgültig, ob er über Arbeitsplätze, Steuer, Schulden, das Gesundheitswesen oder die Außenpolitik redete, er zeichnete einen starken Kontrast zwischen seiner Wachstumspolitik, die Amerikas Stärke zuhause und außerhalb sichern wird, und Präsident Obamas Bilanz mit einem aufgeblähten Regierungsapparat, der weder unsere Wirtschaft noch unseren Einfluss in der Welt gestärkt hat."

Die dritte und letzte Debatte findet am 22. Oktober in Florida statt, dann soll es ausschließlich um Außenpolitik gehen.