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Aktuell Afrika

Präsident Kiir lehnt weitere internationale Truppen für Südsudan ab

Er wolle das Blutvergießen im Südsudan beenden, beteuert Staatschef Kiir. Er richtet einen Appell an seinen Erzrivalen Machar. Uganda schickt Truppen. Hilfsorganisationen warnen vor Hungersnot und Krankheiten.

"Ich will kein Blutvergießen mehr im Südsudan": Präsident Salva Kiir wiederholte in seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Hauptstadt Juba seit Tagen sein Bekenntnis zu einer Waffenruhe und zu einer Kooperation mit seinem Erzrivalen, dem Vizepräsidenten Riek Machar. Den forderte er auf, an seine Seite zu kommen, um das immer wieder gebrochene Friedensabkommen zu retten. Kiir wurde bei seiner Erklärung im von Einschüssen gezeichneten Präsidentenpalast in der Hauptstadt begleitet vom malischen Ex-Präsidenten und Sonderbeauftragten der Afrikanischen Union, Alpha Oumar Konare (Artikelfoto, r.), sowie vom Ex-Präsidenten Botswanas und Leiter einer Beobachtungsmission, Festus Mogae.

Kiir berichtete, er habe mit Machar telefoniert und ihm vollen Schutz zugesagt, sollte er in die Hauptstadt kommen. Dort waren am Freitag wieder Gefechte zwischen den verfeindeten Streitkräften und Ex-Rebellen aufgeflammt. Dabei wurden laut Regierungsangaben binnen weniger Tage mindestens 270 Menschen getötet.

Den von den Vereinten Nationen geforderten verstärkten Einsatz internationaler Truppen in dem ostafrikanischen Land lehnte Kiir strikt ab. Es gebe bereits über 12.000 ausländische Soldaten im Land, kein einziger Weiterer werde akzeptiert, erklärte das Staatsoberhaupt. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Sonntag die Bereitschaft zum Ausbau des UN-Einsatzes im Südsudan (Unmiss) verkündet.

Unter den Blauhelmsoldaten sind derzeit auch 15 deutsche Militärbeobachter. Sie sollen weiterhin vor Ort bleiben. Ihre Aufgabe sei es, mit Menschen zu sprechen und den UN ein umfassendes Bild der Lage vor Ort zu vermitteln, sagte Bundeswehr-Sprecher Mario Carlsson.

Uganda schickt Soldaten nach Südsudan

Während sich Präsident Kiir vehement gegen die Anwesenheit weiterer fremder Soldaten in seinem Land wehrt, hat Uganda seine Truppen in Bewegung gesetzt, um rund 3000 Landsleute aus dem Nachbarland herauszuholen. Die ugandischen Soldaten sollen nach offiziellen Angaben "sichere Korridore für Konvois schaffen". Zudem entsende man medizinisches Personal, um verwundeten Flüchtlingen zu helfen.

Die anhaltenden Kämpfe machen Hilfsorganisationen große Sorgen. Die Hilfswerke befürchten eine Hungersnot und den Ausbruch von Krankheiten. Wenn die Äcker nicht bestellt würden, könne sich die Nahrungsmittelkrise in dem afrikanischen Land weiter verschärfen, warnte Caritas International in Berlin. "Uns treibt besonders um, dass die Bevölkerung derzeit eigentlich auf den Feldern sein müsste", sagte der Leiter des Hilfswerks, Oliver Müller. Bereits jetzt sei der Südsudan eines der ärmsten Länder der Welt.

Evakuierungsaktion der Bundeswehr im Südsudan (foto: AP)

Die Bundeswehr brachte 154 Menschen aus dem Südsudan in Sicherheit, darunter 32 Deutsche. Auch vier verwundete UN-Soldaten wurden auf Bitten der Vereinten Nationen nach Uganda ausgeflogen.

Die ohnehin dramatische Nahrungsmittelknappheit werde sich infolge der Kämpfe weiter verschärfen, sagte Vorstandsmitglied Mathias Mogge von der Welthungerhilfe dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Bonn. Selbst wenn die vereinbarte Waffenruhe halten sollte, drohe das bitterarme Land noch tiefer ins Chaos zu rutschen. Bereits vor Ausbruch der neuerlichen Gefechte vor einer Woche seien rund 4,8 Millionen Menschen von Hunger bedroht gewesen, davon mehr als 686.000 Kinder unter fünf Jahren, erklärte Mogge. Die Hälfte der mehr als zwölf Millionen Einwohner sei auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Flucht in UN-Camps und über die Grenze

Nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zufolge haben sich mehr als 170.000 Menschen in UN-Camps geflüchtet. Das internationale katholische Missionswerk missio München berichtete von einem Massaker mit "Tausenden von Toten". Zudem herrschten in der Hauptstadt Juba chaotische Zustände. Die Menschen seien in Panik, würden fliehen, verschanzten sich in ihren Häusern oder suchten Zuflucht in Kirchen. "Wer irgendwo unterwegs ist, riskiert sein Leben, wird brutal zusammengeschlagen oder 'mitgenommen'", schreibt missio-Partner Bruder Bernhard Hengl.

SC/mak (afpe, dpae, epd, kna)