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Aktuell Europa

Präsident Hollande nach dem Terroranschlag: "Einheit ist unsere stärkste Waffe"

Frankreichs Präsident Hollande hat in einer TV-Ansprache den Terroranschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" verurteilt. Dabei wurden zwölf Menschen getötet. Die drei Täter sind anscheinend identifiziert.

Nur wenige Stunden nach dem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" hat Frankreichs Präsident Francois Hollande in einer Fernsehansprache einen nationalen Trauertag für Donnerstag ausgerufen. Die Landesflaggen sollen für drei Tage auf Halbmast gesetzt werden. Hollande rief seine Landsleute auf, sich durch das Attentat mit zwölf Toten nicht spalten zu lassen: "Einheit ist unsere stärkste Waffe", sagte der Präsident. Und: "Die Freiheit wird immer stärker sein als die Barbarei."

Hollande würdigte die "mutigen Chronisten" von "Charlie Hebdo". Sie berührten "mit ihrem Einfluß, ihrer Unverfrorenheit und ihrer Unabhängigkeit Generationen von Franzosen", so der Präsident.

Inzwischen hat die französische Polizei offenbar drei Täter identifiziert. Aus offiziellen Kreisen verlautete, es handele sich um drei Franzosen, darunter zwei Brüder aus der Region Paris. Die Terroristen sind weiter auf der Flucht.

Am Vormittag waren die Angreifer in die Redaktionsräume von "Charlie Hebdo", das für seine provokanten Mohammed-Karikaturen bekannt ist, gestürmt. Die Männer waren vermummt und mit Kalaschnikow-Maschinengewehren sowie einem Raketenwerfer bewaffnet und richteten dort ein Blutbad an. Laut Zeugen riefen die Täter "Wir haben den Propheten gerächt." Anschließend kam es im Zentrum von Paris zu einer Schießerei mit den Sicherheitskräften.

Bei ihrer Flucht hätten die Angreifer einen Fußgänger überfahren und einen Polizisten erschossen, hieß es. Insgesamt wurden mindestens zwölf Menschen getötet und sieben verletzt. Unter den Erschossenen sind der Chefredakteur und die wichtigsten Zeichner des Blattes. Die Attentäter sollen während der Redaktionskonferenz in den Raum gestürmt sein.

Polizisten und Feuerwehr am Tatort ( Foto: AFP)

Der Tatort wurde von Polizei und Feuerwehr abgeriegelt

Innenminister Bernard Cazeneuve sprach nach einer Krisensitzung des Kabinetts von drei Tätern, die in den Mordanschlag verwickelt seien. Er äußerte sich aber nicht näher darüber, wer von den Gesuchten bei der Tat welche Rolle übernommen hatte.

"Charlie Hebdo" hatte in der Vergangenheit mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. So hatte die Zeitung im September 2012 mit der Veröffentlichung teils derber Karikaturen des islamischen Religionsgründers wütende Reaktionen von Muslimen provoziert. Ihre jüngste Ausgabe ist dem neuen Roman des französischen Skandal-Autors Michel Houellebecq gewidmet, der darin die fiktive Machtübernahme durch einen muslimischen Präsidenten in Frankreich im Jahr 2022 beschreibt.

Eine Frau liest das Magazin Charlie Hebdo (Foto: Getty)

Das Satiremagazin ist bekannt für seine provokanten Mohammed-Karikaturen

Auch die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte 2005 mehrere Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. In mehreren muslimischen Ländern kam es deshalb zu gewaltsamen Protesten. "Charlie Hebdo" hatte die Karikaturen einige Monate später ebenfalls abgedruckt.

Der dänische Zeichner Kurt Westergaard, der hinter den Karikaturen stand, war im Jahr 2010 einem Anschlagsversuch auf sein Haus entgangen. Im dänischen Radiosender DR zeigte er sich jetzt schockiert: Satire müsse immer einen Platz in einer demokratischen Gesellschaft finden können.

In Deutschland nutzte die rechtspopulistische Alternative für Deutschland (AfD) den Anschlag für Erklärungen in eigener Sache. Der stellvertretende Bundesvorsitzende, Alexander Gauland, nannte den Anschlag in Paris eine Rechtfertigung für die Anti-Islam-Bewegung Pegida. Alle, die bislang die Sorgen der Menschen vor einer drohenden Gefahr durch Islamismus ignoriert oder verlacht hätten, würden durch diese Bluttat Lügen gestraft.

Staats- und Regierungschefs in aller Welt äußerten Entsetzen. US-Präsident Barack Obama sagte in Washington, er habe seine Regierung angewiesen, jede benötigte Unterstützung zu geben, "um diese Terroristen zur Rechenschaft zu ziehen." In Moskau erklärte Präsident Wladimir Putin: "Moskau verurteilt scharf jede Form von Terrorismus."

Für den Großraum Paris wurde nach dem Anschlag die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Präsident Francois Hollande war nach der Tat sofort zum Anschlagsort geeilt. Es bestehe kein Zweifel, dass es sich um einen "Terroranschlag" handele, stellte er fest. Nach seinen Angaben waren in den vergangenen Wochen mehrere versuchte Anschläge in Frankreich verhindert worden.

uh/fab (afp,dpa,rtr)

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