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Politik

Präsident des russischen Eintopfes

Wladimir Putin als Russlands Chefkoch hat sich ein besonderes Menü überlegt: Aus der Russischen Föderation wird russischer Eintopf. Eine Glosse.

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Stephan Hille

So, jetzt wollen wir uns mal vorstellen, Bundeskanzler Gerhard Schröder käme auf folgende Idee: "Ich will nicht mehr haben, dass die Ministerpräsidenten der Länder vom Volk gewählt werden." Künftig werde die Kür der Ministerpräsidenten Chefsache, das heißt die Kandidaten vom Kanzler bestimmt, die Landesparlamente dürften dann aber die Personalie noch bestätigen. Begründen würde der Kanzler seinen revolutionären Schritt als dringend erforderliche Maßnahme, um geschlossen gegen den internationalen Terror vorzugehen. Die Experten im Kanzleramt seien schon dabei, das Grundgesetz passend umzuschreiben - zugegeben, ein absurder Gedanke.

Vielfältig wie ein Eintopf

Der stammt übrigens aus der Feder von Gerhard Schröders Duzfreund, Wladimir Putin. Bis vor kurzem noch Präsident der Russischen Föderation und seit neuestem Präsident des "russischen Eintopfes". Denn als Föderation kann man Russland nach dem jüngsten Putin-Erlass - die Gouverneure künftig zu ernennen - kaum mehr bezeichnen. Aber das macht ja nichts. Es wird wahrscheinlich noch ein kleines Weilchen dauern, bis sich "Eintopf" auch unter den Politologen als neuer Fachbegriff für eine Staatsform durchsetzt. Aber Russland ist schließlich auch etwas Besonderes: Vor allem vielfältig, wie ein Eintopf eben. Und was genau in einen Eintopf rein gehört, das bestimmt nun mal der Koch.

Natürlich wird nun die ganze Bande der Kritikaster, Nörgler und Quengler wieder aufheulen und über Gerhards Duzfreund Wladimir herfallen. Wie fies der Putin wieder mit der russischen Demokratie umspringt, wird die westliche Journaille schreiben. Da könnte, nein, da sollte jetzt der Kanzler aber seinem russischen Freund ein wenig zur Seite stehen. Immerhin hat er doch versprochen, das Geschehen in Russland "in kritischer Solidarität" zu begleiten. Denn die Journalisten, die immer so böse von Schäden oder Gefahren für die russische Demokratie sprechen, irren.

Leckerste Filetstücke weggeklaut

Demokratie heißt doch die Umsetzung dessen, was das Volk will. Also demokratischer könnte das neueste Rezept des russischen Chefkochs gar nicht sein: Erstens sind die Russen doch seit Jahrhunderten gewöhnt, das auszulöffeln, was ihnen von oben eingebrockt - Pardon - serviert wird. Zweitens, finden die Russen in der überwiegenden Mehrheit gut, was der von ihnen gewählte Präsident auf die Menükarte setzt. Unter Demokratie verstehen die Russen vor allem, dass jeder machen kann, was er will und, dass ihnen dabei das Ersparte unter der Matratze wegbrennt, während eine kleine Gruppe skrupelloser Spitzbuben immer die leckersten Filetstücke aus dem Essen wegklaut.

Jetzt haben die Russen endlich einen Chef im Kreml, der da mal mit dem Schwingbesen dazwischen geht. Dass die Russen nach mehr als zehn Jahren "Demokratie à la Russe" etwas Sodbrennen haben, sollte niemanden wundern. Wenn man sich lange Zeit einseitig ernährt, fallen die Blutwerte. Putin hat das ganz richtig erkannt und mischt nun ein bisschen Diktatur ins Essen.

Alles bestens

Drittens, weiß doch jeder zwischen Smolensk und Wladiwostok, dass es an der riesigen Russland-Tafel drüber und drunter gehen würde, wenn nicht einer auf die Rasselbande aufpassen würde. Es ist doch so, kaum schaut Wladimir Wladimirowitsch einen Moment lang nicht hin, zack, da hat schon wieder einer ins Essen gespuckt oder am Ende der Tafelrunde wieder die silbernen Löffel eingesteckt. Putin räumt damit auf, und den Russen schmeckt's - ist doch bestens.

Hat sich Gerhard Schröder eigentlich schon zu Wort gemeldet?