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USA

POTUS und sein letzter Gruß an die Presse

Er ist oft gescholten worden, dass er zu selten mit der Presse spreche. Nun hat er es nochmal getan. Ein letztes Mal als US-Präsident. Barack Obama zieht vor den Hauptstadt-Journalisten in Washington eine finale Bilanz.

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Obamas letzte Pressekonferenz als US-Präsident

Der beim künftigen US-Präsidenten Donald Trump nicht besonders beliebte Nachrichtensender CNN hatte einen Countdown eingeblendet. Wie viele Minuten noch bis zur Pressekonferenz von Barack Obama? Und wie viele Stunden noch bis zur Amtsübernahme durch Trump? Für den einen läuft die Zeit ab, das war klar an diesem Nachmittag im Presseraum des Weißen Hauses.

Fünf Minuten bis zur ersten Frage

Also: 14.24 Uhr Ortszeit, Auftritt von POTUS, vom "President Of The United Staates", wie Obama auf Twitter genannt wurde. Die Hauptstadtjournalisten haben sich über ihn beschwert, weil sie ihn zu selten im Presseraum zu sehen bekamen, wie sie meinten. Dann meckerten sie, dass Obama viel zu lange selbst spreche, bevor auch nur einer von ihnen eine Frage stellen konnte. Die Korrespondenten ahnten seinerzeit noch nicht, was ihnen im Weißen Haus bevorstehen wird.

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Obama zur Rolle der Presse

"Sie haben sich oft über meine langen Antworten beklagt. Aber das lag nur daran, dass sie mir sechsteilige Fragen gestellt haben", nahm Obama zu Beginn der Pressekonferenz die Kritik auf - und bedankte sich bei den Korrespondenten für die Zusammenarbeit. Deren Anwesenheit in Washington habe die Administration immer dazu gezwungen, noch härter zu arbeiten. Und dann redete Obama tatsächlich "nur" fünf Minuten, bevor er die erste Frage zuließ. 

Manning habe Verantwortung übernommen

Prompt ging es - wie erwartet - um die von Obama quasi im letzten Augenblick begnadigte, frühere Wikileaks-Informantin Chelsea Manning. Sie habe Verantwortung für ihr Verbrechen übernommen und eine harte Strafe verbüßt, erklärte Obama. Und dann drehte sich die PK nochmal um die großen Themen: Sanktionen für Russland, Syrien, Kreml-Chef Wladimir Putin, Ukraine, Kuba und so weiter, und so weiter. 

Obama will sich im Notfall weiter einmischen

Dabei machte der Noch-Präsident erneut deutlich, dass er sich künftig aus der Tagespolitik heraushalten wolle, sich aber einmischen werde, wenn jemand die "zentralen Werte" der US-Demokratie in Frage stelle. Explizit nannte er die Pressefreiheit und das Wahlrecht. Auch bei "systematischer Diskriminierung" werde er nicht schweigen. "Sollte es Versuche geben, Kinder, die hier in Amerika geboren wurden, festzunehmen und abzuschieben, werde ich dazu meine Meinung sagen."

Er zeigte sich außerdem beunruhigt über die aktuelle Lage im Nahost-Konflikt. Der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern sei eines der wesentlichen Politikfelder für seinen Nachfolger Trump. Obama sagte, er sei besorgt, dass die Chance für eine Zwei-Staaten-Lösung immer geringer werde.

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Obama: Gerechtigkeit im Fall Manning

Barack Obama war wie so oft: wortgewandt, gelassen. Blauer Anzug, blaues Hemd, blaue Krawatte - was sich vor dem blauen Hintergrund im kleinen Presseraum des Weißen Hauses immer hübsch machte. Er sei drauf und dran gewesen, zu seiner letzten PK einen hellen Sommeranzug anzuziehen, bemerkte Obama, die Reporter lachten. Doch dann habe ihn Michelle aufgeklärt, dass dies im Januar vielleicht nicht ganz passend sei. Am Freitag, wenn der neue Hausherr Washington einnimmt, kann sich Obama dann wieder den Freizeitanzügen widmen. Außerdem: Er wolle schreiben und viel Zeit mit seiner Familie verbringen, sagte Obama. Ein Mann wird (zur) Geschichte. Die letzte Frage an ihn, gestellt von einer Frau im Pressecorps: Wie er seinen Töchtern denn dieses Wahlergebnis erkläre? "Wir lernen von unsere Kindern" sagte Obama - um dann zu beschreiben, wie Malia und Sasha Obama enttäuscht gewesen seien. Schließlich hätten sie ihrer Mutter ja im Wahlkampf zugehört. 

Der offene Brief an Trump 

Soweit aus dem Presseraum. Nachtrag: Kurz vor der Amtseinführung Trumps hat Kyle Pope dem künftigen US-Präsidenten einen offenen Brief geschrieben. Pope ist Chefredakteur von "Columbia Journalism Review" (CJR) und formulierte nach eigenen Angaben im Namen des gesamten "US-Press-Corps". "Genießen Sie Ihre Inauguration", schließt Der offene Brief an Donald Trump, der ansonsten klar macht, was die US-Journalisten vorhaben: Auch bei einem Präsidenten Trump die Suche nach der Wahrheit fortzusetzen. Es ist eine Kampfansage an einen Republikaner, der klar gemacht hat, dass er Fragen nur von ausgewählten Journalisten akzeptieren will.

ml/pab (CNN, rtr) 

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