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Europa

Potsdamer Klimakonferenz sucht Strategien gegen Klimawandel

Während eine Umweltorganisation nach der anderen neue Horrorszenarien zum Klimawandel veröffentlicht, tagen in Potsdam Vertreter von Wissenschaft und Politik auf der "Potsdamer Klimakonferenz".

Schmelzender Eisberg. Quelle: ap

Die Pole schmelzen - was tun die Politiker dagegen?

"Gemeinsame Verantwortung im Klimawandel" lautet das Motto der dritten Potsdamer Klimakonferenz, die am Dienstag (21.10.2008) beginnt. "Vom Wissen zum Handeln" titelte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) die Veranstaltung und will mit der Konferenz Anstöße geben. Denkanstöße, Strategien zu entwickeln, um die vielfältigen Probleme zu lösen, die der Klimawandel mit sich bringt.

Die Potsdamer Klimakonferenz will das schaffen, was der Politik zurzeit schwer fällt: Die Akteure an einen Tisch bringen, gemeinsam diskutieren und Lösungen finden. Denn längst ist der Klimawandel nicht mehr ein Thema nur für die Politik. Die Wirtschaft redet mit – und in Zeiten von Finanzkrise und drohender Rezession postiert sie lautstark.

Hurrikan Klimawandel

Sturm am Meer. Quelle: ap

Ein Hurrikan im Vergleich zur Finanzkrise: Der Klimawandel

"Was da auf uns zukommt - dagegen wird die Finanzkrise sich ausnahmen wie ein laues Lüftchen gegenüber einem Hurrikan", sagte Klimaexperte Hermann vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Sein Institut wird auf der Klimakonferenz analysieren, wie weit die aktuelle Klimaschutzpolitik seit dem letzten Zusammentreffen gekommen ist.

Das Fazit dürfte traurig ausfallen. Denn einige Politiker scheinen den Leitgedanken der Klimakonferenz überhört zu haben: "Gemeinsame Verantwortung im Klimawandel" jedenfalls müsste anders aussehen. Und so werden wohl mit besonderer Spannung die Vorträge aus den beiden entscheidenden Bundesministerien erwartet: Was sagt das Umweltministerium, was das Wirtschaftsministerium zum aktuellen Klimadesaster?

Verhärtete Fronten

Denn die Fronten sind verhärtet im Streit der EU-Länder um das große geplante Klimaschutzpaket. Statt einem entschlossenen Miteinander für das Klima hagelt es Einwände: Jedes Land hat seine eigenen Kritikpunkte am Paket. Ein Interesse an Konsens scheint nicht zu bestehen.

Berlusconi. Quelle: ap

Hält nichts vom Klimaschutzpaket: Silvio Berlusconi

So beschimpfte Italiens Umweltminister das Paket als "unerträglich", auch Ministerpräsident Silvio Berlusconi kritisierte die Klimaziele. Die Pläne der EU wären eine zu hohe Belastung für Industrie, so Italiens Politiker. Auch aus Polen und den osteuropäischen Ländern regt sich Widerstand. Die Wirtschaftlage sei zu schlecht, um über Umweltschutz zu reden, sagten führende Politiker.

Bekannte Standpunkte

Gabriel. Quelle: dpa

Bundesumweltminister Gabriel ist enttäuscht

Nach dem Treffen der EU-Umweltminister am Montag zeigte sich Bundesumweltminister Gabriel enttäuscht: Es seien "lediglich die bekannten Standpunkte ausgetauscht" worden. Gabriel kritisierte die mangelnde Reformbereitschaft seiner Kollegen scharf: "Ich halte die Finanzkrise für eine Ausnahme. Wir können uns eine Verschiebung nicht leisten. Der Rest der Welt wird auf Europa schauen und ob es uns gelingt, wirtschaftliche und umweltpolitische Interessen unter einen Hut zu bringen", sagte Gabriel. "Wenn wir das nicht schaffen, dann bekommen die Skeptiker Oberwasser und der internationale Klimaprozess wird dramatisch geschädigt."

Enger Zeitplan

Der politische Zeitplan für den Klimaschutz ist eng: Im Dezember soll das EU-Klimaschutzpaket unter Dach und Fach sein. Denn schon in sechs Wochen stehen im polnischen Poznan internationale Verhandlungen für neues Weltklimaabkommen an. Dort wollte die EU eigentlich ihr Klimapaket in die Waagschale werfen, um Länder wie die USA und China ins Klimaschutz-Boot zu holen.

Eisbären. Quelle: ap

Ihr Lebensraum ist akut in Gefahr

Unterdessen hagelt es Warnungen von Umweltwissenschaftlern:

Das WWF erklärte, nach neusten Studien könnte sich das Klima schneller und stärker verändern als bisher erwartet. Das arktische Packeis könnte bis 2040 völlig schmelzen. Damit dürfte der Meeresspiegel nicht nur 60 Zentimeter ansteigen, wie von der UN prognostiziert, sondern um das Doppelte davon.

Meeresspiegel steigt

"Wir müssen uns auf einen Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter noch in diesem Jahrhundert einstellen", erklärte auch der Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Joachim Schnellnhuber. Und die US-Klimabehörde NOAA teilte mit, die Herbsttemperaturen in der Arktis lägen mittlerweile bereits um fünf Grad über dem Normalwert.

Zugspitze. Quelle: dpa

Auf der Zugspitze ist kein Eis mehr

Angesichts der bedrohlichen Prognosen warnte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die EU vor Abstrichen bei ihren Klimazielen: Gerade angesichts der Finanzkrise müssten die Bemühungen zum Abbau der Treibhausgase fortgesetzt werden. "Eine Krise darf nicht zum Hindernis werden, bei einer anderen zu handeln", so Ban Ki Moon. (ako)

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