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Wirtschaft

Postbank vor Bewährungsprobe

Das Hickhack um den größten Börsengang in Deutschland seit vier Jahren geht weiter: Der Börsengang der Postbank wird auf Mittwoch, 23. Juni, verschoben, die Zeichnungsfrist um zwei Tage verlängert, die Preise gesenkt.

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Die Postbank will an die Börse - aber wann?

Am Samstag, dem 19.6., zwei Tage vor dem geplanten Börsengang, gab der Mutterkonzern Deutsche Post in Bonn die Entscheidung bekannt: Die Preisspanne für zwei Drittel der 82 Millionen angebotenen Aktien von bisher 31,50 bis 36,50 Euro deutlich auf 28 bis 32 Euro gedrückt werden. Auf das restliche Drittel wird eine Anleihe der Deutschen Post ausgegeben. Großinvestoren hatten zuvor die von der Post festgesetzte Kursspanne heftig kritisiert.

"Der Finanzplatz Deutschland ist zur Quasselbude verkommen", wetterte die Börsenzeitung bereits vor einigen Tagen in einem zornigen Leitartikel. "Unserer Gesellschaft, den Wirtschafts- und Kapitalmarktakteuren sowie nicht zuletzt etlichen Medien scheint es nicht mehr zu genügen, dem Defätismus zu huldigen und ins Misslingen verliebt zu sein", hieß es da.

Starke Konkurrenz

Dabei hat das deutsche Geldhaus Potential und genießt bei vielen Börsianern wie Kleinanlegern Sympathien. Doch die europäische Konkurrenz ist stark und die Postbank wird sich da erst beweisen müssen. Als Privatkundenbank lässt sie sich nur schlecht mit heimischen Banken wie Deutsche Bank, Dresdner und Commerzbank vergleichen. Ihre direkten Konkurrenten sind europäische Geldhäuser wie die Banco Popular in Spanien, die Unicredito in Italien, die Erste Bank in Österreich, in Schweden die Svenska Handelsbanken oder in Großbritannien Alliance & Leicester sowie die Royal Bank of Scotland. Allesamt Banken, die ihr Hauptgeschäft im Privatsektor erzielen.

Effiziente Vorzeigebanken

Diese Banken gelten als profitabel, effizient und sind Lieblinge von Finanzanalysten, die dementsprechend viele Kaufempfehlungen aussprechen. Der Bankensektor ist günstig wie nie. Den Privatkundenbanken gemeinsam ist ihre niedrige Bewertung. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der Schätzungen für 2005 liegt im Durchschnitt bei knapp über 10. Für die Postbank wird bei der Bewertung von einem KGV zwischen 11 und 13 ausgegangen.

In punkto Profitabilität hinkt die Postbank anderen europäischen Geldhäusern hinterher. "Die Eigenkapitalrendite ist im Vergleich zur internationalen Konkurrenz gering", sagt Guido Hoymann vom Frankfurter Bankhaus Metzler zu DW-WORLD. Bei der Postbank kommt die Eigenkapitalrendite kaum über den einstelligen Bereich hinaus. "Bei englischen Banken liegt sie zum Teil bei 20 Prozent, bei den Franzosen bei bis zu 15 Prozent", so Hoymann.

Drei-Säulen-Modell als Hindernis

Die Profitabilität der Postbank leidet laut Hoymann unter der Dominanz der Sparkassen und Genossenschaftsbanken. "Im Privatkundenbereich beherrschen die Sparkassen mehr als 50 Prozent des Marktes", sagt Hoymann. Nach Expertenansicht ist die historisch bedingte Drei-Säulen-Struktur aus privaten Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken eines der Haupthindernisse für eine Konsolidierung der Branche in Deutschland. "Gemessen an der Filialdichte ist Deutschland der kompetitivste Markt", sagt Jörn Kissenkötter, Analyst von M.M.Warburg. Der hohe Wettbewerb in dem fragmentierten Markt lastet auf den Margen im Kreditgeschäft. Die Folge: Die Renditen bleiben relativ gering.

Im europäischen Ausland ist die Konsolidierung wesentlich weiter fortgeschritten. "In Frankreich sind 60 Prozent des Marktes in der Hand der fünf größten Banken", so Kissenkötter. In Deutschland liegt der Anteil der fünf Großen bei lediglich 20 Prozent. In Italien schlossen sich beispielsweise die alte Banca commerciale Italiana mit fünf regionalen Sparkassen zur Unicredito Italiano zusammen. Die verzeichnete zwar jüngst sinkende Gewinne, gilt jedoch nach wie vor als eine der erfolgreichsten Banken in Europa. Britische Banken sind das Paradebeispiel für ein Privatkundengeschäft mit hoher Profitabilität. "Doch hier scheint das Wachstumspotential ausgeschöpft", sagt Hoymann.

"Renditemonster" Banco Popular

Auch in Spanien ist das Privatkundengeschäft sehr lukrativ. "Die Banco Popular ist ein wahres Renditemonster", sagt Kissenkötter. Die drittgrößte spanische Bank weist laut Handelsblatt eine Eigenkapitalrendite von 37 Prozent auf. Das Verhältnis von Kosten zu Ertrag (Cost-Income-Ratio) wird für 2005 auf 33 Prozent geschätzt. Für die Postbank wird mit einer Quote von 71,7 Prozent gerechnet. Die Banco Popular hat laut Kissenkötter von der Konjunkturlage in Spanien profitieren können. "Dort boomt das Immobilienfinanzierungs-Geschäft", sagt der Analyst Kissenkötter von M.M. Warburg.

An der allgemein verbreiteten Skepsis zum Börsengang der Postbank will sich Hoymann nicht pauschal beteiligen. "Es gibt durchaus Chancen. Die Postbank bringt 11,5 Millionen Kunden mit". Außerdem verfügt die Postbank über mehr Einlagen als sie für Kredite ausgegeben habe. Im Gegensatz zu Deutscher Bank, Commerzbank oder Hypovereinsbank gilt sie damit als relativ krisenfest. Die großen Geschäftsbanken hatten vor allem auf das Investmentbanking gesetzt, das Privatkundengeschäft jedoch vernachlässigt. Das Geschäft florierte, bis die Börsen abstürzten. Spätestens seidem ist der Privatkunde wieder interessant.

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