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Wirtschaft

Porzellan-Manufaktur Meissen will an die Spitze der Luxusmarken

Die gekreuzten Schwerter sind das Markenzeichen der Manufaktur Meissen, sie stehen für Tradition im Kunsthandwerk. Jetzt ist es auf dem Weg zur Luxus-Marke.

Zwiebelmuster Meissener Porzellan (Quelle: Meissener)

2010 feiert das Unternehmen sein 300-jähriges Jubiläum

In einer Zeit, in der der Kaffee auch aus dem einfachen Kaffeebecher schmeckt, in der es eben nicht die edle Meissner Moccatasse sein muss, fällt der Geschäftsführung der Porzellan-Manufaktur Meissen ein, führende Luxusmarke werden zu wollen. Dabei geht es der Branche nicht eben rosig. So musste z.B. das Traditionsunternehmen Rosenthal im Januar Insolvenz anmelden. Meissen setzt auf neue Produkte und neue Konzepte.

Alles eine Frage der Inszenierung!

Geschäftsführer der Meißner Porzellanmanufaktur, Dr. Christian Kurtzke (Quelle: Fabian)

Meissner-Geschäftsführer Dr. Christian Kurtzke

Christian Kurtzke, Geschäftsführer seit November 2008, will einfach tun, was in der Manufaktur sowieso schon längst getan werden wollte: Porzellan in Szene setzen. Die kitschigen Sammeltassen mit Blümchenmuster ziehen eben nicht beim jungen Publikum und auch längst nicht mehr beim alten. Das Traditionelle Kaffeeservice aber anders als bisher arrangiert, z.B. vor einem extravaganten Modelfoto platziert, würde den Absatz erheblich steigern, meint der 39-jährige Kurtzke. So sei im Januar der Verkauf einer Vase um 40 Prozent gestiegen, weil sie ihr Dasein nicht mehr in einer Vitrine friste, sondern ins rechte Licht gerückt wurde.

In der Porzellan-Manufaktur geht man aber trotzdem auch mit der Zeit: Moderne, schlichte Arrangements sollen neue Kunden für das edle Porzellan begeistern. Das allein, macht das "Weiße Gold“ aber noch nicht zur führenden Luxusmarke.

Meissner Porzellan als Architektur und Schmuck

Porzellangeschirr kennt jeder – hochwertige Porzellanfliesen und Bilder sind dagegen noch eher unbekannt. Architekten haben die neue Wandbekleidung aber schon für sich entdeckt: Egal ob Bad, Küche oder auch im Außenbereich, vor allem Luxusvillen werden mit Meissner Porzellan verschönert. Kurtzke erklärt, dass die Wertigkeit eines Gebäudes durch den Einsatz dieses einzigartigen Materials noch unterstrichen werde.

Fachmesse Ambiente in Frankfurt am Main - Porzellan muss in Szene gesetzt werden! (Quelle: Meissen mit Copyright-Signum)

Porzellan muss in Szene gesetzt werden

Weniger neu ist dagegen Porzellanschmuck. Den stellt das Unternehmen schon seit 1710 her. Allerdings eher im Verborgenen – Christian Kurtzke, ehemaliger Manager bei der Boston Consulting Group, will das unbedingt ändern.

Eine Luxuskollektion ist geplant, bei der ausschließlich Gold verwendet werden soll. Auf den Schmuckstücken: Moderne aber auch traditionelle Dekore. Mehr verrät der Geschäftsführer noch nicht. Ob sich die langjährigen Kunden davon überzeugen lassen, bleibt abzuwarten. Kurtzke hat neue Märkte im Blick, neben Italien und China spiele auch der Mittlere Osten eine Rolle. Mehr als 50 Prozent seines Umsatzes macht das Unternehmen bereits im Ausland. Der Fokus verschiedenster Projekte liegt für die Manufaktur in diesem Jahr in Shanghai. Dort findet 2010 die Weltausstellung statt. Für die Meissner Manufaktur ein perfekter Ort, um ihr 300jähriges Jubiläum zu feiern.

Finanzkrise auch in Meissen angekommen

Die weltweite Rezession zieht auch an der Manufaktur nicht spurlos vorüber. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres musste man Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent hinnehmen.Vor allem im klassischen Bereich sei noch mit einem Rückgang zu rechnen, meint Kurtzke. Ihm geht es darum, das Traditionsunternehmen für die kommenden Jahrzehnte fit zu machen. Dazu gehöre bespielsweise auch, Geschäftsbereiche zu überdenken. Sorgen um seinen Arbeitsplatz müsse sich aber keiner der 800 Mitarbeiter machen: "Wir haben frühzeitig erkannt wohin die Reise geht. Deshalb haben wir uns Maßnahmen im Management überlegt und gemeinsam sehr offen mit den Mitarbeitern kommuniziert. Dort haben wir noch einmal Ideen gewonnen und sind nun auf dem Weg, Meissen noch erfolgreicher zu machen.“

Insolvenzmeldungen aus der Branche, wie zum Beispiel von Rosenthal, machen den Geschäftsmann zwar betroffen, der Meissner könne das aber nicht passieren. Gründe dafür seien die unterschiedlichen Geschäftsbereiche. Meissen sieht sich als Haus des Luxus und will ausschließlich das Luxusgütersegment bedienen, Rosenthal dagegen nicht.

Ass unterhalb des Hemdsärmels

Porzellanzifferblatt einer edlen Glashütte Uhr (Quelle: Isabelle Fabian)

Porzellanzifferblatt einer edlen Glashütte Uhr

Seit 2007 arbeitet die Porzellan-Manufaktur eng mit dem Uhrenhersteller Glashütte Original zusammen. Das Meissner Unternehmen stellt hauchdünne Porzellan-Zifferblätter für Luxusuhren her. Diese werden von geübten Staffagemalern mit römischen Zahlen und dem echten Schriftzug von Glashütte versehen. Jeder Pinselstrich muss exakt geführt werden. Thomas Hannß hat schon mehrere hundert Zifferblätter bemalt. Für eines benötigt er ungefähr acht Stunden – das hat seinen Preis. Die Senator Meissen kosten rund 15.000 Euro. Vor allem in China ist das Modell "Senator Meissen" sehr beliebt. Ein Mitarbeiter verrät, dass alle Uhren durchnummiert sind. Die Serie der Vierhunderter fehlt allerdings, weil die Chinesen abergläubisch sind.

Demnächst kommt die neue – noch teurere - Luxusuhr "Senator Meissen Tourbillon" auf den Markt, damit will sich Meissen nun auch in diesem Segment etablieren. Auf der Weltmesse für Uhren und Schmuck, der "Baselworld 2009", soll sie Ende März vorgestellt werden. Ob Geschäftsführer Kurtzke dem Unternehmen mit diesem Produkt an die Spitze der führenden Luxusmarken verhelfen kann, wird sich zeigen. Fakt ist aber, dass er durch neue Ideen Herausforderungen für seine Mitarbeiter schafft. Vielleicht die Strategie um auch in der Wirtschaftskrise optimistisch zu bleiben.