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Afrika

Portugiesen fliehen vor der Krise in der Heimat

Tausende Portugiesen sind in den vergangenen Jahren nach Mosambik ausgewandert. Sie fliehen vor Finanzkrise und Arbeitslosigkeit in die ehemalige portugiesische Kolonie, deren Wirtschaft kräftig wächst.

Rohbau in Maputo, Mosambik (Foto: DW/Glória Sousa)

Bauunternehmen Maputo Mosambik

Jeden Morgen kontrolliert Gonçalo Fernandes die Arbeit auf der Baustelle an der Avenida Armando Tivane, im Herzen Maputos. Der 31-jährige portugiesische Ingenieur überwacht die Abläufe auf der Baustelle. Hier entsteht eine 16-stöckige Wohnanlage mit 45 luxuriösen Appartements und einem Schwimmbad. Gonçalo Fernandes lebt seit September 2012 in der mosambikanischen Hauptstadt und fühlt sich schon gut integriert. Er ist als Angestellter des portugiesischen Architekturunternehmens Pitágoras nach Maputo gekommen.

Goncalo Fernandes auf einer Baustelle (Foto: DW/Glória Sousa)

Es gibt viel zu tun auf Maputos Baustellen, sagt Ingenieur Fernandes

Während in Portugal der Markt ziemlich gesättigt sei, zeige sich in Mosambik genau das Gegenteil, sagt er. "Es gibt viel zu tun! Es werden Wohnungen, Büro- und Handelsgebäude errichtet. Es besteht also viel Raum für Wachstum", vergleicht der portugiesische Ingenieur die Lage in Mosambik mit seinem Heimatland. Die Zukunft der Architekturunternehmen liege hier in Afrika - davon ist Fernandes überzeugt. Während laut Einschätzungen des Internationalen Währungsfonds die mosambikanische Wirtschaft 2012 um etwa 7,5 Prozent gewachsen ist, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt Portugals um drei Prozent.

Mehr als 17.000 portugiesische Einwanderer

Das Wirtschaftspotential - angetrieben in den letzten Jahren durch die Förderung von Rohstoffen wie Kohle und Gas - sowie die politische und soziale Stabilität machen Mosambik für ausländische Unternehmen und Bürger immer attraktiver. In den ersten neun Monaten 2012 hat das Land laut mosambikanischem Arbeitsministerium mehr als 11.800 Arbeitsanträge von Ausländern bekommen, vor allem von Südafrikanern, Portugiesen und Chinesen.

Nuno Pestana in seinem Restaurant (Foto: DW/Glória Sousa)

Nuno Pestana betreibt ein typisch portugiesisches Restaurant in Maputo

Die kulturelle und sprachliche Nähe vereinfachen die Einwanderung für Portugiesen. Nach Angaben des portugiesischen Konsulats in Maputo sind 17.000 Portugiesen als Einwohner der Provinzen Süd-Mosambiks - Maputo, Gaza und Inhambane - angemeldet. Diese Zahl ist vermutlich viel größer, denn viele Ausländer haben sich nicht offiziell registrieren lassen. Viele Portugiesen reisen mit einem Touristenvisum ein und beginnen illegal zu arbeiten. Nach Ablauf des Visums verlassen sie das Land, um erneut als Tourist einzureisen. In den vergangenen Wochen haben die mosambikanischen Behörden die Grenzkontrollen verschärft und Dutzende Portugiesen mit mehrfachen Touristenvisa ausgewiesen.

Die meisten Portugiesen sind jung und hoch qualifiziert und kommen mit einem Arbeitsvertrag ins Land.

Am Anfang stehen Illusionen

Die Musik und die authentischen Gerichte des Restaurants Taverna erinnern an Portugal. Seit sieben Jahren führt der portugiesische Unternehmer Nuno Pestana das Restaurant. Seitdem erlebt er, wie immer mehr Portugiesen nach Maputo kommen.

Avenida Julius Nyerere (Foto: DW/Glória Sousa)

In der Avenida Julius Nyerere in Maputo gibt es zahlreiche portugiesische Restaurants

"Viele haben überzogene Erwartungen, rechnen mit mehr, als das Land zu bieten hat", sagt Nuno Pestana. Er betont aber auch, dass "es viel zu tun gibt, viele Gelegenheiten genützt werden können - aber es muss auch viel investiert werden." Es sei zu spät, um jetzt noch nach Mosambik zu kommen, meint Pestana. Denn heutzutage sei Mosambik ein teures Land: "Die Rohstoffe sind teuer. Die Löhne der Arbeiter und Angestellten sind nicht so hoch, allerdings sind sie aber auch oft nur schlecht ausgebildet und wenig produktiv. Die Wohnungen sind teuer, der Transport ist teuer." All dies mache es schwierig, hier zu investieren, fügt er hinzu.

Kapital, Zeit und Geduld seien drei Faktoren, um in Mosambik erfolgreich zu investieren, erzählt Ingenieur Gonçalo Fernandes. Das Architekturunternehmen, in dem er arbeitet, konnte erst nach drei Jahren Investitionen Ergebnisse erzielen. "Es ist schwer, in den Markt einzusteigen", sagt Fernandes. "Und es ist schwer, die mosambikanischen Behörden von unseren Ideen zu überzeugen. Wir müssen klar machen, dass wir mit guten Absichten kommen."

Ausländische Bedrohung?

Osvaldo Macama arbeitet seit mehr als eineinhalb Jahren als Taxifahrer. In seinem gelb-grünen Auto chauffiert der Mosambikaner immer mehr Ausländer. Über einen Teil der Einwanderer kann er sich sogar freuen: "Wenn sie mit Projekten für die Entwicklung des Landes oder für neue Unternehmen ankommen."

José Brás (Foto: DW/Glória Sousa)

Für die meisten Mosambikaner stellen die Portugiesen keine Konkurrenz dar, sagt Brás

Der 29-jährige Taxifahrer kritisiert aber, dass "zu viele ankommen, die ohne Kenntnisse den Mosambikanern die wenigen Arbeitsplätze im Land wegnehmen".

Das Risiko, den Job an einen Ausländer zu verlieren, sowie die Lohnunterschiede bereiten mosambikanischen Bürgern und Gewerkschaften Sorgen. Aber der Soziologe José Brás sagt, dass es für die Mehrheit der Mosambikaner dafür keinen Grund gibt. "Nach unseren Recherchen sind die mosambikanischen Arbeitskräfte in der Regel schlecht qualifiziert. Die Ausländer dagegen bewerben sich überwiegend auf die spezialisierten Arbeitsstellen", erklärt der Soziologe der Eduardo Mondlane Universität von Maputo.

Fast alle portugiesischen Unternehmer stellen auch Mosambikaner ein. Trotzdem sind die neuen Arbeitgeber nicht immer beliebt. "Viele denken, die Portugiesen kommen nicht, um das Land zu entwickeln, sondern um Geschäfte zu machen", sagt Domingos Machava, der an der Eduardo Mondlane Universität Volkswirtschaftslehre studiert.

Kein Platz für "neue Kolonisation"

Machava meint, dass es nicht positiv aufgenommen werde, wenn im eigenen Land eine Gruppe von Ausländern zu mehr Wohlstand komme als die einheimische Bevölkerung. Der mosambikanische Student, der selbst kurz vor dem Einstieg ins Arbeitsleben steht, bedauert dass "einige Ausländer bessere Chancen als die Einheimischen haben".

Domingos Machava (Foto: DW/Glória Sousa)

Portugiesische Unternehmen, die nach Mosambik kommen, sind meist nicht sehr beliebt, sagt Machava

Wenn es um die neue Welle portugiesischer Immigranten geht, sprechen einige Kritiker von einer "neuer Kolonisation" durch das ehemalige Mutterland Portugal. Der Soziologe José Brás widerspricht dem aber vehement. Der Spezialist für Stadtsoziologie verweist vielmehr auf positive Aspekte der Migration von Portugiesen nach Mosambik: "Sie bringen eine neue Dynamik und Erfahrungen mit. Sie kommen aus einer neuen portugiesischen Gesellschaft, die nicht dieselbe ist, wie vor 200 Jahren. Es ist eine Gesellschaft mit einer neuen Vision, mit technischem Wissen und Qualifikationen." Deswegen glaubt José Brás, dass Mosambik von der Zuwanderung profitiere.

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