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Wirtschaft

Portugal muss wachsen

Portugal ist das dritte Land, über das sich der Rettungsschirm aufspannen soll. Geld allein, kann aber nicht die Probleme beseitigen, so Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Interview mit DW-WORLD.DE.

Eine griechische (v.l.), portugiesische und eine spanische Ein-Euro-Muenze (Foto: dapd)

Nach Griechenland und Irland braucht nun Portugal Hilfe

DW: Ist mit dem Rettungsprogramm die Schuldenkrise Portugals nun gelöst?

Thomas Mayer: Sicherlich nicht! Zum ersten kommt es nun darauf an, dass das portugiesische Programm so aufgebaut ist, dass es die Wachstumskräfte im Land stärkt. Das größte Problem Portugals ist, dass es in den vergangenen Jahren kaum gewachsen ist. Zwischen 2000 und dem Beginn Finanzkrise war die durchschnittliche Wachstumsrate gerade einmal ein Prozent. Portugal muss schneller wachsen, um aus seiner gegenwärtigen Verschuldungssituation, die ja sowohl im öffentlichen Sektor als auch im privaten Sektor vorhanden ist, herauszukommen.

DW: Und wie kann Portugal trotz der Last der auch mit dem Rettungspaket weiter bestehenden Schulden wieder wachsen?

Thomas Mayer: Die portugiesische Wirtschaft muss ein umfangreiches angebotsseitiges Reformprogramm durchführen. Es müssen die Lohnkosten reduziert, die Produktivität erhöht und es muss im Industrie- und im Dienstleistungssektor umfangreich dereguliert werden. Das wird eine schwierige Arbeit werden, das wird langwierig werden. Ich denke nicht, dass man sich da auf schnelle Erfolge verlassen sollte. Aber es ist unbedingt notwendig und es ist die einzige Möglichkeit, um mit diesem Schuldenberg fertig zu werden.

DW: Welche Fehler darf Portugals Regierung in Zukunft nicht mehr wiederholen, um nicht erneut in eine solche Krise zu schlittern?

Thomas Mayer (Foto: Deutsche Bank AG)

Chefvolkswirt der Deutschen Bank: Thomas Mayer

Thomas Mayer: Zum einen ist es ganz klar, dass man sich nicht überschulden sollte, wenn die Einkommens- und Produktionserwartungen relativ gedämpft sind. Das ist das Erste. Aber auch, denke ich, sollte die portugiesische Regierung auf allen Bereichen versuchen, die Wachstumskräfte zu stärken. Da ist nicht genügend passiert in der Vergangenheit. Das hat zu der sehr unbefriedigenden wirtschaftlichen Lage Portugals beigetragen. Portugal ist ein Randgebiet, ganz am Rande der EWU (Europäischen Währungsunion). Das macht es besonders schwierig, dort einen guten Wachstumspfad zu etablieren. Und deshalb muss sich die Politik besonders anstrengen. Dass ist bisher leider nicht geschehen, muss aber in der Zukunft passieren.

DW: Ist es sinnvoll, dass in dem Paket in Portugal auf weitere Sparmaßnahmen verzichtet wird?

Thomas Mayer: Nein, die Sparmaßnahmen sind notwendig, um die Defizite einzudämmen. Denn es ist ganz klar, dass Portugal zur Zeit kein Geld zu annehmbaren Bedingungen vom Markt bekommt. Außerdem ist auch die Geduld der öffentlichen Geldgeber begrenzt, also des EFSF (Euro-Rettungsfonds), des IWF (Internationaler Währungsfonds). Also muss Portugal sparen, um seine Defizite herunterzubringen. Das ist die eine Sache, die unbedingt nötig ist und dazu haben wir ja bisher schon einiges vom portugiesischen Premierminister gehört. Aber zweitens, und das ist mindestens so wichtig, müssen die Wachstumskräfte gestärkt werden.

DW: Die deutsche Presse hat an diesem Mittwoch (4.5.) viel über die Goldreserven Portugals geschrieben. Sollte Ihrer Meinung nach Portugal seine Goldreserven zur Schuldentilgung verwenden?

Thomas Mayer: Wir andere Länder auch – Griechenland insbesondere – sollte Portugal Vermögenswerte, die es besitzt, privatisieren, um seine Schulden zu bezahlen. In einem solchen Privatisierungsprogramm sollten auch vorhandene Wertgegenstände einschließlich von Goldreserven des Staates mit einbezogen werden. Ich finde, dass man das von einem Schuldner erwarten kann.

DW: Ein Blick nach Finnland: falls das Rettungspaket aufgrund des Widerstandes in Finnland scheitern sollte, welche Konsequenzen hätte dieses Scheitern für Europa und für den Euro?

Thomas Mayer: Ich glaube, dass die finnische Skepsis ein Weckruf für die europäische Politik ist, es nicht mit den Hilfsmaßnahmen zu übertreiben. Letztendlich basiert die EWU (Europäische Währungsunion) auf der Übereinkunft, dass jedes Land für seine Finanzen selbst verantwortlich ist und dass andere Länder nicht zur Begleichung der Schulden eines Landes herangezogen werden. Das war die Übereinkunft zu Anfang der EWU, die im dem Verbot eines Bail-Outs [einer Schuldenübernahme, die Red.] im Maastrichter Vertrag hineingeschrieben wurde.

Es ist verständlich, dass die Wähler in den Ländern, die jetzt zur Finanzierung der Defizite herangezogen werden, beginnen sich dagegen zu wehren. Deshalb ist es für die Schuldnerländer wichtig, dass sie schnell wieder auf eine Situation zurückkommen, in dem sie solche fremde Hilfe nicht benötigen. Und wenn das nicht anders erreichbar ist, dann müssen sie möglicherweise auch ihre Gläubiger dazu heranziehen und eine Umschuldung vornehmen.

Das Interview führte: Helena de Gouveia

Redaktion: Insa Wrede