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Europa

Portugal muss in Sachen Klimaschutz umdenken

Eigentlich hat Portugal recht gute Voraussetzungen für Sonnenkraftwerke und Windparks und auch die passenden Gesetze. Doch erneuerbare Energiequellen werden kaum genutzt. Den Portugiesen fehlt es an Umweltbewusstsein.

Sonnenkraftwerk bei Moura, Portugal (Foto DW: Jochen Faget)

In Portugal eher selten: Solaranlagen

Der Bürgermeister des portugiesischen Städtchens Fundão hat die Zeichen der Zeit erkannt: Für rund 40.000 Euro ließ er eine Solaranlage auf seinem Rathaus installieren. "Die Gemeinde sollte in Sachen erneuerbare Energien ein Beispiel geben. Schließlich sind wir alle an der Klimaveränderung Schuld. Darum sollte unser Rathaus das erste öffentliche Gebäude sein, das dieser Verantwortung Rechnung trägt."

Viel Sonne, wenige Kollektoren

Sonne am Himmel (Foto: AP)

Ungenutztes Potential: die Sonne

Portugal will seinen Energiemix immer stärker auf erneuerbare Energien umstellen. Trotzdem geschieht in Sachen Klimaschutz in Portugal recht wenig: Der Großteil des Stroms stammt aus Kohle- und Ölkraftwerken und die blasen CO2 in die Luft. Erst seit wenigen Jahren gibt es immer mehr Windenergieparks, die in Portugal wegen der Klimaverhältnisse höchst rentabel sind. Solarenergie dagegen ist im sonnigen Land nach wie vor die Ausnahme. Die politisch Verantwortlichen haben viel zu spät auf diese Energiequelle gesetzt.

Das Kraftwerk im südportugiesischen Moura ist eine Ausnahme: Es ist eines der größten Sonnenkraftwerke Europas und versorgt rund 30.000 Häuser mit umweltfreundlichem Strom. Mit dem Kraftwerk kamen auch Arbeitsplätze und Gelder in die strukturschwache Region. "Das Kraftwerk wurde auf einem Grundstück gebaut, das nicht landwirtschaftlich genutzt werden kann. Und durch die Pacht erhält die Gemeinde einen Teil des Gewinns aus der Stromproduktion für soziale Projekte", sagt Francisco Aleixo, der Chef der Betreiberfirma.

Knappes Gut: Trinkwasser

Felder mit Bewässerungsanlagen (Foto: DW/Jochen Faget)

Portugals Landwirtschaft verschwendet zu viel Wasser

Ein weiteres Problem in Portugal: Das Land leidet immer häufiger unter schweren Dürreperioden. Ganze Landesteile, vor allem im Süden, drohen zu wüstenähnlichen Gebieten zu werden. Das Wasser wird knapp. "Wenn in über 80 Prozent der Landesfläche Wassermangel herrscht, stehen wir natürlich vor einer höchst besorgniserregenden Situation", sagt Adérito Serrão, Leiter des meteorologischen Amtes.

Selbst im regenreichen Winter sind Portugals Stauseen weit unter dem Durchschnitt gefüllt. Während das Trinkwasser knapp ist, wird das Meerwasser zu viel: Weite Teile der portugiesischen Küste drohen wegzubrechen. Schuld daran sind der steigende Meeresspiegel und Sturmfluten. Der Universitätsprofessor Veloso Gomes meldet "Land unter": "An verschiedenen Orten können wir selbst mit noch höheren Schutzdämmen nichts mehr ausrichten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir die ersten Orte umsiedeln müssen", sagt er.

Kein Umweltbewusstsein

Portugal An immer mehr Orten stürzen die Klippen ins Meer

An immer mehr Orten stürzen die Klippen ins Meer. Foto DW/Jochen Faget

Den Portugiesen fehle es vor allem am Umweltbewusstsein, kritisieren Umweltschützer. "Wir müssen mit unserem Wasser rationeller und effizienter umgehen. Der Landwirtschaftsbereich verbraucht über 80 Prozent des Wassers. Da muss viel eingespart werden", sagt der Metorologe Adérito Serrão. Auch in den Grünanlagen von Städten und Hotels oder bei Straßenreinigungen werden laut einer Studie Tausende von Hektolitern Trinkwasser täglich verschwendet.

Der Umweltschutzplan, der all diese Probleme lösen soll, ist umstritten. "Dieser Plan ist zwar gut durchdacht und konzipiert. Nur lässt seine praktische Umsetzung zu wünschen übrig. Unsere Umweltstrategie existiert noch vor allem in den Köpfen der Verantwortlichen und nicht in der Praxis", sagt Luis Rochartre von der Arbeitsgruppe "umweltverträgliche Wirtschaftsentwicklung".

Die mittelportugiesische Stadt Fundão ist da eine rühmliche Ausnahme: Dort will der Bürgermeister nun auch andere städtische Gebäude mit umweltfreundlichem Sonnenstrom versorgen. Nach dem Rathaus sollen im nächsten Jahr die Schulen an die Reihe kommen.

Autor: Jochen Faget
Redaktion: Julia Kuckelkorn

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