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Wirtschaft

Portugal: Fußball hat sich ausgezahlt

Die Fußball-WM soll Deutschland als Reiseziel attraktiv machen - dauerhaft. In Portugal hat das funktioniert. Das Land nutzte die Europameisterschaft 2004, um neue Tourismus-Regionen zu etablieren.

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Lissabonner Estadio da Luz: Zentralregierung bezahlte einen Teil

Rückblick auf Oktober 2003: Das neue Stadion von Benfica Lissabon wurde pünktlich ein dreiviertel Jahr vor der Fußball-Europameisterschaft 2004 eingeweiht. Das alte "Estádio da Luz" war ohne Überdachung der Tribünen nicht mehr zeitgemäß gewesen. Für die EM musste ein neues her. Auch der Konkurrenzclub Sporting Lissabon brauchte eine neue Arena, und natürlich auch die beiden großen Clubs aus Porto.

Alles in allem wurden zur EM zehn neue Stadien in Portugal gebaut. Gesamtkosten 650 Millionen Euro. Das sei nicht sehr viel, sagt Victor Martins von der Lissabonner Wirtschaftsfakultät ISEG. "Pro Sitzplatz gerechnet kosten die Stadien hier 50 Prozent weniger als in Deutschland und die zehn portugiesischen Stadien zusammen kosteten gerade einmal halb so viel wie das Stade de France in Paris."

Finanzlast noch heute

Ein Sechstel der Gesamtkosten der Stadien in Portugal hat die Zentralregierung übernommen - sie zahlte etwas mehr als 100 Millionen Euro. Die Hälfte steuerten die großen Clubs aus Lissabon und Porto bei. Das restliche Drittel der Kosten zahlten die Kommunen. Sie stöhnen teilweise noch heute unter der Finanzlast, vor allem in Loulé und Faro an der Algarve, wo es keinen Erstligaclub gibt, um das Stadion zu füllen.

Martins hat für die Regierung eine Studie über die Bedeutung der EM für Portugal erstellt. "Sie war sehr wichtig, denn zu der Zeit befand sich Portugal in einer Rezession. Die EM hat dazu beigetragen, diese abzumildern. Sie hat 40.000 Arbeitsplätze gesichert", berichtet der Experte. Nachdem die Wirtschaft 2003 um 1,1 Prozent geschrumpft war, konnte sie im EM-Jahr 2004 wieder um 1,2 Prozent zulegen.

Zahlen alleine sagen nichts

Tourismus an der Algarve

Albufeira an der Algarve

Weniger gut fällt auf den ersten Blick die touristische Bilanz aus. Überrascht lässt sich beim Lesen der Statistik der Tourismus-Generaldirektion feststellen, dass die Auslastung der Hotels im EM-Jahr sogar zurückgegangen ist - selbst im Juni, dem Monat in dem die Spiele stattfanden. "Diese Daten müssen regional analysiert werden. Es gab schlicht Regionen, die mehr von der EM profitiert haben" sagt António Padeira, Direktor des nationalen Tourismusinstitutes ITP.

Ein Minus gab es an der Algarve. Hier mieden viele Stammgäste den Fußball-Trubel. Portugals klassisches Ferienziel zog so die ganze Statistik ins Minus. Doch die Zahlen allein lassen nicht auf Erfolg oder Misserfolg schließen. "Eines der Hauptanliegen der EM war es, dass es zehn über das ganze Land verteilte Stadien geben sollte. So konnten wir Regionen Portugals bewerben, die bisher nicht so bekannt waren", sagt Padeira.

Vernachlässigte Regionen blühten auf

Padeira hatte damals zum EM-Ziel erklärt: Die Fans sollten nicht sofort nach den Spielen nach Hause fliegen, sondern länger im Land bleiben: "Wir haben eine sehr große Werbekampagne aufgezogen. Vielleicht eine der größten, die Portugal je im Ausland gemacht hat. Der Slogan war: In Portugal ist die Nachspielzeit der beste Teil des Spiels", erzählt Padeira. "Unsere Anzeigen zeigten ein modernes Portugal und viele verschiedene Reiseziele. Sie stellten den Tourismus in den Mittelpunkt. Fußball kam dagegen kaum vor, nur so viel, wie es gerade nötig war, um die Anzeigen mit der EM in Verbindung zu bringen."

Die Strategie ging auf: Die Fans blieben im Durchschnitt eine halbe Woche - mehr als doppelt so lang wie vier Jahre davor bei der EM in Belgien und Holland. Drei Viertel der Fans waren zum ersten Mal in Portugal. Vor allem für den touristisch vernachlässigten Norden und das Zentrum Portugals konnten neue Kunden gewonnen werden. Wenn es nochmal die Chance gäbe, sich um eine EM zu bewerben, sollte Portugal unbedingt zugreifen, ist Padeira überzeugt.