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Politik

Porträt: Mohammed El-Baradei

Mit 22 Jahren begann Mohammed El-Baradei seine diplomatische Laufbahn. Vom ägyptischen Außenministerium ging es zur ständigen Vertretung Ägyptens bei der UNO. Verschiedene Positionen bei den Vereinten Nationen folgten.

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Der Ägypter ist weit herumgekommen

Der Jurist, der 1942 in Kairo geboren wurde, erwarb 1971 an der New York University School of Law seinen Master. Drei Jahre später erhielt er einen Doktortitel in Internationalem Recht. Während seiner darauf folgenden Karriere lernte El-Baradei die Strukturen internationaler Organisationen kennen: Weltgesundheitsorganisation (WHO), Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und UN-Sicherheitsrat sind nur einige seiner Stationen.

Auch bei bei der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) hatte er verschiedene Posten inne, bevor er zu deren Generaldirektor ernannt wurde. Im Dezember 1997 wurde El-Baradei als Nachfolger des Schweden Hans Blix in dieses Amt berufen. Im September 2001 wurde er für eine zweite Amtszeit bestätigt.

Seine Ziele verfolgt El-Baradei hartnäckig. Er gilt als geduldiger, aber zäher Verhandler bei der Kontrolle von Nuklearprogrammen. Die IAEA soll die weltweite Zusammenarbeit in Kernforschung und -technik fördern und dabei auch die zivile Nutzung von Kerntechnik unterstützen.

Eine Frage der Herkunft?

In den Entwicklungsländern ist El-Baradei wegen seiner Herkunft beliebt. Aber auch, weil er sich stets für den Transfer von ziviler Nukleartechnologie in die Dritte Welt ausgesprochen hat. Von anderer Seite wurde ihm wegen seiner ägyptischen Herkunft vorgeworfen, er sei zu nachsichtig mit dem Irak. El-Baradei wehrt sich gegen solche Vorwürfe.

Sein größtes Ziel sei es immer gewesen, die Welt vor einer Nuklearkatastrophe zu bewahren. Für die zivile Nutzung von Kernenergie setzt er sich aber sehr wohl ein. Der Vorteil der Atomenergie bestehe im Gegensatz zu Kohle und Erdöl darin, "die sauberste und damit beste Energiequelle zu sein" - solange die Sicherheitsstandards eingehalten würden.

Nukleare Brennpunkte: Irak

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde El-Baradei bekannt, als der irakische Diktator Hussein auf Druck der USA im November 2002 nach vierjähriger Unterbrechung erstmals wieder UN-Waffeninspekteure in sein Land ließ.

An der Seite von Hans Blix, dem Leiter der UN-Kontrollmission für den Irak (UNMOVIC), sollte El-Baradei untersuchen, ob der Irak an einem geheimen Atomprogramm arbeitete. Dabei übte er scharfe Kritik am mangelnden Kooperationswillen der damaligen irakischen Regierung, die in den Worten "wir sind nicht für Frieden um jeden Preis" gipfelte. Hinweise auf ein Atomprogramm oder Massenvernichtungswaffen fanden die Kontrolleure der IAEA nicht.

Nordkorea

Im Dezember 2002 versuchte El-Baradei, im Konflikt mit Nordkorea zu vermitteln. Das Land hatte als Antwort auf ein von den USA initiiertes Schweröl-Embargo seine stillgelegten Atomanlagen zur Energiegewinnung wieder in Betrieb genommen und damit eine internationale Krise ausgelöst. Nordkorea beendete damals die Zusammenarbeit mit der IAEA und wies die Beobachter aus.

Iran

Die iranische Regierung hat El-Baradei mehrmals ermahnt, offene Fragen zum Atomprogramm der Islamischen Repulik zu beantworten. Im Herbst 2003 rügte er die Iraner, dass wichtige Angaben zur Urananreicherung fehlten. Dies erfordere eine "dringende Lösung." Noch immer sieht El-Baradei Klärungsbedarf. Er hat noch kein abschließendes Urteil gefällt - ein Grund für die skeptische Haltung der Amerikaner, was seine Wiederwahl zum IAEA-Chef angeht.

Mohammed El-Baradei hat mit seiner Frau Aida Elkachef zwei Kinder. Die Tochter Laila ist Rechtsanwältin, der Sohn Mostafa Biologe. Der Chef der IAEA spielt gerne Golf, wandert und liebt Opernmusik. Er spricht Arabisch, Englisch und Französisch. (je)