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Kultur

Porträt: Jürgen Chrobog

Mitten in einer hitzigen Debatte um die freigelassene Irak-Geisel Susanne Osthoff wird Deutschland mit einer neuen Entführung konfrontiert. Aber was ist Jürgen Chrobog für ein Mensch? Ein Portrait.

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Jürgen Chrobog am 20.08.2003 nach der Freilassung von in der Sahara entführten Deutschen

Er war bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Monaten der Mann für die ganz schweren Fälle. Jürgen Chrobog - ein deutscher Spitzen-Diplomat vom Scheitel im silbergrauen Haar bis zur Sohle. Er hat nie ungefragt seine Meinung herausposaunt, sondern war lieber schweigsam in heikler Mission unterwegs. Jürgen Chrobog übernahm im April 2003 als Staatsekretär im Auswärtigen Amt persönlich die Leitung des Krisenstabs, als in der algerischen Sahara 15 Touristen verschleppt wurden, darunter neun Deutsche. Eine weibliche Geisel überlebte die Strapazen in der Wüste nicht, aber die anderen bekam Chrobog durch zähe Verhandlungen und gute Kontakte nach einem knappen halben Jahr im Nachbarland Mali frei.

Es ist hinterher immer wieder darüber spekuliert worden, wie hoch das Lösegeld war, dass Deutschland bezahlt hat. Aber das Thema Lösegeld ist für Chrobog kein Gegenstand der öffentlichen Debatte. Auch vor kurzem nicht, als die Kollegen vom Bayrischen Rundfunk den Staatssekretär im Ruhestand kurz vor seinem Abflug Richtung Jemen zum Fall der freigelassenen Irak-Geisel Susanne Osthoff befragten.

Optionen und Spekulationen

Laut Chrobog gibt es Alternativen zur Zahlung von Lösegeld, dazu zählten viel Geduld und Verhandlungen, langwierige Verhandlungen. Ob sie auch in seinem Fall greifen werden, bleibt abzuwarten.

Wahrscheinlich wird es jetzt bei seiner eigenen Entführung im Jemen so laufen wie vor zwei Jahren bei der Entführung der Sahara-Geiseln, als Stammesführer eingeschaltet wurden. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Entführer selber wie damals im Fall der Sahara-Geiseln den direkten Kontakt zu den deutschen Behörden suchen werden. Einen hatte Chrobog selbst am Telefon, wie er später erzählte.

Karriere

Ob die Entführer im Jemen wissen, mit wem sie es da zu tun haben? Ob ihnen klar ist, dass sie einen deutschen Karrierediplomaten entführt haben? Jürgen Chrobog ist 65 Jahre alt. Er wurde am 28. Februar 1948 in Berlin geboren und hat in Feiburg, Aix-en-Provence und Göttingen Jura studiert. 1972 wechselte Chrobog dann in den diplomatischen Dienst. Er leitete die Büros der Außenminister Walter Scheel und Hans-Dietrich Genscher. Er vertrat Deutschland bei den Vereinten Nationen und in Singapur und bei der EU in Brüssel. Von 1995 bis 2001 war er dann Botschafter in Washington. Dies ist immer noch der wichtigste Diplomatenposten, den die Bundesrepublik zu vergeben hat.

Mitte 2001 kehrte Jürgen Chrobog unter Außenminister Joschka Fischer als beamteter Staatsekretär in das Auswärtige Amt zurück und war ein umsichtiger Krisenmanager. Nach seiner Pensionierung Mitte des Jahres übernahme er den Vorstandsvorsitz bei der BMW-Stiftung "Herbert Quandt".

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