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Asien

Porträt des iranischen Religionsführers Ali Chamenei

Seit 28 Jahren ist Ali Chamenei der mächtigste Politiker im Iran. Sein Wort ist praktisch Gesetz. Seine Amtszeit endet erst mit seinem Tod.

Ajatollah Chamenei ist das geistliche und politische Oberhaupt des Irans. Der 78-jährige hat in allen staatlichen Angelegenheiten im Iran das letzte Wort. Zugleich betracht er sich als obersten Schutzherren der Schiiten. Die Mitglieder des saudischen Königshauses hat er bereits als Ungläubige und Idioten beschimpft. In der aktuellen Krise aber hält sich Chamenei bis jetzt zurück.

Der in der schiitischen Pilgerstadt Maschhad im Nordosten des Irans geborene Chamenei ist ein überzeugter Konservativer. Nach dem Tod des Revolutionsführers und Gründers der Islamischen Republik, Ajatollah Chomeini, wurde Chamenei zum religiösen Führer bestimmt und damit zum Staatsoberhaupt auf Lebenszeit. Chamenei sieht sich selbst bis heute als Dichter und Literaturkritiker. In seiner Jugend schrieb er Gedichte und rauchte Pfeife – bis der Revolutionsführer Chomeini ihm verbot, das in der Öffentlichkeit zu tun.

In den mittlerweile 28 Jahren seiner Amtszeit hat sich Ali Chamenei stark verändert. In seiner Zeit als Staatspräsident zwischen 1981 und 1989 machten seine frei gehaltenen und ausgewogenen Reden einen relativ friedlichen Eindruck. Mittlerweile ist Chamenei eher für seine radikal-islamischen Ansichten und seine aggressive Rhetorik bekannt. Seine Reden sind gespickt mit dem Begriff Feind – und der Hauptfeind sind dabei stets die USA.

Revolutionsgarden als Machtstütze 

Als Gegner des Schahs musste er vor der islamischen Revolution von 1979 mehrmals ins Gefängnis. Nach der Revolution stieg er schnell auf im Kreis der Mächtigen. 1981 entging er knapp einem Attentat der iranischen Widerstandsgruppe Volksmudschahedin. Dabei wurde seine rechte Hand schwer verletzt. Mit eisernem Willen lernte Chamenei, mit der linken Hand zu schreiben. Er wisse, wie es sich anfühlt, unter einem Diktator zu leben und vom Terror betroffen zu sein, sagte Chamenei später. Den Bezug zur Realität im heutigen Iran aber scheint der Religionsgelehrte verloren zu haben.

Die massiven Menschenrechtsverletzungen im Iran gehen vor allem auf sein Konto. Er wählt den Justizchef aus. Chamenei ist auch Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte, darunter der Revolutionsgarden, einer mächtigen paramilitärischen Organisation zum "Schutz der Revolution." Die Garden wurden unter Chamenei stark ausgebaut und verfügen heute über eigenständige Truppenteile für Heer, Luftwaffe, Marine, Spezialeinheiten für Auslandseinsätze und eine Freiwilligenmiliz. Sie unterhalten sogar eine Cyber-Armee. Die Revolutionsgarden, die gleichzeitig ein Wirtschaftsimperium  im Iran bilden, sind ein Staat im Staate und ermöglichen ihrem Oberbefehlshaber, an Präsident und Parlament vorbei seinen Willen durchzusetzen.

 

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