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Kultur

Porträt der Woche: Mia

Es gab eine Zeit, in der Mia als "rechts" angefeindet wurde. Dabei liegt der Band nichts ferner als braune Denke. Die Wurzeln liegen im Punk - auch wenn ihre Musik heute ziemlich melodisch ist.

Mia wollen den Mund nicht halten

Mia wollen den Mund nicht halten

Als die Berliner Gruppe Mia im Jahr 2002 zum ersten Mal deutsche Bühnen betrat, sah man einen grandiosen Live-Act mit perfektem Image. Textlich und in ihren Aussagen ist Mia ein Ausmaß an Direktheit und immer wieder bereit vor Wut auf Missstände zu explodieren. Jetzt steht ihr drittes Album in den Regalen. Vom Elektro-Punk der ersten Stunde ist zwar nicht mehr viel zu hören, aber auch "Zirkus" ist weit mehr als übliches Pop-Gedudel aus Deutschland.

Punk-Denke

Mia: Bunt statt braun

Mia: Bunt statt braun

"Der Zirkus ist nicht nur lustig, sondern kann sehr traurig sein. Er ist schon ein ganzes Universum für sich", sagt Gitarrist Andi. Hinter dem Geklimper von Zirkus-Instrumenten wie Glockenspielen, Piccolo-Flöten und Pauken gärt es in den Köpfen der fünf Musiker aus Berlin. Immer noch von der Denke her Punks, hat die Band es geschafft, ihre Wut in wunderschöne Texte und Melodien zum Mitsummen und Nachdenken zu verpacken. Egal wie es plätschert. Mia wollen die Welt verändern. "Wir machen Musik, die wir selber gerne hören wollen. Da haben wir alle dieselbe Vorliebe für Songs die einen kriegen, die einen erwischen, die einen nicht mehr loslassen! Und ich glaube, uns ist es gelungen das umzusetzen", sagt Sängerin Mieze. Sie ist glücklich, mit ihren Jungs und der Musik ein Ventil gefunden zu haben. "In jedem Stück gibt es so einen Aha-Moment, den ich am Liebsten sofort wieder erleben möchte. Ich bin dafür dankbar, dass die Platte das bei mir auslöst, obwohl ich doch so dicht an ihr dran bin. Sie bewegt mich, bringt mich zum Weinen, macht mir Gänsehaut. In viele Sätze, die ich selber geschrieben habe und selbst singe, muss ich erst einmal reinwachsen."

Mia mag Blumen, keine Nazis

Mia mag Blumen, keine Nazis

Dass man in die Rolle des Musikrevolutionärs erst einmal reinwachsen muss, hat Mieze leidvoll im Jahr 2003 erfahren müssen. Die Textzeile "fragt man mich jetzt woher ich komme / tu ich mir nicht mehr selber leid" aus der Single "Was es ist" wurde von vielen Kritikern als deutsch-nationaler Satz gedeutet. Entsprechend wurden sie und die Band angefeindet. "Ich hatte das zu keiner Sekunde im Kopf, als ich diesen Text geschrieben habe", sagt Mieze heute. "Es ging mir wirklich darum in mich reinzuhorchen und etwas ganz besonderes zu machen. Musik die einen kriegt, die einen bewegt."

Was ist los in der Seifenblase?

Dass Mia nichts ferner liegt als braunes Gedankengut, kann man auch deutlich auf ihrer Internetseite nachlesen. Vielmehr treibt sie die Sorge um eine Welt um, wo die Pol-Kappen schmelzen und Menschen verhungern. "Es ist was los in dieser Welt, in der Seifenblase, in der wir leben müssen", sagt Mieze. " Ich bin so dankbar, dass wir unsere Musik als mehr begreifen als nur Gedudel, nämlich als Litfasssäule: Guck, was jetzt aktuell dran geschrieben steht! Das geht uns aktuell durch den Kopf."

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