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Politik

Porträt: Charles Taylor

Begriffe wie Blutdiamanten, Kindersoldaten und Massenmorde sind verbunden mit einem Namen: Charles Taylor. Ein Porträt über einen der schlimmsten Kriegstreiber Afrikas.

Charles Taylor

Charles Taylor in einem Gerichtsprozess in Sierra Leone (Juli 2006)

Taylor ist eines von sieben Kindern eines befreiten Sklaven, der aus Amerika eingewandert war. Geboren wurde er als Charles Ghankay Taylor in Arthington, einen wohlhabenden Vorort der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Taylor studierte Ökonomie in den USA. Bei den Wahlen in Liberia 1997 wurde er mit 75 Prozent der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Dennoch war es eine Wahl der Angst: Die Menschen fürchteten nämlich im Fall seiner Niederlage neues Gemetzel.

Blutspur durch Westafrika

bewaffnete Kindersoldaten

Kindersoldaten in Monrowia (2003)

Denn der charismatisch wirkende Taylor war für Folter, Mord und Plünderungen in ganz Westafrika verantwortlich. 1989 marschierten seine so genannten "Kindersoldaten" von der Elfenbeinküste aus nach Liberia ein. Nach der Ermordung Samuel Does durch Prince Johnson, einem damaligen Verbündeten Taylors, war der Bürgerkrieg nicht zu Ende. Von 1989 bis 1996 kamen in Liberia Menschenrechtlern zufolge rund 200.000 Menschen ums Leben - rund zehn Prozent der Bevölkerung.

Taylor war auch für unvorstellbare Gräuel in Sierra Leone verantwortlich. In den 1990er Jahren unterstütze er dort die für ihre Grausamkeit berüchtigten RUF-Rebellen. Sie töteten, mordeten und vergewaltigten. Vielen Männern und Frauen hackten sie Hände, Nasen oder Ohren ab. Ziel war es, Terror zu verbreiten und die Kontrolle über Diamantenfelder zu erlangen. Vom Handel mit "Blutdiamanten" profitierte auch der brutale Warlord aus Liberia.

Exil in Nigeria

Es war im August 2003, als er nach wochenlanger Hinhalte-Taktik sein Präsidentenamt in Liberia aufgab - und das angebotene Asyl in Nigeria akzeptierte. Der Mann, der so viele Menschen in Westafrika in Gewalt und Elend stürzte, sah sich nun selbst als Opfer - zum Abgang gezwungen von der Supermacht USA. "So Gott will, werde ich zurückkehren", prophezeite er in seiner Abschiedsrede im Fernsehen. Für die meisten Liberianer war das eine Drohung. Doch Anfang 2006 kündigte Nigeria die Auslieferung Taylors an. Nach kurzer Flucht wurde er verhaftet und dem Sondertribunal überstellt.

Charismatisch und schillernde Figur

Der Warlord und Diktator gab sich gern als frommer Christ. Einmal führte er einen dreitägigen "Liberia-für-Jesus-Gebetskreuzzeug" an. Oder er legte sich als Laienprediger bei den Baptisten eine schneeweiße Kutte an, warf sich auf den Boden und bat Gott um Vergebung seiner Sünden. Sein auf drei Milliarden Dollar geschätztes Vermögen sicherte ihm auch im Exil ein Leben in Reichtum. (pry)

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