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Porträt: Al-Sarkawi

Der Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi war der meistgesuchte Terrorist im Irak. Die US-Regierung hatte für seine Ergreifung 25 Millionen geboten.

Al-Sarkawi hatte sich erst vor ein paar Tagen zu Wort gemeldet. In einer im Internet veröffentlichten Audiobotschaft rief er die Sunniten zum Kampf gegen die schiitische Mehrheit auf. Die Sunniten sollten die Appelle zur nationalen Einheit ignorieren und sich für die Konfrontation mit den "schiitischen Schlangen" rüsten.

Im April 2006 war Al-Sarkawi erstmals in einem Video zu sehen. In seiner Botschaft drohte er dem Westen mit weiteren Anschlägen und bekräftigte ferner seine Loyalität zu Terrorchef Osama bin Laden. In dem Video zeigte sich der bärtige Mann stellenweise beim Kampftraining mit etwa zwei Dutzend seiner maskierten Mitstreiter. Er warf dem Westen und den USA vor, einen Kreuzzug gegen den Islam zu führen. Die heiligen islamischen Krieger hielten dem aber stand.

Hass auf die USA

Immer wieder schürte Al-Sarkawi den Hass in der Bevölkerung. Fortschritte bei der Regierungsbildung im Irak waren ihm ein Dorn im Auge. Immer wieder richtete er Hasstiraden gegen die USA. "Als die Feinde in den Irak einmarschiert sind, war es ihr Ziel, den Irak und die Region zu kontrollieren. Aber wir haben sie seit drei Jahren bekämpft."

Al-Sarkawi wurden eine Fülle brutalster Morde angelastet. Er galt als Anführer der Gruppe Al-Tawhid wa Al-Dschihad (Islamische Einheit und Heiliger Krieg), die sich im Oktober 2004 in Kaida al-Dschihad im Irak umbenannte, um so ihre Loyalität zum Terrornetzwerk El-Kaida auszudrücken. Verbindungen zu El Kaida waren dem 39-Jährigen schon vor seinen Loyalitätsbekundungen an Bin Laden zugeschrieben worden. Experten gingen aber davon aus, dass er und seine Anhänger im Irak weitgehend autonom operierten.

Image als blutrünstiger Gotteskrieger

Anders als El-Kaida-Anführer Osama bin Laden pflegte der Jordanier nicht das Image des spirituellen Führers, der von seinem Versteck aus mit ruhiger Stimme und blumiger Sprache Befehle zum Massenmord erteilt. Vielmehr gab sich al-Sarkawi gern als blutrünstiger "Gotteskrieger", der selbst an vorderster Front kämpft und Geiseln enthauptet.

Al-Sarkawis Gruppe gilt als gefährlichste Terrorvereinigung im Irak. Geiseln, die dieser Gruppe in die Hände fallen, haben kaum Überlebenschancen. Sie hatte im Mai 2004 die US-Geisel Nicholas Berg ermordet und ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen sein soll, wie Al-Sarkawi Berg eigenhändig mit einem Messer enthauptet. Ihr Ziel ist der "Kampf gegen Ungläubige", zu denen für die Extremisten auch irakische Polizisten und Politiker zählen. Zur Sarkawi-Gruppe zählen nach Einschätzung von Experten zahlreiche arabische Ausländer, darunter besonders viele Saudis.

Name in Anlehnung an Heimatstadt

Der Terrorist, der mit bürgerlichem Namen Ahmed Chaleileh hieß, wurde als eines von zehn Kindern von palästinensischen Flüchtlingen geboren. Seine Geburtsstadt Sarka, eine Industriestadt nördlich von Amman, fand später Eingang in den "Kampfnamen" Al-Sarkawi. Der Vater war ein traditioneller Heiler und städtischer Angestellter, die Mutter eine tiefgläubige Frau. Die Familie gehört zum traditionsbewussten Beduinenstamm der Bani Hassan.

Sarkawi erlebte eine ziemlich "wilde Jugend". In der Schule war er kein besonders guter Schüler, mit 17 Jahren brach er die Schule ganz ab und schloss sich Teenager-Gangs an. Mit den anderen Jugendlichen betrank er sich, zog durch die Straßen, zettelte immer wieder Prügeleien an. Mehrfach soll er von seiner Familien auf der Polizeiwache abgeholt worden sein. Schließlich entschied sich die Familie zu einer Umerziehungsmaßnahme bei islamischen Geistlichen. Die bewirkte schließlich den Sinneswandel bei dem jungen Mann.

Sarkawi, der wie die Terroristen von El Kaida der sunnitischen Glaubensrichtung des Islam angehörte, war offensichtlich von Hass auf jeden getrieben, der sich seiner radikalen Auslegung des Islam entgegenstellt. Er lebte in Afghanistan, wo er ein Ausbildungslager für Terroristen in Herat geleitet haben soll, bevor er dann in den Irak ging. In seiner Heimat Jordanien wurde Sarkawi wegen verschiedener Anschläge und Verschwörungen in Abwesenheit bereits drei Mal zum Tode verurteilt.(stl)

  • Datum 08.06.2006
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  • Permalink http://p.dw.com/p/8aRL
  • Datum 08.06.2006
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