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Kultur

Portale für die besten Jahre

Sie haben drei Dinge im Überfluss: Zeit, Geld und Motivation. Deshalb wird die "50plus-Generation" seit längerem von der Multimediabranche heiß umworben - die Senioren sollen das Internet erobern.

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Sich auf's Altenteil zurückziehen? - Denkste!

Die Branche will die Rentner der Republik mit Macht ins Netz locken, wo sie ohne weit zu laufen in Ruhe einkaufen und ihre Interessen austauschen können. In der Vergangenheit investierten einige Leute nicht unbedeutende Summen in Portale für ältere Mitbürger. Bekanntestes Beispiel war die Berliner ovivo.com AG, an der neben dem Burda-Verlag auch der Entertainer Günter Jauch beteiligt war. Da sollte es Lifestyle, Wellness und gute Weine bei einem aus Rock 'n' Roll gewebten Klangteppich geben. Doch trotz mehr als 250.000 Besucher im Monat brachte das "Internet für Lebenskenner" (ovivo über ovivo) den Beteiligten nur Verluste und wurde im Oktober 2001 nach nur eineinhalb Jahren geschlossen.

Nutzer sollen nicht an ihr Alter erinnert werden

Dennoch machen andere weiter. Bekannte Senioren-Portale sind etwa feierabend.com und senioren-online.net. Und die "Internet-Stadt" der Atlantis-City AG, in der Menschen ab 50 miteinander einkaufen und kommunizieren sollen. Statt die Nutzer an ihr Alter zu erinnern, bietet der professionelle Web-Auftritt einfach "die Themen, die interessieren", wie Pressesprecher Joachim Dung formuliert. Unter anderem mit gesponsorten Magazin-Artikeln, Kooperationen und Content-Verkauf will die Bonner Firma mit zwölf Mitarbeitern noch dieses Jahr die Gewinnzone erreichen.

Im Jahr 2003 sind fünf Millionen Senioren online

Optimismus verbreitet Dung, wenn er das Potenzial des Marktes beschreibt. Von 1995 bis 2001 habe sich die Zahl der über 50-Jährigen Internet-Nutzer in Deutschland auf etwa vier Millionen nahezu versechsfacht. Die von Atlantis-City gemeinsam mit der Telekom und der Deutschen Seniorenliga herausgegebene Broschüre "Mehrwert Internet" habe mit über einer Million abgegebenen Exemplaren reißenden Absatz gefunden. Insgesamt würden bis 2003 voraussichtlich fünf Millionen Senioren online sein, schätzt Dung.

Der "geriatische Computer" verkauft sich schlecht

Ein Nutzer-Potenzial, das Ariel Salmang nicht ausreicht. Für den Geschäftsführer der Kölner Internet-Firma Esperto ist es nicht sinnvoll, sich ausschließlich auf die Älteren zu konzentrieren. Sein 2000 gegründetes Start-up hatte ursprünglich zum Ziel, Senioren mit einem umfassenden Service-Paket den Internet-Einstieg einfach zu machen. Nun sollen alle potenziellen Neueinsteiger fürs Web geködert werden - vom knapp vierzigjährigen Mittelständler bis zu den Angehörigen der Großeltern-Generation. Dafür wurden eine extrem einfache Benutzeroberfläche sowie exklusive Schulungen per Telefon entwickelt.

Salmang verweist darauf, dass sich speziell für Senioren vermarktete Produkte, etwa der "geriatrische Computer", in Deutschland generell schlecht verkaufen. Damit grenze man zu viele Kunden von vornherein aus. Auch Atlantis-City-Sprecher Dung betont, dass Senioren-Portale das "Fußwärmer-Image" abstreifen müssten, um Erfolg zu haben.

Informationen und E-Mails stehen hoch im Kurs

Hinzu kommt, dass viele Senioren das Einkaufen im Internet viel skeptischer beurteilen als Jüngere. An erster Stelle stünden für seine Generation E-Mail und Informationsgewinnung, bestätigt Wolfgang Köhler, der Mitbegründer von Seniorennet.de, eines der ältesten deutschen Senioren-Netzwerks. "Kaufen ist für uns kein großes Thema, da herrscht noch zu viel Verunsicherung", sagt der pensionierte Chemiker. AP/(pg)

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