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Wirtschaft

Porsche rettet sich unter das Dach von VW

Eigentlich wollte der Sportwagenbauer Porsche den Volkswagen-Konzern komplett übernehmen. Doch die Finanzkrise verhagelte den Deal, der mit Spekulationsgeld finanziert werden sollte. Jetzt wagen beide eine Fusion.

Zwei Porsche-Logos mit einem Logo von Volkswagen (Foto: dpa)

Volkswagen und Porsche: Eine Fusion mit Fragezeichen

Porsche übernimmt Volkswagen! Was für ein Deal! So jubelten die Aktienmärkte, als Anfang des Jahres die Meldung über die Ticker lief. Nach drei Jahren, am 5. Januar ist Wendelin Wiedeking, der umtriebige Porsche-Chef, am Ziel: 50,76 Prozent der Volkswagen-Stammaktien gehören nun dem Stuttgarter Unternehmen - die Mehrheit. Eingefädelt hat Wiedeking den Deal gemeinsam mit seinem Finanzvorstand Holger P. Härter. Die Finanzwelt feiert die beiden als Stars - und Porsche wird zu jener Zeit als Hedgefonds mit angeschlossener PKW-Abteilung tituliert. Kein Wunder: Im Geschäftsjahr 2008 verdient Porsche rund 4,2 Milliarden Euro - das wenigste davon stammt aus dem Bau von Autos.

Klein schluckt Groß

Porsche Center in Stuttgart-Zuffenhausen mit VW-Logo (Foto:dpa)

Künftig unter einem gemeinsamen Dach: Porsche und VW

Kein Wunder auch, dass die Zuffenhausener damals vor Kraft kaum laufen können. Geld spielt keine Rolle - und somit scheint es auch kein Problem, sich den Volkswagen-Konzern einzuverleiben. Nicht Groß schluckt Klein - umgedreht soll ein Schuh daraus werden: VW baute im vergangenen Jahr rund 6 Millionen Autos, setzte 2008 weit über 100 Milliarden Euro um und verdiente 4,6 Milliarden Euro. Mitarbeiter weltweit: 370.000. Man vertreibt neun verschiedene Marken und hat über 60 Werke auf der ganzen Welt. Bei Porsche liest sich alles ein paar Nummern kleiner: Rund 100.000 Autos, 12.000 Mitarbeiter in zwei Werken, eine einzige Marke und trotzdem - siehe oben: 4,2 Milliarden Gewinn bei einem Umsatz von 7,5 Milliarden Euro.

Groß schluckt Klein

Das Logo eines VW-Porsche 914, eine Gemeinschaftsproduktion von VW und Porsche aus den siebziger Jahren (Foto: AP)

Einen VW-Porsche gabs schon in den 70er Jahren.

Jetzt ist alles anders: Porsche - so wird nun klar - hat sich an Volkswagen verhoben. Eine Schuldenlast von neun Milliarden Euro lastet auf der Bilanz. Wiedeking und sein Finanzchef Härter - eben noch die Stars und für den Deal gefeiert - sind unter Beschuss geraten. Der Deal sollte über Aktienoptionen und andere Spekulationsinstrumente finanziert werden. Doch dann kam die Finanzkrise - und schob Porsche einen Bremsklotz vor die Räder. Wiedeking hatte sich verzockt.

Jetzt der dramatische Rettungsversuch: Porsche und VW wollen zusammengehen. Ob das gut geht, werden die kommenden Wochen zeigen. Denn ein Machtkampf der Eigentümerfamilien zeichnet sich angesichts vieler offener Fragen ab: Wo wird der Sitz des neuen Riesen sein? Wer wird der Chef, wer leitet den Aufsichtsrat? Schon bisher war die ganze Sache eine Geschichte von Intrigen, Anfeindungen und Indiskretionen. Denn es ist auch die Geschichte des Porsche-Piech-Clans.

Alles Familiensache

Wolfgang Porsche (r.), der Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche Automobil Holding, und Ferdinand Piech, Aufsichtsratsvorsitzender von VW (Foto: dpa)

Nach außen im Einvernehmen: Ferdinand Piech (l.) und Wolfgang Porsche

Wolfgang Porsche ist der Enkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche. Der 65-jährige ist Aufsichtsratschef der Porsche AG. Sein Antipode ist Ferdinand Piech - der ist Wolfgang Porsches Cousin. Piech hat Benzin im Blut, seine Laufbahn begann 1963 bei der damaligen Porsche KG in Zuffenhausen bei Stuttgart. 30 Jahre später rückte Piech an die Spitze des VW-Konzerns, heute ist er dort Chef des Aufsichtsrates.

Eklat im Aufsichtsrat

In dieser Funktion sorgt Piech im September des vergangenen Jahres für einen massiven Eklat im VW-Aufsichtsrat: Im Kontrollgremium der Wolfsburger kommt es zum großen Knall zwischen den Eigentümer-Clans: Piëch, der selbst Miteigentümer von Porsche ist, fällt dem Sportwagenbauer in den Rücken. Er lässt den Antrag der Arbeitnehmerseite passieren, wonach Geschäfte zwischen Porsche und Audi nur mit Zustimmung des VW-Aufsichtsrates möglich sein sollen. Damit will Piech Wiedeking ausbremsen. Erst ein Friedensgipfel - so wie jetzt auch in Salzburg - zwei Monate später kann die Wogen glätten. Bei der VW-Übernahme durch Porsche wollten beide Familien nun an einem Strang ziehen, heißt es.

Kurze Zeit später verkündet Wendelin Wiedeking, den Anteil an VW auf 75 Prozent ausbauen zu wollen. Zu den damaligen Anteilen von 42 Prozent habe man sich bereits Optionen auf zusätzliche 31 Prozent gesichert. Das löst ein Kursfeuerwerk der VW-Aktie aus: Sie steigt in der Spitze bis auf über 1000 Euro: Für kurze Zeit ist Volkswagen das weltweit teuerste börsennotierte Unternehmen. Der Grund sind so genannten Leerverkäufe -Spekulanten hatten mit geliehenen Aktien aufs falsche Pferd gesetzt.

Gemeinsame Zukunft mit Fragezeichen

VW-Chef Martin Winterkorn (l.) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (Foto: AP)

VW-Chef Martin Winterkorn (l.) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking

Jetzt aber geht es um die Zukunft von Porsche. Mit der angestrebten Fusion kommt Ferdinand Piech seinem großen Ziel näher, aus Volkswagen ein riesiges Auto-Imperium zu machen und die weltweite Nummer Eins zu werden. Porsche wird eine von zehn gleichberechtigten Marken - so wie Audi, Skoda, Bugatti oder auch Seat. Was Porsche auf jeden Fall braucht, ist frisches Geld. Möglich wäre eine Kapitalerhöhung, der die Porsche-Aktionäre freilich zustimmen müssten. Oder aber, die Familienclans öffnen ihre milliardenschweren Privatschatullen. Der Einstieg eines neuen Investors - beispielsweise aus der Golfregion - sei derzeit nicht vorgesehen, hieß es nach dem Treffen in Salzburg am Mittwoch (06.05.2009). Und schließlich ist da noch das Land Niedersachsen, dem immerhin 20 Prozent der Aktien gehören. Ebenfalls spannend wird zu beobachten sein, wie sich die Arbeitnehmer-Vertretungen beider Unternehmen verhalten. Denn bislang haben die alles andere als an einem Strang gezogen und sind während der Übernahmephase sogar gerichtlich gegeneinander vorgegangen.

Autor: Henrik Böhme

Redaktion: Insa Wrede

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