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Musik

Poptitan und Sprücheklopfer: Dieter Bohlen

Die einen lieben, die anderen hassen ihn - doch jeder kennt ihn. Dieter Bohlen ist ein Medienphänomen. Bekannt geworden mit Modern Talking nennt ihn die Boulevardpresse heute Poptitan und liebt seine derben Sprüche.

Jury Mitglied Dieter Bohlen reagiert am spaeten Samstagabend, 9. Mai 2009, bei der RTL Castingshow Deutschland sucht den Superstar - DSDS im MMC-Fernsehstudio in Koeln. Mit 50,47 Prozent der Stimmen setzte sich der 22-Jaehrige Daniel Schuhmacher aus Pfullendorf am spaeten Samstagabend, 9. Mai 2009, im Finale der RTL-Castingshow Deutschland sucht den Superstar gegen seine Konkurrentin Sarah Kreuz durch. (ddp images/AP Photo/Hermann J. Knippertz) --- Jury member Dieter Bohlen shows a thumb-up during the finale live casting show Star Search (Deutschland sucht den Superstar - DSDS) in Cologne, Germany, on late Saturday evening, May 9, 2009. (ddp images/AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Dieter Bohlen Deutschland sucht den Superstar - DSDS

Ewige Sonnenbräune, tiefe Falten im Gesicht, blond gesträhntes kurzes Haar: Dieter Bohlen, 57 Jahre alt, achtet auf ein gepflegtes, jugendliches Aussehen. Noch jünger machen ihn seine bildhübschen, vollbusigen Lebensgefährtinnen, meist Anfang 20. "Ich bin der Durchschnitt aller Deutschen", sagt hingegen Bohlen über sich selbst. Damit meint er nicht seinen Fuhrpark an teuren Autos, seine Frauen oder goldenen Armbanduhren, sondern seine Haltung. Und vor allem sein Selbstbewusstsein, seine Meinung offen kund zu tun, nicht selten auf Stammtischniveau und mit einer recht schlichten Ausdrucksweise.

Nach 500 Titeln endlich Produzent

Dieter Bohlen musiziert, seit er zehn Jahre alt ist. Er komponiert schon in der Schulzeit eigene Songs und dann vor allem während seines Wirtschaftsstudiums. Damals spielt er auch schon "in Tausenden von Bands", wie er sagt. Als er dann mit dem Studium fertig ist, will er eigentlich seinem Vater zuliebe einen ordentlichen Beruf ausüben. Doch der Musikverlag "Hansa", dem er im Laufe der Jahre um die 500 Titel geschickt hat, zeigt plötzlich doch Interesse. "Als ich gerade etwas Vernünftiges werden wollte, wollte auf einmal jemand einen Titel von mir singen", grinst er breit. "Und dann hat der Musikverlag gesagt, ich könnte mich ja mal vorstellen."

Der Musikverlag stellt Dieter Bohlen, damals 26 Jahre alt, als Produzenten ein. Bohlen komponiert im Akkord für kaum bekannte Schlagerstars. Gleichzeitig versucht er sich erfolglos als Solokünstler. Anfang der 80er Jahre trifft er auf den Sänger Thomas Anders und komponiert für ihn Songs auf Deutsch, doch auch dieses Projekt verläuft im Sande. Dann kommt der rettende Einfall: Dieter und Thomas schließen sich zusammen und singen auf Englisch.

Modern Talking: ein musikalischer Lottogewinn

Thomas Anders (l) und Dieter Bohlen vom Popduo Modern Talking während eines Auftritts 1985. (Foto: von Maydell c) dpa - Bildfunk)

Das Hitwunder Modern Talking

Es ist das Jahr 1983, die Geburtststunde von Modern Talking. Gequietsche in Eunuchenlage sei seit Studententagen sein Spezialgebiet, sagt Bohlen später. Mit "You’re my heart, you’re my soul" produziert Bohlen einen Welthit und landet zum ersten Mal auf Platz Eins der deutschen Singlecharts. Innerhalb kürzester Zeit sammeln die beiden Jungs rund 60 Schallplatten in Gold und Platin ein.

Modern Talking: ein Hitwunder, mit dem der nimmermüde Bohlen auch erstmals an seine Grenzen stößt. "Wir waren permanent unterwegs durch alle Länder", erinnert er sich. "Nach der fünften Nummer Eins mit Modern Talking war ich echt so ziemlich am Ende. Weil nach der fünften Nummer Eins wollte ich natürlich die sechste Nummer Eins, und das habe ich einfach nicht mehr geschafft."

Erst das Geld, dann die Musik

Vermarktung, Erfolg, Anerkennung: All das steht bei Dieter Bohlen an erster Stelle, erst an zweiter kommt die Musik. Das Bündnis Modern Talking hält fünf Jahre. Dann trennen sich Bohlen und Anders im Streit, wie man detailliert in den Boulevardzeitungen nachlesen kann. Beide machen als Solokünstler weiter, Bohlen unter dem Namen "Blue System".

Gleichzeitig arbeitet Dieter Bohlen wieder im Akkord an Songs für andere Künstler, mittlerweile für die Plattenfirma BMG. Er gilt als Spezialist für schwächelnde Schlagerstars, die er zurück in die Charts holt, wie zum Beispiel Engelbert, Roy Black oder Nino de Angelo.

2010 dann ein weiterer Meilenstein: Schlagersängerin Andrea Berg trennt sich von ihrem Produzenten und vertraut ihr neues Album Dieter Bohlen an. "Schwerelos" landet auf Platz Eins der Album-Charts, 2011 bekommt Andrea Berg dafür einen Echo, den wichtigsten Musikpreis in Deutschland überhaupt.

Deutschland sucht den Superstar: Die Jury 2010 (Foto: RTL)

Deutschland sucht den Superstar: Lästermaul Dieter Bohlen ist Kopf der Jury

Schweine und Stabhochsprung

Bekannt ist Bohlen aber derzeit eher als Juror für die Castingshow "Deutschland sucht den Superstar". Seit 2002 schockiert und fasziniert er die Nation mit seinen derben Kritiken gegenüber den Kandidaten: "Ihr rennt immer alle raus und seid super traurig, dass ihr jetzt nicht singen könnt", kommentiert er beispielsweise. "Aber Schweine können auch nicht Stabhochspringen und sind deswegen nicht traurig."

Dieter Bohlen macht das alles nicht nur zum Spaß. Satte 1,2 Millionen Gage bekommt er pro Staffel. Dazu hat er in den ersten Jahren viele der Sieger oder Lieblinge der Show produziert oder 2002 einfach für alle Finalisten den Song "We have a dream" geschrieben, der, wen wundert’s noch, natürlich auch auf Platz Eins landete und zur Single des Jahres wurde.

Deutschland sucht den Superstar ist eine Goldgrube für den Produzenten. Und endlich kann er nicht nur schwächelnde Schlagerstars produzieren, sondern auch junge Talente. Doch die Presse interessiert sich mehr für sein Privatleben, vor allem für seine immer jünger werdenden Partnerinnen: Naddel, Verona, Estefania und Carina, allesamt vollbusig, dunkle schwarze Haare, südländischer Typ.

Pärchenglück, Presse, Privates

Bohlen und aktuelle Freundin Carina Fatma Walz (Foto: @picturealliance/ rtn radio-tele nord)

Bohlen mit Freundin Carina

Bohlen spielt mit der Presse, versteckt sein Privatleben kaum und hat die Handynummern vieler Boulevardjournalisten gespeichert. Dennoch sagt er: "95 Prozent der Sachen, die über mich zu lesen sind, sind voll erfunden, die restlichen fünf Prozent sind irgendwie verschroben." Ebenso wenig schämt er sich für seine verbalen öffentlichen Ausbrüche: "Ich meine, dass ich immer eine große Klappe hatte und manchmal Sachen gesagt habe, die noch nicht einmal gestimmt haben und vielleicht auch Leute beleidigt habe. Das ist einfach so." Wenn man wie er manchmal 18 Stunden am Tag arbeite und immer auf einem Stuhl im Studio säße, brauche man eben irgendwann was zum Rauslassen.

Zum Beispiel in Form von Literatur. Gemeinsam mit Katja Kessler, Kolumnisten der Boulevard-Zeitung BILD, hat er zwei Bücher geschrieben: über sich, sein Leben, seine Frauen und seine Musik. Beide Bücher wurden Bestseller. Beide regten die Musikbranche derart auf, dass beispielsweise Frank Farian, ebenfalls einer der erfolgreichsten deutschen Musikproduzenten, sich veranlasst sah, mit dem eigenen Buch "Stupid dieser Bohlen" dagegen zu halten.

Dieter Bohlen: Das ist nicht nur Musik, das ist vor allem ein Medienphänomen und jede Menge Kommerz. Daraus macht er keinen Hehl, sondern liebt und lebt dieses Geschäft ganz so, wie ihm seine Schnauze gewachsen ist.

Autorin: Nadine Wojcik
Redaktion: Matthias Klaus

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