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Kultur

Popstars, Pickel, Pubertät: 50 Jahre "Bravo"

Macht Küssen schwanger? Und wen küssen die Stars? Seit 50 Jahren klärt "Bravo" deutsche Teenanger über Sex und Pop auf - und hat es zunehmend schwerer.

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Na Bravo.

Star der Woche war Karl-Heinz Böhm, Filmtipp: "Wo der Wildbach rauscht", dazu Neues von Heinz Rühmann. Was nach Senioren-Beilage klingt, waren die Aufmacher-Themen des ersten Jugendmagazins der Bundesrepublik: Mit dem Untertitel "Zeitschrift für Film und Fernsehen" kam am 26. August 1956 die "Bravo" erstmals an den Kiosk. Die Startauflage lag bei 30.000, der Preis bei 50 Pfennig, und vom orange-gelben Cover lächelte Marilyn Monroe mit entblößter Schulter dem jugendlichen Leser entgegen.

Bravo wird 50

Dr. Sommer: Die Hauptsache?

Ende der 1960er hielten Dr. Sommer und die Leserfragen zu Liebe, Lust und Leidenschaft Einzug in "Bravo" und machten die Zeitschrift zunächst zum Skandalblatt der Nation, wie Klaus Farin vom Archiv für Jugendkulturen in Berlin erklärt: "Damals wurde nicht offen über Sexualität geredet und plötzlich riet Bravo: 'Finde selber heraus, was du willst und sprich über deine Probleme.' Das war neu, keine Verbote, sondern der Rat: 'Sei selbstbewusst, löse dein Problem selbst'."

"Du bist auf dem richtigen Weg"

Hinter dem Aufklärer der Nation steckte damals der Ehe- und Erziehungsberater Martin Goldstein. Ermutigen und befreien habe er die Jugendlichen wollen, erinnert sich der heute 79-Jährige. Wegen der Briefeflut von bis zu 5.000 Zuschriften pro Woche bekam er schon bald ein Team aus Psychologen und Ärzten zur Seite gestellt. Eine Geschichte ist ihm bis heute in Erinnerung: Ein junger Mann habe die Spirale zur Verhütung einsetzen wollen, aber nicht gewusst, wie er sie an seinem besten Stück hätte befestigen sollen. Goldstein habe ihm dann einen persönlichen Brief geschrieben – "Du bist auf dem richtigen Weg", sei der erste Satz gewesen.

Bravo wird 50

Bravo: Bis heute Deutschlands bekanntestes Jugend-Magazin

Bis heute sind Sex und Aufklärung ein großes Thema in der Bravo, auch wenn der gesellschaftliche Umgang mit den Themen lockerer geworden sei, sagt Farin: "Die Zeiten, in denen Eltern ihrem Nachwuchs - wenn sie denn überhaupt Bravo lesen durften - noch die Aufklärungsseiten zugeklebt haben, die sind vorbei." Gleichzeitig werden Bravo-Leser immer jünger: War es noch zu Beginn ein Magazin für 20- bis 30-Jährige, sind die Leser jetzt zwischen 10 und 16 Jahre alt.

Immer noch peinlich

Sich öffentlich als Bravo-Leser zu bekennen, sei allerdings immer noch "uncool", so Farin: "Ab einem gewissen Alter wird das peinlich. Und Jungs geben das nicht gerne zu, weil es eine Mädchenzeitschrift ist. Man liest Bravo heute noch heimlich oder tarnt zum Beispiel sein wirkliches Interesse an 'Dr. Sommer'-Fragen."

Neben diesen versorgt Bravo die Jugendlichen bis heute auch mit dem neusten Klatsch über Pop- und Filmstars: Sie erfahren etwa, dass Hollywood-Star Johnny Depp als Teenager total unsicher war oder dass Filmstar George Clooney nicht in die Politik will. Und immer noch gibt es den "Bravo-Starschnitt", bei dem man puzzleartig die in jedem Heft erscheinenden Einzelteile zu einem Poster des Stars in Lebensgröße zusammen klebt. Nach der ersten Starschnittaktion 1959 dürfte die französischen Film-Ikone Brigitte Bardot tausende Jugendzimmer in Deutschland geziert haben.

Ausschnitt Bravo Dr. Sommer That's me 2006 Lysann

In Osteuropa nur entschärft möglich: Die "Dr. Sommer"-Seiten

Doch die einstige Teenager-Bibel hat es nicht leicht. Lag die durchschnittliche Auflage Anfang der 1990er noch bei rund einer Million Exemplare, waren es im zweiten Quartal 2006 noch knapp 511.000, denn die Konkurrenz ist groß: Am Kiosk buhlen mittlerweile dutzende Magazine um Gunst und Taschengeld Jugendlicher.

Selbst den Sprung ins Ausland hat die "Bravo" in ihrer 50-jährigen Geschichte mit eigenen Ausgaben versucht. Zum Beispiel nach Osteuropa. Dort mussten manche Rubriken allerdings "entschärft" werden - Dr. Sommer schien für dortige Sitten dann doch gar zu aufklärerisch. (ina)

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