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Musik

Popstar Beethoven

"Ta-ta-ta-taaa" - kaum ein klassisches Motiv wurde so häufig gecovert, wie das Anfangsmotiv der fünften Symphonie von Ludwig van Beethoven. Doch nicht nur die Fünfte ist in den internationalen Hitlisten zu finden.

(Foto: freehandz )

Galerie - Beethoven

Von "Für Elise" als weichgespültem Schmusesong bis zu Rock-Versionen seiner Symphonien - seit Jahrzehnten erstrahlt der Name Beethoven erstaunlich oft als Stern am Pop-Himmel. Und dass Beethoven sogar die Grundlage zu einem der erfolgreichsten Pop-Songs aller Zeiten geliefert hat, scheint fast unglaublich: Als 1970 die Feiern zum 200. Geburtstag von Beethoven anstanden, wollte man auch in Spanien den Meister ehren. Ein poppiges Arrangement von "Freude schöner Götterfunken" aus der 9. Symphonie sollte es sein. Orchesterleiter Waldo de los Rios arrangierte "A Song Of Joy", als Interpret wählte man Rocksänger Miguel Rios. Der Titel wurde ein Welthit, verkaufte sich sieben Millionen Mal. Allein in den deutschsprachigen Ländern hielt sich der Song wochenlang in den Charts und stieg sogar auf Platz Eins.

"Roll over Beethoven"

6th May 1977: Hugely influential singer, songwriter and guitarist Chuck Berry, (Charles Edward Anderson), performing on stage with his guitar at the Birmingham Odeon in England. (Photo by Keystone/Getty Images)

Chuck Berry

Ausgelöst wurde das Beethoven-Fieber schon 1956, als der schwarze Sänger und Gitarrist Chuck Berry seine Hymne auf die neue Ära des Rock'n'Roll besang: Sein "Roll over Beethoven" war ein Aufruf zur musikalischen Revolte. Mit "Roll over Beethoven" brüllte Chuck Berry provokant das Lebensgefühl der 50er und 60er Jahre heraus: "Hört her, Leute, hier kommt eine ganz neue Musik, ein neuer Sound. Beethoven, du kannst dich nur noch im Grab herumdrehen und Tschaikowsky die Neuigkeiten erzählen." Beim konservativen Publikum kochte damals die Empörung über diese "lärmende Unmusik" hoch, doch für eine ganze Generation junger Musiker wurde Chuck Berry zum Helden. Gefühlte tausend Mal wurde der Song gecovert, unter den Interpreten sind Rockgrößen wie die Rolling Stones, Status Quo oder Uriah Heep. Die Beatles sangen "Roll over Beethoven" schon bei ihren ersten Auftritten in den Clubs in Liverpool, und das Electric Light Orchestra nutzte als Intro für seine Coverversion das berühmte "Ta-ta-ta-taaa".

Rock mit Beethoven

The Rolling Stones 'pop' group from left Brian Jones, Keith Richard, Mick Jagger, Charlie Watts and Bill Wyman, board a New York bound Airliner at London Airport October 23, 1964. They were off on a U.S. Tour. (ddp images/AP Photo/Victor Boyton)

The Rolling Stones 1964

Obwohl Chuck Berry Beethoven für veraltet erklärt hatte, sorgte der Song seit Ende der 1960er Jahre für einen regelrechten Beethoven-Hype. Musiker beschäftigten sich auf einmal mit dem "uncoolen" Beethoven und entdeckten Motive und Themen seiner Werke als Basis für ihre Songs. Die Devise hieß jetzt nicht mehr "Rock statt Beethoven", sondern "Rock mit Beethoven". Auch die Beatles ließen sich 1969 inspirieren. John Lennon erinnerte sich 1980 rückblickend an die Entstehung des Songs "Because": "Ich lag auf dem Sofa und hörte Yoko zu, wie sie die Mondscheinsonate spielte. Ich fragte, ob sie die Akkorde auch in umgekehrter Reihenfolge spielen könnte. Sie spielte rückwärts und daraus entstand dann ‘Because'."

Im gleichen Jahr, 1969, machte auch eine Rock-Formation aus den Niederlanden auf sich aufmerksam: Ekseption. Die Gruppe um den Jazztrompeter Rein van den Broek und den Keyborder Rick van der Linden wurde durch ihre Rock-Neuarrangements von Klassikern eine der erfolgreichsten Rockbands auf dem europäischen Kontinent. Ihre Version von Beethovens Fünfter wurde zum weltweiten Erfolg und stürmte die Hitparaden.

Japanese-born artist Yoko Ono and her husband, singer and songwriter John Lennon (1940 - 1980) at Selfridges department store in London to autograph copies of Ono's new book 'Grapefruit', 15th July 1971. (Photo by Central Press/Hulton Archive/Getty Images)

Yoko Ono und John Lennon

Beethoven im Disco-Sound

Ekseption sollten nicht die einzigen bleiben, die Beethovens Fünfte neu entdeckten. 1976 verhalf die "Schicksalssymphonie" auch Walter Murphy zu einem Nummer-Eins-Hit. 1974 kam der Jazzpianist auf die Idee, klassische Musik im Disco-Sound abzumischen. Sein "A Fifth of Beethoven" erschien 1976 auf dem Markt und erregte die Aufmerksamkeit eines Filmproduzenten. Der fragte Murphy, ob er seine "Disco-Fifth" für einen Soundtrack haben dürfte. Walter Murphy willigte ein und machte das Geschäft seines Lebens: Der Film hieß "Saturday Night Fever" - und der Soundtrack ist bis heute der meistverkaufte aller Zeiten.

Billy Joels Beethoven-Tribute

Gefühlvolle Balladen und rockige Songs sind seine Markenzeichen. In Europa bekannt wurde der "Piano-Man" Billy Joel 1984 mit der LP "An Innocent Man", seinem Tribute-Album an die Musik seiner Jugend. Ehrung nicht nur für den Rock'n'Roll der 1950er und 1960er Jahre, sondern auch für seinen Lieblingskomponisten Ludwig van Beethoven: "Vor meinen eigenen Stücken habe ich Beethoven gespielt", erklärte Singer-Songwriter Billy Joel.

Der US-amerikanische Musiker Billy Joel spielt am Donnerstag (29.06.2006) in der Color Line Arena in Hamburg auf seinem Klavier. Joel gibt sein zweites und letztes Deutschland Konzert in Frankfurt am Main am 02.07.2006. Foto: Sebastian Widmann dpa/lno +++(c) dpa - Report+++

Billy Joel

"Ich wäre gern Beethoven und die Beatles zugleich. Nicht wegen ihres Ruhms, sonder wegen ihrer Kreativität. Beethoven hält sich seit über 200 Jahren und wird es mit Leichtigkeit nochmals 200 Jahre schaffen. In Beethovens Musik spürt man den inneren Kampf mit sich selbst. Und das liebe ich an ihm, diese Menschlichkeit, die sich in seiner Musik zeigt." Billy Joels erklärtes Lieblingsstück ist das Adagio aus Beethovens Pathetique - und das Thema lieferte 1984 die Melodie für den Refrain des Liebesliedes "This Night". Ein Song, der mit Beethovens Hilfe und Billy Joels unglaublich intensivem Gesang vielleicht ebenfalls die 200-Jahr-Marke schaffen könnte, auch wenn hier eigentlich von Liebe die Rede ist; wie heißt es in der letzten Zeile: "This night can last forever".