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Kultur

Popmusik fürs Auge

Von Miles Davis bis zu den Beatles, von Nirvana bis zu Westbam: Mit rund 1000 Exponaten bietet "GOT THE LOOK" als erste Ausstellung in Europa einen umfassenden Überblick zur Graphik der Popmusik der letzten 50 Jahre.

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Die Plakate für Kid Rock, Arminski und Alice Cooper gestalteten namhafte Künstler

Seit Musik statt von CDs aus dem Computer kommt, scheint auch die Ära von Musikplakaten, Flyern oder CD-Covern zu Ende zu sein. Grund genug, um einen Blick auf die letzten 50 Jahre Popmusik auf Vinyl oder CD zurück zu blicken und auf die Kunst hinter der Musik zu schauen. Denn in den frühen Tagen des Rock 'n' Roll und Soul reichte den Fans Musik allein nicht aus. Auf Flyern, Plakaten oder CD-Covern verliehen namhafte Künstler wie Andy Warhol, Peter Blake oder Victor Moscoso der Popmusik ein Gesicht. Es entstanden Werke, die jetzt erstmal in der Ausstellung "GOT THE LOOK - Graphik der Popmusik" im Museum für Angewandte Kunst in Köln zu sehen sind.

Ausstellung Got the Look

Berühmte Künstler wie Frank Kozik verliehen der Musik ihr Gesicht.

"Plakate, Flyer, Magazine und Tonträgerverpackungen fungierten früher im Sinne Marshall LcLuhans als message medium - es sollte eine Botschaft vermittelt werden", erklärt der Kurator der Ausstellung, Uwe Husslein und beschreibt einige Graphiken: "Diese verfremdeten Gitarren hier verdeutlichen die Kraft von Rockmusik, das grinsende Gesicht aus Knetmasse gleicht der herausfordernden Musik dieser Band. Oder die Studentenrevolte dort, da geht’s politisch zu."

Die Bandbreite seiner Ausstellung reicht von der fotografischen und filmischen Cover Art des Blues, Rock 'n' Roll und Soul über die Psychedelic Art der 60er Jahre, von fotokopierten Handzettel-Collagen des Punk & Hardcore aus den 70er und 80er Jahren bis hin zu computergenerierten Flyern der elektronischen Musik aus den 90ern. Auch einige Cover des HipHop und aktuelle Plakatentwürfe der zeitgenössischen Musikkultur sind zu sehen.

Damit die Kunstwerke richtig wirken, bekommt der Besucher ein Audioguide mit Musikstücken und Konzertmitschnitten in die Hand. Um sich die "volle Dröhnung zu geben", wie Husslein meint.

Ausstellung Got the Look

Designer Planet Pixel

Die Plakate für Rock 'n' Roll-, Jazz-, Soul- und Blues-Konzerte im ersten Teil der Ausstellung sind die schlichtesten. "Der Stellenwert von Popmusik war gering, das war Musik für Teenis, nichts für intellektuelle Erwachsene", erzählt Husslein. Deshalb reichte auch das traditionelle und wenig aufwändige Letterpress-Verfahren völlig aus. Weitaus kreativer und verrückter sind die psychedelischen Plakate im zweiten und größten Bereich der Ausstellung. Sie entstanden in engem Zusammenhang mit der Hippie- und Protestbewegung der 60er Jahre und dienten ursprünglich der Konzertankündigung und Werbung. Doch das Rockplakat wandelte sich zu einem wesentlichen Kommunikationsmedium der kalifornischen Jugendbewegung, die gegen den "American Way of Life" opponierten.

Ausstellung Got the Look

Designer Frank Kozik

Die Künstler hinter den Plakaten experimentierten. "Hier wurden Maßstäbe in Sachen Graphik gesetzt", meint Husslein und verweist auf Andy Warhol und das berühmte Velvet-Undergroung-Cover. Dort verlieh Warhol der Banane auf dem Cover eine abziehbare Schale. Wes Wilson wagte neue Schritte und ergänzte seine Graphiken um Elemente des Jugendstils und auf den Posten von Victor Moscoso flimmert alles als stünde man mitten in der Disco. Das, was der Besucher bislang nur auf Konzerten erlebt hatte, sollte er nun auch auf dem Poster sehen können.


Ausstellung Got the Look

Designer Bob Fried

Die Fotokopiertechnik sei das Ausschlaggebende für die nächste Epoche gewesen, sagt Husslein, der die Zeit des Punk und Hardcore der 70er und 80er Jahre in Form einer Collage aus Flyern und Fanmagazinen dargestellt hat. Unter den Fotokopien finden sich Originale von Jamie Reid für die Sex Pistols und Raymond Pettibon für Black Flag.

Auch echte Sammlerstücke finden sich in der Ausstellung, die neben der "Pop Poster Rennaissance" noch Werke aus der Zeit des HipHop und der Technomusik zeigt. Limitierte und signierte Siebdruckposte von Frank Kozik, Mark Arminski, Derek Hess können im Bereich der "Pop Poster Rennaissance" aus den 90er Jahren bewundert werden. Es ist der letzte Teil der Ausstellung und hier kommt auch Kurator Husslein ein letztes Mal ins Schwärmen: "Das Poster wurde zum Sammlerstück, solche Werke gab es nur in einer Auflage von 250 Stück. Was meinen Sie, wie begehrt die waren?"


Die von Uwe Husslein kuratierte Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Köln, dem Dokumentationszentrum für Popkultur und dem Museum für Angewandte Kunst. Sie wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. "GOT THE LOOK - Graphik der Popmusik" läuft noch bis zum 18. September 2005.

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