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Musik

Polvorosa: Die dunkle Seite der Latin Music

Drei Männer, fünf Kulturen: Der chilenische Frontman lebt in Spanien, der algerisch-stämmige Bassist ist Franzose und der deutsche Trommler hält alles zusammen. Polvorosa ist eine multi-ethnische Fernbeziehung.

Polvorosa: Die Musiker Ginsberg, Puente und Hafsi, September 2010; (Copyright: Reinhold Grombein/Brigitte Hoffmann)

In dunklen Gefilden

Die Koordinaten Deutschland, Spanien und Frankreich muss man bei Polvorosa eigentlich erweitern um Chile, die Heimat von Daniel Puente, dem singenden und Gitarre spielenden Frontmann der Band. Und um Algerien, von dort kommen die Eltern des in Frankreich geborenen E-Bassisten Momo Hafsi. Der arbeitet seit langem mit vielen Großen der Pariser Weltmusikszene zusammen, insbesondere mit afrikanischen Musikern. Der Deutsche Kersten Ginsberg hat als Schlagzeuger diverseste musikalische Welten erkundet und aufgetan. Neben Worldmusic und HipHop war bei ihm, dessen Nebenfach heute das Musikmanagement ist, auch der Punk im Spiel.

Aller Anfang war Punk

Der Punk war auch für den Singer/Songwriter Daniel Puente von zentraler Bedeutung. 1965 in Santiago de Chile geboren, gründete er dort in den Achtzigern, also in tiefsten Militärdiktaturzeiten, eine Band, die auf den skandalösen Namen "Los Pinochet Boys" hörte und für jene Zeiten ziemlich verwegene Musik spielte. Ihr Punkrock hatte durch Keyboard und Drumcomputer etwas geradezu Avantgardistisches. Man agierte weniger als Rockband denn als eine Gruppe provokationsfreudiger Performancekünstler. Also wurden Polvorosa boykottiert und gedrängt, die Inhalte ihrer Songs zu überdenken und natürlich den Bandnamen zu ändern. Die Repressionen wurden so schlimm, dass sich sämtliche Mitglieder dieser extravaganten Boygroup aus dem Staub machten.

Polvorosa: Die Musiker Ginsberg, Puente und Hafsi, September 2010; (Copyright: Reinhold Grombein/Johannes Beck)

Das sind Polvorosa: Die Musiker Ginsberg, Puente und Hafsi

Über diverse lateinamerikanische Länder ging es für Daniel Puente schließlich nach Europa. Madrid, London und Berlin waren die Stationen, bevor Puente in den Neunzigern in Hamburg die nächste provokative Band auf den Plan rief: Niños Con Bombas. Die "Jungs mit Bomben" zelebrierten eine polyglotte Latinpunk-Ska-Jazz-Mixtur, die auf einem einzigen, 1998 erschienenen Album festgehalten ist.

Vom Punk über Elektro zu Blues und Latinrock

"Poner los pies en polvorosa", sich aus dem Staub machen. Daher stammt der Name von Daniel Puentes Band. Polvorosa spielt auch auf Puentes Liebe zu all den, wie er sagt, "staubigen" Wüstensounds an, auf nächtliche Musiken wie die von Nick Cave oder den Blues und die mexikanischen Rancheras. Dieses dunkle Gefühl sei es, was er heute mit Polvorosa suche: Eine eher inwendige Seite der Latin-Musik, bei der es nicht so sehr um klassisches Fiesta-Feeling ginge. Diese andere Seite spiegelt sich dann auch in den liebes- und lebensphilosophischen Texte der Songs wider.

Die Anfänge von Polvorosa vor ein paar Jahren klangen noch nach spleenigem Elektropop. Auch Puentes deutsche Lebensgefährtin war damals musikalisch mit von der Partie. Inzwischen wohnen die beiden samt Kindern auf dem Land unweit von Barcelona. Womöglich ist es eine Frage des Alters und des Lebensgefühls, dass die Musik von Polvorosa heute naturbelassener und gelassener anmutet.

Entspannt die Musik feiern

Polvorosa-Frontman Daniel Puente (Copyright: Reinhold Grombein)

Frontman Daniel Puente

Die drei reifen Mittvierziger haben offenbar keine Mutproben mehr zu bestehen und feiern einfach gemeinsam ihre Liebe zur Musik - entspannt und ohne kommerziellen Zugzwang. Zumindest dann, wenn sich die Terminpläne der drei koordinieren lassen, die die meiste Zeit des Jahres in drei verschiedenen Ländern zuhause sind. Insbesondere für den Bassisten Momo Hafsi ist das nicht ganz einfach. Er tourt ständig oder ist mit afrikanischen Musikern wie Mory Kanté oder Keziah Jones im Studio. Aber im März ziehen die drei Polvorosa-Jungs wieder durch deutsche Lande. Eventuell mit Verstärkung durch einen Hamburger Saxofonisten – man darf bei diesen Ex-Punks immer noch und immer wieder auf Überraschungen gefasst sein. Auch gespannt sein darf man auf ihr Abschneiden beim Creole-Wettbewerb für Weltmusik in Deutschland, an dem sie ebenfalls im März teilnehmen.

Autorin: Katrin Wilke

Redaktion: Matthias Klaus

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