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Porträts Lehrerverbände

Polskie Stowarzyszenie Nauczycieli Języka Niemieckiego (PSNJN)

In keinem nicht-deutschsprachigen Land dieser Welt lernen so viele Menschen Deutsch wie in Polen. Trotzdem kämpft der polnische Deutschlehrerverband mit sinkenden Mitgliederzahlen.

Monika Janicka ist die Präsidentin des polnischen Deutschlehrerverbands. Deutsch unterrichtet sie schon seit über 20 Jahren. Sie erinnert sich gerne an die Zeiten zurück, in dem der Verband noch mehr Mitglieder hatte und sogar riesige Rapkonzerte veranstaltete.

Deutsche Welle: Frau Janicka, die Zahl Ihrer Mitglieder im Verband ist im letzten Jahrzehnt um die Hälfte geschrumpft. Woran liegt das?

Monika Janicka: Das hat verschiedene Gründe. Zum einen bestand damals, das war so vor zehn Jahren, ein großer Wissensdurst. Dank der Mitgliedschaft kam man besser an Informationen und konnte eher an Fortbildungen teilnehmen. Heute höre ich oft von den Lehrern, dass die Mitgliedschaft ihnen nicht so viel bringe, weil sie ohnehin an die Informationen kommen. Viele Institutionen bieten eigene Mailinglisten an. Da wollen die Lehrer nicht auch noch einen Mitgliedsbeitrag zahlen.

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Hören Sie rein: Monika Janicka erzählt von den schönsten Momenten als Deutschlehrerin

Der andere Grund ist, dass es in Polen weniger Arbeit für die Deutschlehrer gibt. Ich höre immer wieder, dass eine Lehrerin nicht mehr eine volle Stelle an einer Schule hat, sondern an drei Schulen in der Gegend lehren muss, um auf eine volle Stelle zu kommen. Das heißt, die Leute sind überfordert und haben nicht mehr die Kraft, auch noch im Verband aktiv zu werden.

Was entgegnen Sie den Lehrern, die meinen, eine Mitgliedschaft im Verband lohne sich nicht mehr?

Ich sage ihnen, dass ihr Bild im Großen und Ganzen nicht stimmt. Es ist natürlich richtig, dass sie auch ohne die Mitgliedschaft viele Informationen erhalten. Aber als positives Beispiel erzähle ich ihnen auch immer von mir, wie viele Kontakte ich dank des Verbands geknüpft habe. Seitdem ich im Hauptvorstand bin, kann ich auch an Delegiertenseminaren teilnehmen und viel reisen. Man ist wirklich verlinkt mit der Welt. Außerdem bietet der Verband eine einzigartige Atmosphäre und eine wunderbare Plattform, auf der man einfach mal seine Frustrationen loswerden kann. Hier kommen die Leute hin und stellen fest: Ach, den anderen geht es vielleicht auch nicht so toll, aber es gibt Wege und Möglichkeiten, etwas dagegen zu tun. Und manchmal erhält man durch die Kontakte, die man hier knüpft, sogar Arbeitsangebote.

Das hört sich also nicht so an, als könnten Sie sich zurücklehnen – trotz der vielen Deutschlerner und Deutschlehrer in Polen.

Vorstand des polnischen Deutschlehrerverbands (Foto: PDLV)

Der Vorstand des polnischen Deutschlehrerverbands

Leider nein. In Polen lernen zwar noch viele Leute an den Schulen Deutsch, das stimmt. Aber es liegt auch daran, dass wir sehr, sehr viele Deutschlehrer haben, eigentlich mehr, als wir brauchen. Da wir aber einen starken Geburtenrückgang haben, gibt es auch immer weniger Schüler, die man unterrichten kann. Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen am liebsten Englisch lernen wollen, und auch Spanisch ist in Mode.

Gibt es denn Hoffnung, dass sich die Situation für die Deutschlehrer bald bessert?

Ja, wir haben an manchen Schulen, an denen die Schüler bei den Sprachen die Wahlfreiheit hatten, etwas sehr Interessantes festgestellt. Zuerst stürzten sich alle auf Spanisch. Doch schnell stellte sich heraus, dass die Schüler trotz des Unterrichts so gut wie kein Wort Spanisch sprachen. Und viele Eltern sagten: Mit dem Deutschunterricht war das irgendwie besser. Aus diesem Grund gibt es schon Tendenzen, dass nach ein paar Jahren Spanischboom die Eltern wieder Deutsch fordern, weil die Lehrer einfach besser waren.

Woran liegt dieser Unterschied im Unterricht der beiden Sprachen Ihrer Meinung nach?

Deutschland und auch das Goethe-Institut investieren sehr viel Geld für die Deutschlehrerfortbildung. Ich kenne wirklich keine andere Fremdsprachenlehrergruppe, die so viel an verschiedenen Fortbildungsmaßnahmen teilnehmen würde – und die dann qualitativ auch noch so gut sind. Es gibt natürlich immer Ausnahmen. Aber ich kenne sehr, sehr viele Englischlehrer, die sich wundern, dass das Angebot für die Deutschlehrer immer so gut ist.

Benutzen Sie auch Angebote von der DW?

Ich persönlich habe sie bisher nur selten genutzt. Beim Treffen des IDV habe ich allerdings an einem Seminar der Sprachkurse teilgenommen, in dem das Angebot vorgestellt wurde. Ich habe gar nicht gewusst, dass es so reichhaltig ist. Zukünftig will ich das Material stärker als zuvor einsetzen.


Die wichtigsten Infos in Kürze:
Der polnische Deutschlehrerverband (PSNJN) hat aktuell rund 600 Mitglieder. Er wurde im Jahr 1993 gegründet. Der Verband ist in mehrere Sektionen unterteilt, die in ganz Polen tätig sind. Jedes Jahr übernimmt eine Sektion die Organisation der Jahrestagung.

Vorstandsgremium:
• Monika Janicka (Präsidentin)
• Agnieszka Świca (Vize-Präsidentin)
• Violetta Winiarczyk (Schriftleiterin)
• Małgorzata Nowak (Schatzmeisterin)
• Małgorzata Bubik (Deutschwettbewerbe)
• Piotr Rochowski (Zeitschrift „Hallo Deutschlehrer”)
• Marta Brodzik (Webmaster und Social Media)
• Kama Frackowska-Pilarska (Projekte und Werbung)

IDV-Kontaktperson:
Monika Janicka, janicka[at]psnjn.org

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