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Deutschland

Polonium-Entwarnung in Hamburg

Im Hamburger Umfeld des ehemaligen russischen Agenten Dmitri Kowtun wurde Polonium 210 gefunden. Vier Menschen, die mit ihm in Kontakt gekommen waren, sind aber offenbar doch nicht verstrahlt worden.

Urinproben, die auf Polonium untersucht werden (Foto: AP)

Plutonium lässt sich im Urin nachweisen

Dmitri Kowtun, Foto: dpa

Der Kontaktmann Dmitri Kowtun

In der Giftmordaffäre um den ehemaligen russischen Spion Alexander Litwinenko sind die Ex-Frau, ihr Lebensgefährte sowie zwei Kinder von Litwinenkos Kontaktmanns Dmitri Kowtun offenbar doch nicht verstrahlt, sondern lediglich zur Vorsorge in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Fachbereichsleiter des Bundesamts für Strahlenschutz, Gerald Kirchner, sagte im Bayerischen Rundfunk: "Nach dem bisherigen Stand unserer Ermittlungen können wir jede Gefahr für die betroffenen vier Personen definitiv ausschließen." Der russische Geschäftsmann Kowtun ist auf noch ungeklärte Weise in den Mord verstrickt. Er hatte unter anderem in der Wohnung seiner Ex-Frau in Hamburg übernachtet, bevor er am 1. November zu einem Treffen mit Litwinenko nach London flog.

Die Polizei entdeckte unter anderem auf einem Sofa in der Wohnung in Hamburg-Ottensen Spuren von Polonium 210. Die Ermittler gehen davon aus, dass Kowtun das Gift bei seiner Ankunft in Hamburg am 28. Oktober mit einem Flug aus Moskau im Körper hatte. Die Substanz ist außerhalb des Körpers relativ ungefährlich, aber hochgiftig, wenn sie über die Atmung, Nahrung oder eine Wunde aufgenommen wird.

Absichtliche Polonium-Spur?

Strahlenexperte Sebastian Pflugbeil

Strahlenexperte Sebastian Pflugbeil

Der Strahlenexperte Sebastian Pflugbeil schließt nicht aus, dass der oder die Täter das Polonium bewusst verstreut haben. "Wenn man Polonium in einer gut verschlossenen Flasche hat, kann man es sauber transportieren und muss nicht eine solche Dreckspur hinterlassen", sagte der Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz im Gespräch mit "Tagesschau.de". "Entweder handelt es sich bei den Tätern um Dilettanten oder - und das würde ich auch für möglich halten - die Spur ist absichtlich gelegt worden, um den Verdacht in eine bestimmte Richtung zu lenken", erklärte Pflugbeil. Es gebe wesentlich unauffälligere Methoden jemanden umzubringen. Mordanschläge auf abtrünnige Geheimdienstleute gebe es in aller Welt, hier sei jedoch geradezu eine Autobahn nach Moskau ausgewalzt worden.

Der Schlüsselzeuge in der Affäre, Andrej Lugowoi, wurde am Montag in Moskau von britischen und russischen Ermittlern befragt. Lugowoi hatte am 1. November das Treffen in London organisiert, bei dem Litwinenko mutmaßlich mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftet wurde. Drei Wochen später war er tot. Lugowoi und Kowtun, der dritte Mann bei dem Treffen, sind nach russischen Medienberichten selber verstrahlt und liegen in einer Moskauer Klinik.

Interpol beteiligt sich

Polizisten sperren eine Straße in Hamburg ab, Foto: AP

Polizisten ermitteln im Fall Kowtun in Hamburg

Unterdessen wartet die Hamburger Sonderkommission "Dritter Mann" weiter auf Kontakte zu russischen Behörden, die sich bislang nicht zu Fragen nach dem Aufenthaltsort und dem Gesundheitszustand Kowtuns geäußert haben. Allerdings erhielten die Ermittler am Montag (11.12.06) Unterstützung durch einen Beamten von Scotland Yard.

Auch die internationale Polizeibehörde Interpol schaltete sich in die Ermittlungen ein, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax am Dienstag berichtete. Der Fall Litwinenko hat sich bislang auf drei Länder - England, Russland und Deutschland - ausgeweitet.

Kurz vor seinem Tod am 23. November hatte Litwinenko die Moskauer Regierung beschuldigt, den Giftanschlag auf ihn befohlen zu haben. Kremlsprecher Dmitri Peskov wies diese Vorwürfe erneut zurück. Außerdem sagte er der BBC am Montag, Russland wäre das letzte Land der Welt, dass am Tod von Litwinenko ein Interesse haben sollte. "Unser Image ist durch diesen Fall gefährdet und wir werden von jedem ungerechtfertigt beschuldigt", sagte Peskov. (els)

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