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Kultur

Polo auf ganz hohem Niveau

Elefanten haben einen langweiligen Job. Deshalb brauchen sie Ablenkung: als Reittier beim Polo. Das wirkt, als würde man mit Kleinlastern Ball spielen. Aber es ist eine echte Sportart!

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Mit riesigen Elefanten auf der Jagd nach kleinem Ball

Im Prinzip funktioniert Elefanten-Polo nicht viel anders als die Version mit Pferden: Menschen reiten auf Tieren, haben einen langen Schläger und müssen einen Ball ins Tor jagen. Deshalb kommt auch Oliver Winter, der Mit-Erfinder der Ele-Polo-WM, eigentlich auch vom Pferd. Sein Bruder Thomas hat ein Gestüt in Hamburg. Elefanten-Polo ist zwar schon an die 100 Jahre alt - doch die Meisterschaft ist neu.

Anti-Langeweile-Programm für Elefanten

"Ich habe mal ein paar Jahre in Thailand gelebt", erzählt Oliver Winter gegenüber DW-WORLD. "Den Elefanten da geht es nicht so gut" - die großen Grauen seien entweder arbeitslos oder trügen gelangweilt Touristen herum. "Da haben wir gedacht, die müssen wir beschäftigen."

"Das ist einne gute Sache für Elefanten", sagt Winter. "Die haben einen unglaublichen Spieltrieb." Deshalb gingen anfangs die Gummibälle reihenweise in Fetzen: Die Elefanten hatten diebische Freude daran, sie platzen zu lassen. "Jetzt spielen wir mit echten Polo-Bällen. Die sind aus Plastik, etwas größer als ein Hockeyball." Und elefantenresistent.

Spieler denkt, Dolmetscher lenkt

Beim E-Polo sind drei Spieler in einem Team. Allerdings verstehen die Elefanten nur Thai. "Deshalb hat jeder noch einen Chauffeur mit, der das Tier steuert", sagt Winter. Diese Männer heißen "Mahouts" - denen muss der Spieler klar machen, wohin er will.

Außerdem gelte für die Poloisten Gurtpflicht. "Elefanten sehen zwar träge aus. Aber die rennen 30 bis 40 Stundenkilometer. Und wenn man bedenkt, dass die innerhalb von Zehntelsekunden stehenbleiben können..." Dass Winter Pferde-Polo spielt, kommt ihm zupass. "Aber es ist trotzdem eine Riesenumstellung."

Einheits-Tiere und Dung-Entferner

Deutsches Team gewinnt Elefanten-Polo

Das deutsche Weltmeister-Team: Kapitän Oliver Winter (Mitte) und seine Mitstreiter Hugo Goetz (links) und Dirk Goetz (rechts). Sie besiegten das indische Team mit 5:3.

Natürlich wird auch auf Fairness geachtet. Die Thailänder stellen indische Elefanten für alle. Und in der Halbzeit (also nach zehn Minuten) tauschen die Teams dann ihre grauen Fünftonner.

Den tollsten Job haben aber (zumindest dem Namen nach) die "Super Pooper Scooper": Sie müssen die Hinterlassenschaften der Elefanten aufsammeln und bei Bedarf den Ball daraus retten.

Hummer ersetzt Elefant

Ein gewichtiges Problem ist das Training. Nach Aktionen mit diversen Tierparks hält sich das deutsche Nationalteam ein zickenfreies Übungsgerät: einen (fast Elefanten-schweren) "Hummer"-Geländewagen. "Wir haben den Jeep umgebaut mit einem Hochsitz drauf", sagt der Polo-Protagonist. "Einer fährt, einer sitzt oben und schlägt und einer legt den Ball immer wieder hin."

Zum ersten sogenannten "King´s Cup" im Elefanten-Polo trat Oliver Winter 2000 mit seinen Brüdern Christopher und Thomas an. Mittlerweile nimmt er stattdessen zwei Freunde mit, Dirk und Hugo Goetz. "Inzwischen machen 16 Mannschaften mit", sagt Winter: aus Indien, Australien, Neuseeland und den USA, unter anderem. Das deutsche Team gewann 2002 und 2003. Eine Zeitung in Thailand erklärte Winter zum "Franz Beckenbauer of elephant polo".

Sponsoren-Aufkleber nicht erlaubt

Elefanten-Polo klinge nur nach Spaß, sei aber "hochprofessionell". Die Mahouts würden ihre Tiere bemalen, und die Mannschaften hätten sogar Sponsoren wie Mercedes Benz Thailand oder Nokia. Allerdings stehe das nur auf den Hemden der Spieler. Elefanten wären zwar eine nicht zu toppende Werbefläche, "aber die sind im Buddhismus heilig".

Was zählt, ist nicht so sehr der Mensch, darauf legt Winter Wert: "Jede Mannschaft zahlt einen Beitrag, der kommt den Elefanten zugute." Denn von einst 150.000 seien in Thailand nur noch 2500 graue Dickhäuter übrig. Auch im Spiel gilt: "Die Gesundheit des Tieres hat Priorität."

Mehr Jumbo-Teams für Deutschland

Winter fände es klasse, wenn Elefanten-Polo in Deutschland mehr Fans hätte. Bis jetzt reist sein Team im Dezember aber als einziges deutsches zur WM 2004 - und dafür wünscht er sich schon mal "Jumbo-Dumbo-Glück".