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Ostmitteleuropa

Polnische Vertriebene wollen um litauische Entschädigung klagen

Präsident Adamkus: Litauens Regierung ist nicht Rechtsnachfolger

Warschau, 9.8.2004, ZYCIE WARSZAWY, poln.

Aleksander Kwasniewski hat Gespräche mit dem Präsidenten Litauens über die Forderungen von aus ihren Häusern im Gebiet Vilnius vertriebenen Polen angekündigt. Valdas Adamkus erklärte jedoch, die litauische Regierung sei keine Partei in diesem Streit.

Wir hatten in der vergangenen Woche berichtet, dass Vertreter von 300 aus litauischen Dörfern ausgesiedelten polnischen Familien von der Regierung in Vilnius eine Entschädigung verlangen wollen. Im Jahre 1942 hatten litauische Familien den Platz der vertriebenen Polen eingenommen. Die gesamte Aktion war auf Anordnung der deutschen Besatzer, aber mit Hilfe von Vertretern der litauischen Regierung durchgeführt worden.

Gestern kam Litauens Präsident Valdas Adamkus in Gdansk [Danzig] mit Aleksander Kwasniewski zusammen. Um die Ausgesiedelten ging es dabei jedoch nicht. "Wir werden mit Sicherheit noch Gelegenheit dazu haben, darüber in sehr umfassendem, sowohl historischem als auch europäischem Kontext zu reden", erklärte unser Präsident. Er erinnerte daran, dass in letzter Zeit viele solche Diskussionen stattfinden, unter anderem über die deutschen Vertreibungen und Forderungen an Polen.

"Wir haben unsere Vertriebenen - sei es aus Litauen oder aus den ehemaligen Gebieten der Sowjetunion. Wir haben das Problem mit verstaatlichtem Eigentum nach 1939. Wir haben das Problem des jüdischen Eigentums. Wir können keine europäische Zukunft bauen, indem wir auf diese Weise zu allen Forderungen zurückkehren, die auf das Drama des Zweiten Weltkrieges zurückzuführen sind", warnte Kwasniewski. "Auf keinen Fall darf daraus das Thema Nummer eins in den polnisch-litauischen Beziehungen gemacht werden", fügte er hinzu.

Valdas Adamkus gab zu verstehen, dass die derzeitige Regierung sich für die Ereignisse aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs nicht verantwortlich fühlt.

"Im Jahre 1942 gab es in Litauen keine litauische Regierung, es gab ein von den Nazis auferlegtes System", so der Präsident. Er wolle aber eine schnellstmögliche Lösung der Frage der polnischen Minderheit in Litauen. "Beginnend mit der Schreibweise polnischer Namen bis zu anderen Kleinigkeiten, die aber unsere guten Beziehungen dunkler aussehen lassen", so Kwasniewski.

Adamkus sagte auf die Frage, wann über die Rückgabe von Grund und Boden an die in Litauen lebenden Polen entschieden werde, das werde niemals formal auf höchster Ebene geschehen. "Das ist ein rein juristisches Problem, das sowohl auf polnischer als auch auf litauischer Seite erörtert werden muss", betonte er. Die Polen stellen die größte nationale Minderheit in Litauen dar. (TS)

  • Datum 09.08.2004
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