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Kultur

Polnische Uni-Absolventen müssen flüchten

Brain-Drain von junge Akademikern aus Polen: Sie müssen mangels Jobs im eigenen Land ins Ausland gehen und dort irgendwie Geld verdienen.

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Keine Urlaubskoffer ...

Seit Polen EU-Mitglied geworden ist, wandern immer mehr junge Akademiker in den Westen ab. Zum einen treibt die desolate Lage auf dem polnischen Arbeitsmarkt sie dazu, zum anderen sind die Löhne im Westen besser. Allerdings erwarten die Hochschulabsolventen im Westen keine Traumkarrieren und das wissen sie auch. Sie werden oft in der Landwirtschaft, bei der Altenpflege oder in der Gastronomie beschäftigt.

Piotrek Herka ist 26, vor einem Jahr hat er sein Studium der Politikwissenschaft in Polen abgeschlossen. Dann suchte er drei Monate in Polen eine Arbeit, ohne Erfolg. In Großbritannien hatte er endlich Glück und fand einen Job, allerdings als Küchenhelfer. Frustrierend stellt sich für Piotrek Herka die Lage auf dem polnischen Arbeitsmarkt dar: "Wenn man die Zeitung aufmacht, steht nur überall: Es werden Leute mit Erfahrung gesucht. Und man ist mit dem Studium fertig, man hat doch noch keine Erfahrung und damit keine Chance eine Stelle zu bekommen." Aus diesem Teufelskreis musste Piotrek raus und ging deshalb nach London. "Wovon soll ich denn in Polen leben und ich muss noch dazu meinen Studienkredit zurückzahlen - ich habe keine andere Wahl," begründet er seine Entscheidung.

Perspektive: 40 Prozent Arbeitslosigkeit

Keine andere Wahl haben ebenfalls viele seiner Studienkollegen. Ein Drittel von ihnen arbeitet bereits im Ausland, sagt Piotrek mit den Schultern zuckend. Die Chance eine Arbeit in Polen zu finden ist fast Null. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 18 Prozent und unter den jungen Polen gar bei fast 40 Prozent.

Die 25-jährige Monika Malmon will sich in Polen gar nicht erst bewerben. Sie wird in zwei Monaten mit ihrem Studium fertig, dann geht sie nach Deutschland, wo die studierte Sozialpädagogin ein älteres Ehepaar pflegen wird: "In Polen habe ich sowieso keine Perspektiven eine Arbeit zu finden. Außerdem verdient man im Westen mehr." Zunächst will sie für drei Monate nach Deutschland. Wenn es ihr gefällt, bleibt sie länger. Eine Freundin in Frankreich bei der Altenpflege, eine andere in Spanien - viele Leute aus ihrem Studium seien gleich nach dem Studienabschluss ins Ausland gegangen.

Schönreden geht auch

Es ist der Regierung in Warschau durchaus bewusst, dass viele Hochschulabsolventen in Westeuropa arbeiten. Ewa Flaszynska vom polnischen Ministerium für Wirtschaft und Arbeit sieht jedoch die zunehmende Abwanderungswelle der hoch qualifizierten Arbeitskräfte nicht als Problem, sondern als eine positive Entwicklung für Polen: "Die jungen Leute fahren nur ins Ausland, um dort Geld zu verdienen, sie wollen nicht für immer dort bleiben. Ich denke Polen droht weder ein Brain-Drain-Effekt noch eine massive Arbeitsauswanderung der jungen Leute. Im Gegenteil: Im Ausland können sie viele Erfahrungen sammeln und lernen Fremdsprachen."

Junger Patriotismus

Symbolbild Mehrwertsteuer Rechnung und Geld

Geld für's tägliche Überleben

Piotrek Herka - der junge Hochschulabsolvent - bezeichnet die Situation dagegen als brisant. Schließlich würde Polen das Geld für die Ausbildung der jungen Leute investieren, um sie dann ins Ausland auswandern zu lassen. "Es ist traurig, dass so viele Leute ins Ausland gehen. Diese hochqualifizierten jungen Leute treiben ein anderes westliches Land voran, anstatt unser eigenes."

Bücher in einem Antiquariat

Umsonst gelernt?

Piotrek wird in zwei Wochen wieder zur Arbeit nach England fahren. Der Politikwissenschaftler zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass es in einigen Jahren besser wird. Er hofft dann eine qualifizierte Stelle in Polen zu finden. Seinen Job als Küchenhelfer in England will er dann gerne aufgeben.

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