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Kultur

Polizisten rappen gegen Gewalt

Gewalt unter Jugendlichen nimmt in Randbezirken der deutschen Metropolen zu. Die Polizei kommt meist zu spät. Daher wollen einige Kölner Polizisten mit ungewöhnlichen Mitteln Gewalt vorbeugen.

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Hauptsache die Mission stimmt

"Wenige sagen das kenn ich schon

Polizisten auf der Bühne und ein MC am Mikrofon

hei, und du hast was zu sagen

komm nach der Show zu uns

dann kannst Du alles fragen ..."

Die Polizisten auf der Bühne bewegen sich fast im Takt, werfen gleichzeitig die Arme hoch, heben die Beine und schwingen die Hüften – natürlich alle in Uniform. Ihre Botschaft: Kommt zu uns und redet mit uns! Sie nennen sich P.I. 4, eine Abkürzung für Polizeiinspektion Vier in Köln.

Anfängliche Skepsis überwinden

Im Kölner Arbeiterbezirk Ehrenfeld haben es die tanzenden Polizisten zunächst nicht leicht bei den kritischen Zuschauern. Aus dem Publikum kommen Kommentare wie "Die sollten lieber andere Dinge wahrnehmen…" Die rappenden Polizisten kontern auf ihre Weise, nämlich singend: "Ich bitt euch, Hip-Hop hat ne Aufgabe ..."

Diese Aufgabe heißt: Brücken bauen und Vertrauen schaffen. Das Motto: Ins Gespräch kommen. Hinsehen, handeln, Hilfe holen. Damit die Botschaft überzeugender ankommt, leiht der Hip-Hopper Mr. Man q.x. den tanzenden Polizisten seine Stimme. Er meint: "Früher hat man einen Polizeiwagen, einen Polizisten gesehen und erst mal direkt Skepsis gehabt und gedacht, was wollen die von mir, hab ich was getan? Mittlerweile hab ich einfach gemerkt, man kann mit den Leuten ganz normal reden, man kann über alles sprechen."

Üben? Nicht im Dienst!

Wenn der Rapper singt, dann tanzen die Polizisten im Hintergrund. Die Choreografie ist nicht perfekt. Doch darum geht es auch gar nicht. In Kontakt kommen ist wichtig. Geübt wird kaum, und wenn, dann außerhalb der Dienstzeiten, so Bandmitglied und Polizistin Andrea Löhr. "Es gibt einen großen Besprechungsraum im Präsidium und da treffen wir uns. Da gibt es eine Lautsprecheranlage, wo wir die Musik reinschmeißen und dann probieren wir halt aus. Wir haben auch schon mal professionelle Hilfe gehabt, eine Choreografin, die uns geholfen hat."

Contra aus den eigenen Reihen

Polizisten in Köln

Kollegen mit Skepsis

Die fünfzehnminütigen Live-Auftritte in Jugendheimen, bei Fußballspielen, Demonstrationen und Konzerten kommen teilweise gut an in der Jugend-Szene. Dagegen sind einige Kollegen skeptisch. Von denen kommen schon mal Kommentare wie: "Wir müssen arbeiten, und ihr macht hier Show und Musik", erzählt der Band-Gründer Michael Mannheim, Chef der Polizeiwache im Kölner Flughafen.

Mittlerweile stehen aber auch der Polizeipräsident und der Innenminister des Bundeslandes hinter der ungewöhnlichen Band. Und so singen sie regelmäßig ihre vier Songs. Zum Beispiel darüber, Leute neu zusammenzuführen, die sich sonst gegenüber stehen.

Die Mission zählt

Eine erste CD haben die rappenden Polizisten schon produziert und restlos ausverkauft. Es gibt unter den jungen Leuten eine richtige Fangemeinde. Festgelegt auf einen bestimmten Stil haben sich die Polizisten aber nicht, meint Michael Mannheim "Wir sind überhaupt nicht auf Hip-Hop festgeschrieben. Wir haben halt mit unserem Rapper bislang gut zusammen gearbeitet und wenn ich morgen einen anderen Interpreten habe mit einer aktuellen Musik ob Soul, Rock, Pop, dann machen wir das. Es muss nur deutsch sein, und die Botschaft muss stimmen."

Und so singen sie weiter von Liebe, Leben und Hoffnung. Verteilen weiterhin nach den Auftritten Handzettel und diskutieren neben der Bühne mit jungen Menschen. Allein, dass man sie anders wahrnimmt, ist ihnen wichtig, auch wenn die Meinungen über ihre Mission geteilt bleiben.

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