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Zuwanderung

Polizeistatistik: Wie kriminell sind Zuwanderer?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt, dass Menschen mit bestimmten Aufenthaltstiteln häufiger unter Tatverdacht stehen als andere. Das lässt keine Aussage über Individuen zu, zumal die Zahlen schwer einzuordnen sind.

Dem statistischen Zusammenhang von Kriminalität und Zuwanderung haben die Autoren der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2016 ein ganzes Kapitel gewidmet. Das am Montag vorgestellte Ergebnis: Die Zahl tatverdächtiger Zuwanderer ist im Vergleich zu 2015 um 52,7 Prozent gestiegen - von 114.000 auf 174.438. Gemeint sind damit laut Definition des Bundeskriminalamts ausschließlich Menschen, die in Deutschland mit dem Aufenthaltsstatus "Asylbewerber", "Duldung", "Kontingent- oder Bürgerkriegsflüchtling" oder "unerlaubter Aufenthalt" registriert sind.

Damit ist diese Gruppe nach Berechnung der "Welt am Sonntag" (Wams) überrepräsentiert: Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung liege derzeit bei "höchstens zwei Prozent der Gesamtbevölkerung", schreibt die Wams. Ihr Anteil an den Tatverdächtigen liegt jedoch mehr als viermal so hoch, nämlich bei 8,6 Prozent.

Auch im Vergleich zu Ausländern mit anderen Aufenthaltstiteln steht die Gruppe schlecht da: 2016 standen in Deutschland 616.230 ausländische Menschen unter Tatverdacht - 25 Prozent davon aus der fraglichen Gruppe. Laut Wams ist dies ein "überdurchschnittlich großer Anteil".

Konzentration auf bestimmte Länder und bestimmte Straftaten

Bundesinnenminister Thomas de Maizière sprach bei der Vorstellung von einer unerfreulichen Entwicklung, an der "nichts zu beschönigen sei". Der CDU-Politiker kündigte ein hartes Vorgehen gegen die steigende Zuwanderer-Kriminalität an. Die Zahlen bestätigten die Regierung in ihrem Kurs, nach der Schutzbedürftigkeit des Einzelnen zu differenzieren. "Wer keines Schutzes bedarf, hat auch kein Recht darauf, in unserem Land zu bleiben", so der Bundesinnenminister bei der Präsentation in Berlin.

De Maizière betonte, dass sich die Zahl der Straftäter auf ganz bestimmte Länder konzentriere. "Die wirklich Schutzbedürftigen" - wie etwa Syrer - seien unter den Straffälligen unterrepräsentiert. Laut dem Bericht der Wams machte BKA-Präsident Holger Münch vor allem Zuwanderer vom Balkan und aus Nordafrika Sorgen. So fielen Algerier, Marokkaner und Tunesier - gemessen an ihrer Gesamtzahl - besonders durch Straftaten auf.

Thomas de Maizière Bundesinnenminister (Getty Images/S. Loos)

Bundesinnenminister de Maizière (CDU) spricht von einer generellen "Verrohung der Gesellschaft".

Ihre Daten bekommen die Statistiker der PKS von den 16 Landeskriminalämtern. Demnach seien Zuwanderer bei einigen Delikten besonders auffällig: So stellten sie 35,1 Prozent aller Tatverdächtigen bei Taschendiebstählen. Bei Ladendiebstählen waren es 16,8 Prozent. Bei gefährlicher und schwerer Körperverletzung sowie bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung jeweils 14,9 Prozent. Nicht berücksichtigt wurden Verstöße gegen das Ausländerrecht.

Junge Männer unter 30 stellen größte Risikogruppe dar

Dass die Kriminalität von Zuwanderern statistisch zugenommen hat, verwundert viele Experten nicht. Irene Mihalic, ehemalige Polizistin und heutige Sprecherin für Innenpolitik der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, sagte in der ARD Tagesschau, dass dies auch an der überproportionalen Anzahl junger Männer unter 30 Jahren liege. Dies sei - unabhängig von Herkunft oder Nationalität - die Gruppe, die besonders stark durch Kriminalität auffalle.

Auch der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg sagt, manche der jungen Zuwanderer hätten aufgrund ihrer Alters- und Sozialstruktur "ein Bündel von Risikofaktoren". Darunter rechnet Egg eine schlechte Integration, eine geringe berufliche Perspektive und eine fragliche Bleibeperspektive. Viele Taten beträfen zudem Migranten untereinander. Eine Rolle dabei dürften die beengten Wohnverhältnisse spielen, die in den Flüchtlingsunterkünften vorherrschten.

Verstöße konsequenter bestrafen

Dominic Kudlacek vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen deutet die Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik ähnlich: Zuwanderer seien häufiger Belastungsfaktoren ausgesetzt und neigten dadurch eher zur Kriminalität. Dazu zählten mangelnde Sprachkenntnisse und Bildung sowie wenig Geld. Viele der jungen Männer seien zudem oft allein eingereist, und es fehle an sozialer Kontrolle. Verstöße müssten konsequenter bestraft werden, sagt Kudlacek: "Es ist klar, dass ein Jugendlicher sich nicht an die Regeln hält, wenn er mitbekommt, dass ein anderer beispielsweise mit 15 Identitäten das 15-Fache an Geld nach Hause schicken kann."

Mit rund 6,37 Millionen Fällen ist die Gesamtzahl der Straftaten im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben. Einen größeren Anstieg gab es bei Gewalttaten. De Maizière beklagte eine generelle Verrohung. Bei der Lösung seien alle Teile der Gesellschaft gefragt.