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Politik

Polizeichef übernimmt Führung in Mauretanien

Nach dem Putsch hat Mauretanien eine neue Staatsführung: Der bisherige Polizeichef Ely Ould Mohammed Vall wird einen Militärrat leiten - der wiederum soll demokratische Wahlen vorbereiten. Zwei Jahre hat er dafür Zeit.

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Neue Chance für das verarmte Land?

In einer Erklärung haben die Putschisten verkündet, Ely Ould Mohammed Vall werde neuer Staatschef. Der Oberst ist äußerst wortkarg und agierte bisher ruhig. Seit 1987 führte der 55-Jährige die mauretanische Polizei und galt als enger Vertrauter des am Mittwoch (3.8.2005) gestürzten Maouia Ould Taya.

Übergangsrat soll Wahlen organisieren

Die Offiziere erklärten, Ely Ould Mohammed Vall werde einen "Militärischen Rat für Gerechtigkeit und Demokratie" anführen, der bis 2007 das Land in Nordwesten Afrikas regieren wolle. Mit einer Ausnahme haben alle Ratsmitglieder den Rang eines Oberst und damit den höchsten der mauretanischen Streitkräfte. Der Rat werde "offene und transparente" demokratische Institutionen schaffen, heißt es in der Erklärung. Der französische Auslandssender Radio France Internationale berichtete, die Ratsmitglieder würden freie Wahlen vorbereiten.

Die Offiziere der Präsidentengarde, von denen der Putsch ausging, sehen sich als Befreier: "Die Streitkräfte und Sicherheitskräfte haben einstimmig beschlossen, den totalitären Praktiken des abgesetzten Regimes ein Ende zu bereiten, unter dem unser Volk in den vergangenen Jahren stark gelitten hat", schreiben sie.

Militär besetzt mauretanische Hauptstadt

In Abwesenheit gestürzt: Maouia Ould Taya

Ausland verurteilt Umsturz

Im Ausland stieß der Putsch auf breite Ablehnung. "Wir schließen uns der Afrikanischen Union an und rufen zu einer friedlichen Rückkehr zur Ordnung im Sinne der Verfassung auf", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tom Casey, in Washington. Mauretanien war unter Ould Taya ein enger Verbündeter der USA gewesen. Teile der mauretanischen Streitkräfte sind in den vergangenen Monaten von US-Ausbildern geschult worden. Zuletzt im Juni hatten die USA Spezialkräfte nach Mauretanien entsandt, um die dortigen Soldaten im Anti-Terror-Kampf zu trainieren.

In einer Erklärung aus New York hieß es, UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteile "jeden Versuch, die Regierung jedweden Landes unter Verstoß der Verfassung zu ändern". Auch die Europäische Union verlangte, die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen.

In Mauretanien blieb die Lage Augenzeugen zufolge ruhig. Hunderte von Anhängern der Opposition feierten den Sturz von Ould Taya mit einer spontanen Kundgebung. Die Banken und Geschäfte waren wieder geöffnet. Die neuen Machthaber verhängten keine Ausgangssperre und ließen auch keine Mitglieder der Ould-Taya-Regierung festnehmen. Allerdings patrouillierten weiterhin Militärs in den Straßen.

Ex-Herrscher Ould Taya im Exil

Der bisherige Militärherrscher Ould Taya, der selbst durch einen Putsch an die Macht kam, befand sich während des Putsches in Saudi-Arabien. Am Mittwoch traf er im Exil in Niger ein. Andere Mitglieder der bisherigen Regierung und mehrere Offiziere sollen in Mauretaniens Hauptstadt Nouakchott verhaftet worden sein. Über ihr weiteres Schicksal ist noch nichts bekannt.

Taya hatte den Wüstenstaat mit etwa drei Millionen Einwohnern seit 1984 regiert. Seine engen Verbindungen zu den USA und Israel waren im eigenen Land umstritten. Nach eigenem Bekunden hatte Ould Taya in der Vergangenheit bereits mehrere Putschversuche vereitelt. (reh)

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