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Amerika

Polizei verhaftet mutmaßliche russische Spione

US-Ermittler haben nach eigenen Angaben ein Netz mutmaßlicher Agenten ausgehoben, die für Russland spioniert haben sollen. Ein Verdächtiger sei noch auf der Flucht.

Gelbe Absperrbänder und Menschen (Foto: ap)

Polizisten vom FBI sperrten das Haus eines Verdächtigten ab

Insgesamt seien zehn Verdächtige in verschiedenen Städten im Nordosten der USA festgenommen worden, teilte das US-Justizministerium mit. Am Dienstag (29.06.2010) wurde zudem auf Zypern nach Angaben örtlicher Behörden ein elfter Spionageverdächtiger verhaftet. Der 54-jährige kanadische Staatsbürger sei nach Hinterlegung einer Kaution wieder auf freien Fuß gekommen. Er musste aber seinen Pass abgeben.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Festgenommenen vor, für den russischen Geheimdienst tätig zu sein. Die russische Regierung ist von den Anschuldigungen nicht gerade entzückt. Außenminister Sergej Lawrow erwartet Erklärungen. "Die Sache wurde uns nicht erklärt, ich hoffe, sie erklären sie uns", polterte er in Richtung Washington. Am Rande seines Besuchs in Israel fügte er ironisch hinzu, der Zeitpunkt der Veröffentlichung sei "besonders anmutig" gewählt.

Denn erst am Wochenende hatten Präsident Dmitri Medwedew und US-Präsident Barack Obama, anlässlich der Unterzeichnung mehrerer Wirtschaftsverträge, die Annäherung der beiden Länder nach dem Kalten Krieg hervorgehoben.

Langfristige Spionage

Nach Erkenntnissen der amerikanischen Justiz war es die Aufgabe der Beschuldigten, sich langfristig eine amerikanische Identität zuzulegen, um für Russland an Informationen über die USA heranzukommen. Die elf Verdächtigen sollten nach Angaben des FBI unter anderem Informationen über die US-Politik gegenüber Afghanistan und dem Iran sowie über einen damals geplanten Rüstungsvertrag zwischen Washington und Moskau sammeln. Sie sollten demnach regierungsnahe Kreise infiltrieren. Das FBI listete in seiner Klageschrift auch die Methoden des Netzwerks auf. Die Spione arbeiteten den Angaben zufolge mit verschlüsselten Botschaften, Bargeld sei ihnen von russischen Boten bei Aufenthalten in lateinamerikanischen Ländern übergeben worden. Bei Reisen nach Moskau und zurück in die USA seien die Spione zur Tarnung über Rom geflogen und hätten falsche Pässe benutzt. Neun von ihnen wird auch Geldwäsche zur Last gelegt.

Zeichnung von vier Menschen im Gerichtssaal (Foto: ap)

Diese Zeichnung der mutmaßlichen Spione wurde in einem New Yorker Gericht gemacht

Die Männer und Frauen sollen teils seit den 90er Jahren Informanten rekrutiert und Informationen für Russland gesammelt haben. Daten seien über ein geheimes elektronisches Netz von Laptop zu Laptop weitergegeben worden. Die Missionen der meisten Verdächtigen seien langfristig angelegt und extrem verdeckt gewesen.

Bis zwanzig Jahre Haft

Den Verhaftungen waren laut Ministerium jahrelange Ermittlungen der US-Bundespolizei FBI vorausgegangen. US-Agenten hätten sich unter anderem als russische Regierungsbeamte getarnt und sich mit den Verdächtigten getroffen. Die Fahnder schlugen am Wochenende in den US-Staaten New Jersey, New York, Massachusetts und Virginia zu.

Agententätigkeit für eine fremde Regierung wird in den USA mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet, Geldwäsche mit bis zu 20 Jahren.

Autor: Martin Schrader, Annamaria Sigrist (apn, dpa, rtr, afp)
Redaktion: Herbert Peckmann

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