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Aktuell Europa

Polizei treibt Erdogan-Gegner mit Tränengas auseinander

Am Jahrestag des Beginns der landesweiten Gezi-Proteste in der Türkei ist die Polizei in Istanbul gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Es gab zahlreiche Festnahmen. Regierungschef Erdogan sieht sich im Recht.

Die türkische Polizei ist am Samstagabend mit Tränengas und Wasserwerfern gegen hunderte Demonstranten in Istanbul und anderen Städten des Landes vorgegangen. In Istanbul kam es zu Zusammenstößen nahe dem Taksim-Platz. Nach Angaben von Polizeichef Selami Altinok wurden etwa 120 Menschen festgenommen. Vier Polizisten seien verletzt worden.

Die Sicherheitskräfte hatten den symbolträchtigen Taksim-Platz und den angrenzenden Gezi-Park bereits am Nachmittag abgeriegelt. Laut Medienberichten sollen bis zu 25.000 Polizisten und 50 Wasserwerfer verhindern, dass Demonstranten auf den Platz vordringen. Der U-Bahnhof Taksim war geschlossen. Auch der Fährverkehr zwischen den beiden Ufern des Bosporus war auf Anordnung der Behörden eingestellt worden. Einigen hundert Protestteilnehmern gelang es, sich auf der zum Taksim-Platz führenden Einkaufsmeile Istiklal Caddesi zu versammeln. Sie forderten in Sprechchören den Rücktritt der Regierung.

Istanbul führen türkische Polizisten einen Demonstranten ab (foto: reuters)

Polizei in Zivil macht kurzen Prozess mit Demonstranten in Istanbul

Auch in der Hauptstadt Ankara setzte die Polizei Wasserwerfer und Tränengas ein. Aus anderen Städten wurden ebenfalls kleinere Zusammenstöße gemeldet.

Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor einer Teilnahme an den Protesten gewarnt und mit einem strikten Vorgehen der Sicherheitskräfte gedroht, die "präzise Anordnungen" hätten. In einer Fernsehansprache sagte Erdogan, mit dem Sieg seiner Partei bei den Kommunalwahlen Ende Mai sei auch die Ermächtigung einhergegangen, gegen die Demonstranten vorzugehen.

Ende Mai vergangenen Jahres hatten sich Demonstrationen von Umweltschützern gegen die geplante Abholzung von Bäumen im Gezi-Park am Taksim-Platz binnen kurzer Zeit zu landesweiten Massenprotesten gegen die Regierung ausgeweitet. Die türkischen Sicherheitskräfte gingen mit Gewalt gegen die Demonstranten vor, acht Menschen starben, tausende wurden verletzt. Politische Kundgebungen im Gezi-Park und auf dem angrenzenden Taksim-Platz sind mittlerweile verboten.

pg/SC/gri (rtr, dpa, afp)