1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Deutschland

Polizei sucht mögliche Mittäter nach verhindertem Anschlag

Nach der Festnahme zweier Terrorverdächtiger in Oberursel ermittelt die Polizei, ob es Komplizen gab. Das Radrennen, das möglicherweise Anschlagsziel war, wurde abgesagt. Trotzdem gehen viele Fahrer auf die Strecke.

Nach dem verhinderten Anschlag sehen die Ermittler die Terrorgefahr nicht gebannt. Zwar sitzt ein verdächtigtes Paar aus Oberursel in Untersuchungshaft. Es ist jedoch unklar, ob es Komplizen hat. "Wir müssen wissen, ob es Mittäter gibt, die noch agieren oder schon agiert haben", sagte ein LKA-Sprecher in Wiesbaden.

Die Polizei konzentriert sich bei ihren Ermittlungen auf ein Waldstück nordwestlich von Frankfurt. Einsatzkräfte würden in dem Forst nach verdächtigen Gegenständen suchen, sagte der LKA-Sprecher. Nach welchen Gegenständen genau Auschau gehalten wird, sagte er nicht. In Frankfurt selbst seien auch nach der Absage des Radrennens "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" weitreichende Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. Viele Radfahrer hätten sich trotz der Absage auf die Strecke begeben.

Rohrbombe in der Wohnung

Das verdächtige Ehepaar wohnte in Oberursel, in unmittelbarer Nähe der Radstrecke. Im Keller des 35 Jahre alten Mannes und seiner 34 Jahre alten Frau hatten die Ermittler in der Nacht zum Donnerstag eine funktionsfähige Rohrbombe, 100 Schuss scharfe Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust sichergestellt. Das Material sei geeignet, eine Vielzahl von Menschen zu töten oder zumindest schwer zu verletzen, sagte die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts, Sabine Thurau.

Verdächtiger Einkauf im Baumarkt

Das Paar soll Ende März in einem Frankfurter Baumarkt eine größere Menge Wasserstoffperoxid gekauft und dabei falsche Personalien angegeben haben. Der Baumarkt informierte die Polizei. Der Kauf der Chemikalie in größeren Mengen ist meldepflichtig. Neben drei Litern Wasserstoffperoxid wurde im Keller der Beschuldigten auch Aceton sichergestellt. In Mischung mit Salzsäure entsteht daraus hochexplosiver Sprengstoff.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft unterhielt der beschuldigte Mann Verbindungen zur Extremisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet. Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einem salafistischen Hintergrund der Verdächtigen. Der Mann soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft vor Jahren Verbindung zur islamistischen Sauerland-Gruppe gehabt haben. Vier Mitglieder der Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden. Der Mann war der Polizei auch wegen anderer Delikte wie Körperverletzung, Einbruch und Nötigung bekannt.

Haftbefehl gegen Ehepaar

Der Mann sei in den vergangenen Tagen auf Parkplätzen und im Wald entlang der Rennstrecke von Oberursel auf den Feldberg beobachtet worden. Zwar sei ein geplantes Anschlagsziel nicht bekannt, es habe aber deutliche Überschneidungen von Streckenverlauf und Bewegungsprofil der beiden Beschuldigten gegeben. Mehrere Hundert Polizisten hatten am Donnerstag den Wald an der Strecke durchkämmt, aber zunächst nichts gefunden. Gegen das Paar, das türkische Wurzeln hat, erließ ein Richter am Donnerstagabend Haftbefehl. Der Grund: Verdacht auf Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat.

Sportveranstaltungen gelten als mögliches Ziel für Terroristen. Beim Marathon in Boston (USA) 2013 töteten zwei Islamisten drei Menschen mit Sprengsätzen und verletzten fast 250. In Deutschland sind wegen befürchteter Terrorgefahr bereits mehrfach Veranstaltungen abgesagt worden, etwa im Januar in Dresden Demonstrationen von Anhängern und Gegnern der Pegida-Bewegung und im Februar der Karnevalsumzug in Braunschweig.

cr/chr (dpa, rtr, faz)