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Aktuell Europa

Polizei schützt "Pride-Parade" in Belgrad

Nur wenige Hundert Aktivisten zogen durch Belgrad, setzten aber ein Zeichen im Kampf für die Rechte von Schwulen und Lesben. Die serbische Polizei schützte den Umzug mit einem Großaufgebot und Panzerfahrzeugen.

Unter dem Schutz Tausender Polizisten, teils auf Pferden und mit Schutzschilden, ausgerüstet mit Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen, war in Serbien wieder ein Demonstrationszug von Homosexuellen möglich. Nach vier Jahren Pause und Gewaltdrohungen, unter anderem von Rechtsextremisten und Fußballrowdys, hatten die Behörden in Belgrad erst wenige Stunden zuvor der sogenannten "Pride Parade" grünes Licht gegeben.

Die erste große Demonstration der Homosexuellen-Bewegung durch Belgrad seit Jahren (foto: Getty Images)

Die erste große Demonstration der Homosexuellen-Bewegung durch Belgrad seit Jahren

Nur einige Hundert Gay-Aktivisten machten sich mit Regenbogenfahnen und Trillerpfeifen auf den kurzen Marsch durch das Zentrum der Hauptstadt. Der Sprecher der Organisatoren, Boban Stojanovic, wertete den Umzug der Schwulen und Lesben laut Agentur Reuters als Erfolg jahrelanger Anstrengungen. Das riesige Aufgebot des Staatsapparats kommentierte sein Mitstreiter Goran Miletic ironisch als "die serbische Version des Rechts auf freie Versammlung und freie Rede".

Heftiger Widerstand der Kirche

Vereinzelte extremistische Gegendemonstranten wurden von den Sicherheitskräften zurückgehalten. Am Vortag war es zu Protesten gegen den Homosexuellen-Umzug gekommen. Der Belgrader Aufmarsch wurde auch von der Orthodoxen Kirche noch einmal heftig kritisiert.

Brüssel hatte den EU-Kandidaten Serbien massiv gedrängt, den in den Vorjahren wegen Sicherheitsbedenken stets verbotenen Umzug zu erlauben. Einige Minister der serbischen Regierung, führende Politiker sowie zahlreiche Diplomaten wie der deutsche Botschafter Heinz Wilhelm schlossen sich dem Marsch an.

"Nicht auf Druck der EU"

Ministerpräsident Alexandar Vucic, ein früherer Ultranationalist, nahm nicht teil, lobte aber seine Belgrader Bürger und deren Bekenntnis zu Recht und Verfassung. Er beteuerte, man habe die Kundgebung "nicht auf Druck der EU" zugelassen. Alle Beschuldigungen, Serbien sei ein rückständiges und unterentwickeltes Land seien damit widerlegt.

In dem Balkanland werden Homosexuelle traditionell als krank und abartig diffamiert.

SC/rb (APE, rtre, dpa)