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Aktuell Asien

Polizei räumt Protestlager in Hongkong

10.000 Demonstranten waren noch einmal zum Widerstandscamp nahe des Hongkonger Finanzdistrikts Admiralty gekommen. Auch diesmal kennt die Staatsmacht keine Gnade. Das Ende der Proteste?

Bei der Räumung der Straßenblockaden der Demokratiebewegung in Hongkong hat die Polizei zahlreiche Aktivisten festgenommen. Unter dem Schutz der Sicherheitskräfte beseitigten Arbeiter Barrieren und Zelte im Finanzdistrikt Admirality, um Hauptverkehrsadern der asiatischen Wirtschaftsmetropole wieder freizugeben.

Die Demonstranten wehrten sich nicht aktiv gegen die gerichtlich angeordnete Räumung, sondern übten mit Sitzblockaden zivilen Ungehorsam. Unter den Festgenommenen waren oppositionelle Abgeordnete wie Emily Lau und Albert Chan sowie die Canto-Pop-Sängerin Denise Ho und der regierungskritische Chef der Zeitung "Apple Daily", Jimmy Lai.

"Wir werden zurückkehren"

Die 30jährige Marketing-Spezialistin Lorraine Ho baute am Morgen ihr Zelt im Bezirk Admiralty ab, wo sie die vergangenen zwei Monate die meisten Nächte verbracht hatte. Gegenüber der Deutschen Welle sagte sie: "Wir haben nicht alles erreicht, was wir wollten. Ich bin ehrlich gesagt ziemlich traurig, aber es macht Mut, wenn man sieht, dass einige Leute aufwachen. Ich bin sicher dass wir zurückkehren werden."

Andere Aktivisten wollten jedoch bleiben, bis sie von der Polizei verhaftet werden. Jo Chan, ein 22jähriger Student, sagte der DW: "Ich will meine Entschlossenheit und meinen Widerstand zeigen und der Bevölkerung klarmachen, dass wir weiter kämpfen müssen, koste es, was es wolle."

Behörden warnen vor Gewalt

Die Behörden der chinesischen Sonderverwaltungszone hatten unmissverständlich gedroht, "falls notwendig" werde Gewalt eingesetzt. Verwaltungschefin Cassie Lam erklärte vor der Presse bemüht diplomatisch, man könne "nicht garantieren", dass "Konfrontationen zu verhindern" seien. Gewarnt wurde vor "radikalen Kräften" unter den Aktivisten.

Die Demokratiebewegung in der Wirtschaftsmetropole hat zwar die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für ihre Anliegen gewonnen, aber keinerlei Zugeständnisse der Hongkonger Verwaltung erreicht. Vor der Räumung der Blockaden waren am Mittwochabend noch einmal etwa 10.000 Menschen zu einer Solidaritätskundgebung nach Admiralty gekommen. In den vergangenen Wochen war die Staatsmacht an anderen Brennpunkten der Stadt teils auch mit großer Gewalt gegen die Zeltlager der Studenten und Unterstützer vorgegangen.

Admiralty, die letzte Bastion der Demokratiebewegung auf den Straßen Hongkongs (foto: dpa)

Admiralty, die letzte Bastion der Demokratiebewegung auf den Straßen Hongkongs

Die Demonstranten der sogenannten "Regenschirm-Revolution" fordern echte Demokratie in der früheren britischen Kronkolonie, die seit 1997 wieder zu China gehört und seither als eigenes Territorium autonom verwaltet wird. Auslöser der Proteste waren die Pläne der kommunistischen Führung in Peking, den Hongkongern 2017 zwar erstmals direkte Wahlen zu erlauben, ihnen aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern.

Nun Kampagne für zivilen Ungehorsam

Die Sympathien unter den schätzungsweise sieben Millionen Hongkongern für die Demonstranten hatten in den vergangenen Wochen wegen der anhaltenden Behinderungen des Verkehrs und Geschäftslebens deutlich nachgelassen. Redner der Demonstration am Mittwoch versicherten aber, die demokratische Bewegung werde auch mit der Zwangsräumung nicht enden.

"Solange die Regierung an der Entscheidung der Zentralregierung von Ende August festhält, wird die Hongkonger Gesellschaft zivilen Ungehorsam ausüben und sich der Regierung widersetzen", sagte Alex Chow im Namen seiner Studentenvereinigung...

SC/cr/mak (rtre, APE, afpe, dpa)